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Falco: Falco 60 (3CD, Sony Music, 2017)

 

Am 19. Februar 2017 hätte Falco seinen 60. Geburtstag gefeiert - wäre er nicht im alter von 40 Jahren bei einem Unfall in der Dominikanischen Republik viel zu jung verstorben. Trotzdem eine gute Gelegenheit, noch einmal auf seine von Höhen und Erfolgen wie auch Tiefen und Skandalen geprägte Karriere zurück zu blicken, und ihn posthum erneut zu würdigen.

"Falco 60" heißt die passend zum Geburtstag veröffentlichte Dreifach-CD, die auf zwei CDs die größten Hits und erwähneswertesten Comeback-Versuche des österreichischen Exzentrikers bietet, dazu auf einer dritten CD Raritäten. Auf den 78 Minuten von CD 1 findet man 18 Tracks, die chronologisch Falcos Aufstieg bis hin zu Weltruhm verkörpern. Eröffnet wird der Silberling vom tollen "Ganz Wien" aus seinem 1982er-Debütalbum "Einzelhaft" - dem Wien-Drogensumpf-Song, den er auch mit seiner vorigen Band Drahdiwaberl schon gesungen hatte. Es folgt "Der Kommissar", sein erster Nummer-Eins-Hit in Österreich und Deutschland, der dann auch seinen besonderen Stil zwischen Pop, Sprechgesang und Rock erstmals näher brachte. Natürlich fehlen Singles wie "Auf der Flucht" und "Maschine brennt" nicht, dazu gibt es die Stücke "Helden von heute" und "Zuviel Hitze". Mit dem Album "Junge Roemer" gab es 1984 einen ersten kleinen Dämpfer. Zwar erreichte Johann Hölzel, so sein bürgerlicher Name, in den österreichischen Charts Platz 1, aber auch nur dort ging es in die Charts, und auch die Singles wie der Titelsong floppten. Neben "Junge Roemer" findet man auf "Falco 60" aus dieser Zeit dann auch nicht die weiteren Singles "Nur mit Dir" und "Kann es Liebe sein?", sondern die eher langweiligen Albumtracks "Brillantin' Brutal", "Hoch wie nie" und "No Answer (Hallo Deutschland)".

Mit dem dritten Album "3" kam dann ein nur ein Jahr später aber der ganz große Durchbruch. Der von den Bolland-Brüdern produzierte Longplayer erreichte sogar in den USA Platz 3 der Charts, nachdem die Single "Rock Me Amadeus", hier im "The American Edit" zu finden, ein weltweiter Hit wurde. Bis heute ist die Nummer das einzige deutschsprachige Lied, das sowohl in Amerika als auch in Großbritannien die Spitze der Single-Charts erreichen konnte - und das jeweils für zahlreiche Wochen. Falco war auf dem Zenit seiner Karriere. Auch wenn dies sein internationaler einziger Mega-Hit blieb, feierte Falco im deutschsprachigen Raum weiter große Erfolge. "Vienna Calling" lief gut, und die Psycho-Ballade "Jeanny" brauchte ihm die nächsten Platz-Eins-Ränge ein. Auf "Falco 60" findet man zudem noch die ebenfalls sehr guten "Männer des Westens – Any Kind Of Land" und "America" aus seinem erfolgreichsten, definitiv auch stärksten Album. In Deutschland und der österreichischen Heimat sollte die Erfolgsgeschichte noch etwas länger gehen - das 1986 veröffentlichte Album "Emotional" brachte wieder Platz Eins der Charts, und die Singles "The Sound Of Musik" und "Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr danach)" gingen auch in die Top Five. CD 1 enthält zudem noch "Les Nouveaux Riches" vom Longplayer.

Die 77 Minuten von CD 2 werden von "Emotional" eröffnet, dem Titelsong aus besagtem Album - damals auch eine Single mit mäßigem Durchschlag. Das langweiligere "The Star Of Moon And Sun" rundet die Songs von dieser Scheibe ab. 1987 stellte dann den Anfang vom Ende für Falco dar. Körperlich und geistig ging es ihm immer schlechter und so zog er sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Mit Brigitte Nielsen nahm er noch das von Giorgio Moroder produzierte Duett "Body Next To Body" auf, aber Top-Platzierungen blieben hiermit bereits aus. Das 1988er-Album "Wiener Blut" wurde zwar von Bolland & Bolland, mit denen sich Falco zerstritten hatte, nach anfänglicher Zusammenarbeit mit anderen Produzenten noch fertig gestellt, war aber wohl auch auf Grund der Streitereien weit mieser. Der Titelsong funktionierte als einziger noch und schaffte es knapp in die deutschen Top Ten, aber die hier nicht vertretene Single "Satellite To Satellite" floppte völlig, und auch die auf "Falco 60" zu findenden Stücke "Garbo" und "Tricks" konnten nicht annähernd an alte Klasse anknüpfen. Der Sinkflug ging mit dem Album "Data De Groove" weiter, auch wenn hier Robert Ponger produzierte, der Falcos erste Scheiben verantwortete und auch "Der Kommissar" mitkomponiert hatte. Von diesem Album findet man den ziemlich furchtbaren Titelsong, das alles andere als charismatische "Charisma Kommando" und den Langweiler "Alles im Liegen" - wirklich üble Musik nach Jahren voller Erfolg. Die erneute Zusammenarbeit mit den Bollands sollte dann auch nicht für ein Comeback sorgen - der Untergang ging passenderweise mit "Titanic" aus dem 1992er-Album "Nachtflug" weiter, von dem man zudem den Titelsong und "Monarchy Now" findet. Zumindest in Österreich brachte ihm diese Scheibe mal wieder einen Spitzenplatz in den Charts ein, wohl weil "Titanic" durchaus mal wieder etwas besser klang und zumindest alten Elan aufwies. "Falco 60" bietet dann "Verdammt, wir leben noch", einen Song, der erst nach seinem Tod auf einem gleichnamigen Album veröffentlicht werden sollte, sich chronologisch aber 1995 einordnet. Falco entschied sich in diesem Jahr aber auch für einen Stilwechsel und veröffentlichte unter dem Pseudonym T>>MA die Single "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da", eine technoide Interpretation eines alten Berliner Gassenhauers aus den 20er-Jahren - skurrilerweise sein größter Erfolg seit "Wiener Blut". Zu einem neuen Album kam es zu Lebzeiten allerdings nicht mehr - drei Wochen nach seinem Unfalltod wurde "Out Of The Dark (Into The Light)" veröffentlicht, und durch Falcos Tod stellte dieses Album dann zumindest erfolgstechnisch das so lange erhoffte und doch nicht erlebte Comeback dar, mit Platz Drei in Deutschland, Platz Eins in der Heimat. Hierbei sollte man aber nicht vergessen, dass die Songs nicht toll waren, was das hier zu findende "Naked" ausdrücklich unterstreicht. Da war das als Non-Album-Track nachgeschobene "Push! Push!" schon wieder fast hochklassig im Vergleich, während das auch in die Tracklist aufgenommene "No Time For Revolution" mehr so vor sich hin plätscherte. Der Song "Out Of The Dark (Into The Light)" war 1998 dann also Hymne an einen verstorbenes, gescheitertes Genie der größte Erfolg, schaffte es auf Platz Zwei in Deutschland und Österreich, knüpfte als Power-Ballade auch an den Stil der lange zurück liegenden Erfolge an. Abgeschlossen wird die chronologische Aufarbeitung von Falcos Karriere mit "Egoist", als Single dann auch noch ein Top-Ten-Erfolg.

CD 3 bietet 15 Raritäten auf 78 Minuten. Zu hören sind einige bislang unveröffentlichte Songs, die allerdings auch nicht zu begeistern wissen, einige weitaus bessere Maxi-Versionen, teilweise auch unveröffentlicht oder zumindest noch nicht auf CD zu bekommen, sowie zwei Live-Versionen von "Rock Me Amadeus" und "Flyin' High". Am Ende findet man noch vier neue Remixe aktueller Österreichischer Künstler. Ogris Debris, Milo Mills, Ynnox und Parov Stelar haben Songs von Falco auf interessante Weise gemischt.

Die Dreifach-CD ist als Retrospektive für Fans sicher ein Muss, zudem für die interessant, die Falco mögen, aber noch nichts oder nur wenig von ihm zu Hause im Regal haben.

Hier das Video zu "Vienna Calling" im Remix von Parov Stelar:



www.officialfalco.com
www.facebook.com/officialfalco



Bewertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi )