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Depeche Mode: Spirit (CD, Columbia, 2017)

 

Depeche Mode melden sich zurück und veröffentlichen mit "Spirit" ihr nun schon 14. Album - und endlich muss nicht mehr darüber diskutiert werden, ob das Artwork von Langzeit-Weggenosse Anton Corbijn nun toll oder grottig ist. Vier Jahre nach "Delta Machine" bescheren die Elektropop-Heroen ihren zahlreichen Fans zwölf neue Songs auf 50 Minuten, in der uns nicht vorliegenden Deluxe-Edition kommen noch fünf Remixe dazu.

Sehr abwechslungsreich geht es zu, und ungewohnt politisch und gesellschaftskritisch. Die gute, mit Widerstands-Botschaft versehene Vorab-Single "Where's The Revolution" ist natürlich mit vertreten, ihr treibender, historiengerecht elektronischer Sound mit hymnenhaftem Refrain ist allerdings nicht richtungsweisend für die Scheibe. Die erstmals mit Produzent James Ford (Florence + The Machine, Arctic Monkeys, Foals) erarbeiteten Stücke kommen vielschichtig daher und können so Fans aus jeder Schaffensphase der Band bedienen. Aber sind sie auch gut?

Der Opener "Going Backwards" ist als solcher etwas merkwürdig gewählt. Der mit fast sechs Minuten längste Song der Scheibe schleicht irgendwie etwas schleppend voran und vermag einen auch im Refrain nicht zu packen - eine eher durchschnittliche Nummer, mit der Depeche Mode tatsächlich aber dem Titel folgen, ist sie doch eher ein Rückschritt in langweiligere Zeiten der Band. "The Worst Crime" hingegen ist eine schöne, ruhige Nummer. Zu sanften Gitarrenklängen und sphärischen Synthieflächen beklagt Sänger Dave Gahan frustriert den Stand der Dinge, was die Welt betrifft - "Once there were solutions, now we have no excuses. It got lost in confusion, so we're preparing the nooses. And oh, we had so much time - how could we commit the worst crime?" Mit "Scum" folgt dann wieder eine sperrige Nummer, eher monoton mit verzerrtem Gesang und einigem Klangbrei daher kommend - das fordernde "Pull the trigger" im Refrain der nervigen Nummer sorgt hier eher für's Drücken der "Skip"-Taste.

Auch bei "You Move" singt Dave wieder verzerrt, jedoch besitzt diese eher sexuell inspirierte Nummer klanglich weit größeren Reiz, zwischen Minimalismus und sphärischen Klangspielen gebastelt. Es ist jedoch anstrengend, dass uns die Jungs hier - vermutlich auf der Suche nach etwas kunstvoll Besonderem - keinen gradlinigen Takt gönnen und ständig ein Sechzehntel klauen. Lasst doch den Murks, das versaut einem die eigentlich anständige Nummer! Da freut man sich über das ruhige "Cover Me" doch umso mehr - ein schönes Liebeslied, wer will sich nicht mal die Kälte weg kuscheln und dabei Polarlichter bewundern. Dass die Nummer hinten raus noch flotter wird, mag dafür stehen, dass das Kuscheln erfolgreich fortgesetzt wird unter der wärmenden Decke.

"Eternal" ist einer von zwei Tracks, bei denen Martin Gore das Mikro übernommen hat. Wie so oft handelt es sich hierbei um ruhiger basierte Stücke, wobei hier verstörende Schrammel-Elektro-Gebilde die Schönheit erdrücken. Bei der Abschluss-Ballade "Fail" geht es da schon gradliniger zu, und klanglich weit angenehmer und interessanter. Inhaltlich allerdings geht es hier keineswegs um Zweisamkeit, sondern - nochmals - ums Versagen der Menschheit: "People, do we call this trying? We're hopeless, forget the denying. Our souls are corrupt, our minds are messed up, our consciences bankrupt. Oh, we're fucked."

Zurück zu Daves Songs. "Poison Heart" kommt getragen daher, souliger, und ist trotz des balladesken Aufbaus auch progressiv, nicht nur durch den düsteren Trennungstext, sondern auch durch einige sperrige Sounds und den erneut verzerrten Gesang, der hier irgendwie zu oft zum Tragen kommt. Bei "So Much Love" leider auch, hier geht es aber zumindest mal tanzbarer und treibender zu, wenn Dave von Leidenschaft getrieben wird: "There's a fire in my veins, the desire causes pain. I would say it again, there is so much love in me." Zurück zu pureren Elektrosounds, zumindest anfangs, geht es mit "Poorman", wobei es hier mächtig schleppend zugeht und die gerade wieder gesteigerte Begeisterung schnell wieder erloschen ist. Bliebe noch "No More (This Is The Last Time)", ein gut hörbarer Track über eine bevorstehende Trennung: "This is the last time, I say goodbye. The last time, then we won't have to lie. The last time, call it what you want. You don't mean a thing to me no more."

Auch wenn dieses Album kein Highlight der Bandgeschichte ist, hoffen wir mal, dass Dave hier nicht über den Abschied von Band und Fans singt. Insgesamt leider etwas enttäuschend, dieses Album - textlich nicht, aber musikalisch schon, von Ford auch viel zu verstörend abgemischt mit all den Verzerrungen. Gut, dass wir wissen, dass man Gahan, Gore und Fletcher in den bevorstehenden Konzerten wieder für viele der Klassiker feiern kann, die einen mit zurück nehmen in die Glanzzeiten der Band. Warum diese aber vorbei sein müssen und "Our spirit has gone" in "Fail" die glaubwürdigste Textzeile ist (wenn auch völlig anders gemeint hier), ist fraglich - hier hätte man doch weit mehr heraus holen können aus Gores nach wie vor interessanten Kompositionen. Schade!

Hier der Videoclip zu "Where's The Revolution":



Auf weltweite Tournee gehen Depeche Mode natürlich auch wieder, hier die Daten der Konzerte in unseren Gefilden:

27.05.2017 Leipzig - Festwiese
05.06.2017 Köln - RheinEnergieStadion
09.06.2017 München - Olympiastadion
11.06.2017 Hannover - HDI-Arena
20.06.2017 Frankfurt - Commerzbank-Arena
22.06.2017 Berlin - Olympiastadion
04.07.2017 Gelsenkirchen - Veltins-Arena

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Bewertung: 5 von 10 Punkten

(Tobi )