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Fayzen: Gerne allein (CD, Vertigo, 2017)

 

Fayzen fing mit 15 Jahren an, Musik zu machen, schloss sich zuerst einer Hamburger Rap-Crew an, verkaufte in den folgenden Jahren 20.000 selbstproduzierte Mixtapes in den Straßen der Hansestadt. Einen Großteil des eingenommenen Geldes schenkte er seinen Eltern, als Dankeschön für eine unbeschwerte Kindheit, die sie ihm trotz Flucht aus dem Iran ermöglichten. Um den Traum von einer größeren Karriere vielleicht doch verwirklichen zu können, brachte sich Fayzen selbst Gitarre und Klavierspiel bei, schrieb parallel durchgängig weiter an Texten. Irgendwann lernte er durch Zufall einen Musikmanager des Major-Labels Universal kennen, und dieser war vom jungen Künstler überzeugt. Fayzen erhielt einen Vertrag, veröffentlichte 2013 sein Debütalbum "Meer", stilistisch zwischen Singer/Songwriter-Pop und HipHop angesiedelt.

Wir schreiben 2017 und mit "Gerne allein" erscheint Fayzens zweites Album, bei dem er sich stilistisch treu geblieben ist, auch wenn sein Debüt ihn nicht wie erträumt auf die ganz großen Bühnen brachte. Warum sollte sich Fayzen auch nicht treu bleiben? Die 14 Songs auf 56 Minuten wissen zu gefallen, warum sollte da also nicht auch mal einer der Songs den Durchbruch bedeuten? Textlich beschäftigt sich der Hamburger mit vielem, und erklärt: "Am Anfang der Produktion standen für mich ganz viele Fragen. Warum hat sich meine Exfreundin von mir getrennt? Warum ist mein Opa gestorben? Also: Wie geht man mit dem Verlassenwerden um? Was ist eigentlich meine Aufgabe? Gibt es Gott? Bin ich schuldig? Wie ist das eigentlich, wenn ich alleine dadurch, dass ich Sachen konsumiere, eine Weltordnung fördere, die ich in großen Teilen ablehne? Und ist es moralisch okay, wenn ich trotzdem glücklich bin? Was ist Wahrheit? Und wie komme ich ihr näher?"

So ist "Gerne allein" dann eine sehr persönliche Scheibe geworden, auf der Fayzen über seine Vergangenheit, seine Familie und Freunde, seine Gegenwart, seine Träume und Gefühle, Hamburg und die Welt aus seiner Sicht singt. Das macht er gut, authentisch und tiefgründig, mit Sprechgesang genauso wie gesungenen Passagen, in denen dann noch mehr Gefühl transportiert wird. Die Arrangements zwischen sanftem Pop und guten Rhythmen wissen zu gefallen, gerne auch mit Streicherklänger noch weiter verschönert.

Das flottere "Gerne allein" ist eines der Highlights mit intelligentem Text und eingängiger Melodie. "Unschuldig" packt einen mit toller Atmosphäre und starker Struktur, ganz ruhig startend und dann immer intensiver werdend, musikalisch wie textlich. Das melancholische "Mein Herz ist traurig" lässt einen genau so zurück, ein wundervolles Duett mit Elif über Trennungsschmerz. Apropos "Wundervoll", das gibt es auch als sehr schönes Liebeslied mit poetischem Text zu gemütlicher Musik. Mit "Baumwall", "Lina", "Vater" und "Freunde" gibt es mehrere schöne Balladen.

Starkes Album, und wenn Fayzen im autobiografischen "Herr Afshin" singt "Und ich bin wieder auf der Suche nach dem perfekten Lied, ohne zu wissen, ob's überhaupt so etwas gibt", dann kann man ihm bestätigen, dass hier schon sehr viele Songs ganz hervorragend sind und große Bühnen verdienen würden - und es muss ja nicht immer perfekt sein. Volle Punktzahl!

Hier das Video zu "Wundervoll":



Live ist Fayzen in den nächsten Tagen noch hier zu sehen:

18.05. Frankfurt – Nachtleben
19.05. München – Milla
20.05. Leipzig – Noels Ballroom

www.fayzen.de
www.facebook.com/FayzenHH



Bewertung: 10 von 10 Punkten

(Tobi )