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The Alan Parsons Symphonic Project: Live In Colombia (2CD, earMusic, 2016)

 

Alan Parsons war definitiv einer der Helden meiner Jugend. Seine LPs (für die Jugend: das waren im Vergleich zu CDs große Platten aus Vinyl, die man umdrehen musste, um alle Songs zu hören) gehörten zu den ersten, die ich (1971 geboren) besaß und zelebrierte ... vor allem auf Grund der tollen Musik, die anders war als das meiste, was man damals in den Charts fand. Mit seinem The Alan Parsons Project veröffentlichte der 1948 geborene Künstler, vor dem wir schon deshalb niederknien müssten, weil er 1973 als Toningenieur Pink Floyds grandioses "The Dark Side Of The Moon" mit aus der Wiege hob, in kongenialer Zusammenarbeit mit dem 2009 verstorbenen Eric Woolfson ab 1976 eine Reihe an spektakulären Alben wie "Tales Of Mystery And Imagination" (1976), "Pyramid" (1978), "The Turn Of A Friendly Card" (1980) und "Eye In The Sky" (1982) - letztere drei schafften es allesamt in die Top 3 der deutschen Albumcharts.

Nach den Erfolgsalben "Ammonia Avenue" (1984) und "Vulture Culture" (1985), die beide Platz 1 der deutschen Charts erreichten, ebbte der große Erfolg etwas ab. "Stereotomy" (1986) erreichte - wenn man das so sagen darf, denn andere würden sich die Finger danach lecken - "nur noch" Platz 15 der deutschen Charts, und das Album "Gaudi", welches sich mit gleichnamigem Musical dem großartigen spanischen Architekten und seiner Architektur widmete, wurde 1987 zum letzten Album des Alan Parsons Project (Platz 6).

In den 90ern brachte Alan Parsons noch einige Solo-Alben auf den Markt, die allesamt kein großes Aufsehen mehr erregen konnten. Ich erinnere mich noch gut an die Tour zum 1999er-Album "The Time Machine", bei der ich das Konzert in der Berliner Columbiahalle sah, wo auch der Star-Gast Tony Hadley von Spandau Ballet, der den Song "Out Of The Blue" eingesungen hatte, nicht viele Fans in die große Halle locken konnte - obwohl er einige Spandau Ballet Songs sang, was man nicht zwingend erwarten konnte. Vor extrem spärlich besetzten Rängen spielte Alan Parsons damals trotzdem in bester Laune eine 100-minütige Show ... und bestätigte damit, einer meiner Helden zu sein.

17 (!!!) Jahre später bin ich ziemlich begeistert, eine Veröffentlichung auf dem Tisch zu haben, die den alten Geist wieder aufleben lässt. Viele Bands haben ja schon das Prinzip probiert, dem eigenen Sound Orchester zuzufügen, hier aber nun als "The Alan Parsons Symphonic Project" passt das Ganze einfach optimal - und so möchte man einfach mal gerne vergessen, dass es letztendlich auch hier nur um Profit geht und nur Randgrupen wie ich mit meinen mittlerweile 44 Lenzen zur Zielgruppe gehören. Also: drauf geschissen, dieses Live-Doppelalbum, aufgenommen bereits am 31. August 2013, macht extrem viel Spaß.

Eröffnet wird das Ganze mit dem Instrumental "I Robot", und schon bald folgen Klassiker wie "Don't Answer Me", die sich als Kind der 70er und 80er einfach bestens genießen lassen im orchestralen Gewand ... welches ja absolut nicht fern ist vom damaligen Klang. Man wird als alter Fan also voll zurück geworfen, das aber auf beste und angenehmste Art und Weise. "The Raven" wirft einen zurück in die alten, anspuchsvollen Zeiten, und "La Sagrada Familia" lässt Gaudi-Bilder im Kopf entstehen. Auf Wunsch vieler Fans folgt die komplette zweite Seite der LP "The Turn Of A Friendly Card" - einfach schön! Hiermit werden dann auch die 57 Minuten von CD 1 abgeschlossen.

44 weitere Minuten des Konzerts finden sich auf CD 2. "What Goes Up..." und "Luciferama" sind hochklassig zu hören, bevor das wunderschöne, traurige "Silence And I" einen gefangen nimmt - was für ein schöner Song, der hier mit Orchester natürlich optimal aufblüht, und später ja auch noch flott daher kommt. Nach "Prime Time" folgt "Sirius" vom 1982er-Mega-Album "Eye In The Sky", bis heute ja auch die Einmarschmusik des NBA-Teams der Chicago Bulls. Der Erfolg "Eye In The Sky" darf natürlich auch nicht fehlen, und am Ende wird es mit "Old And Wise", einem der traurigsten Songs aller Zeiten, noch einmal richtig traurig, bevor "Games People Play" vom ja bereits ausführlich zelebrierten Album "The Turn Of A Friendly Card" das Album abschließt. Die Zusammenarbeit mit dem von Alejandro Posada dirigierten Medellin Philharmonic Orchestra hat bestens funktioniert, das Ganze ist eine wahre Freude für alte Fans des Alan Parsons Project!



www.alanparsonsmusic.com



Bewertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi )