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Heino: Arschkarte (CD, Starwatch Entertainment, 2016)

 

Heino spielt mit seinem neuen Album die "Arschkarte" aus, und diese ist vermutlich ein Trumpf, ob man es will oder nicht. Der von der Volksmusik abgekommene Neu-Rocker bietet auf der neuen Scheibe passend zum langsam steigenden Fußball-EM-Fieber Songs rund um Deutschlands Nationalsport Nummer Eins. Eingebettet in als "Anpfiff" und "Abpfiff" verpackte, kurze "Seven Nation Army"-Riffs als Instrumentals findet man Coverversionen, die man dann nach zwei, drei Bier zur EM vermutlich gut auflegen und mitgrölen kann. Los geht es mit soliden, griffigen Rock-Versionen von "Fußball ist unser Leben" und "Buenos Dias Argentina", was die Stimmung schonmal gut anheizen sollte. Später folgen weniger interessante Interpretationen aktuellerer Fan-Hymnen wie "54, 74, 90, 2010" und "Schwarz und Weiß". Ansonsten gibt es für durstige Kehlen "Was wollen wir trinken (7 Tage lang)", der Düsseldorfer Heino singt zusammen mit Lotto King Karl "Hamburg, meine Fußballperle" als Bekenntnis zum HSV und mit "Es gibt nichts auf der Welt" ein Lied über Heinos außerordentliche Liebe zum Fußball.

Ob Heino wirklich ein großer Fußballfan ist oder privat lieber den Heimatkanal anschaltet, mag unbeantwortet bleiben. Warum er dieses Album aufgenommen hat, ist indessen klar - sein neues Ich bringt einfach gut Geld. Aus der Versenkung kam er mit dem dreifach vergoldeten "Mit freundlichen Grüßen" 2013 zurück ins Rampenlicht, als er Pop- und Rock-Songs im typischen Heinostil interpretierte. Das war soweit noch voll okay. Ein Überraschungsauftritt beim legendären Metal-Festival in Wacken brachte dann die Stil-Wende. Heino sang gemeinsam mit Rammstein deren Song "Sonne". Dass die Fans ihn natürlich nur feierten, weil das ganze irgendwie lustig ist, einen verdorrten alten Schlager-Heini ... sorry, Schlager-Heino ... plötzlich steif abrocken zu sehen, und dass das Ganze nichts, aber auch absolut gar nichts mehr mit musikalischer Qualität zu tun hat, sollte allen Beteiligten klar sein. Heino verstand das eventuell nicht so ganz, oder ein monitär ausgerichteter Berater redete ihn in eine fragwürdige zukünftige Ausrichtung hinein. Auf "Schwarz blüht der Enzian" coverte Heino dann nämlich plötzlich als Neu-Rocker recht erfolgreich den volkstümlichen Heino und trat auch immer mehr als völlig unglaubwürdiger cooler Heino auf.

Aber da musste noch ein anderes Thema her, um mehr Kohle aus dieser Farce heraus zu holen. Da kommt die Fußball-EM gerade recht, und bei zwei, drei Songs funktioniert der Gag ja vielleicht auch noch, bei anderen widerum wird es gruselig. Wenn ein rockender Volksliedersänger "Samba de Janeiro" anstimmt, dann ist das so, als würden Slipknot "Schwarzbraun ist die Haselnuss" als Sambaversion spielen. Das ist furchtbar, genauso wie die Verunglimpfung von "You'll Never Walk Alone" als "Allein bist du nie" - die übliche Gänsehaut wendet sich hier vor Scham nach innen.

Ein bisschen fühlt sich das Ganze an, als wenn ich meinen Kindern sage "War ja ganz lustig, aber nun hört mal auf", mit einem ernsteren und lauteren "BITTE" dahinter. Auch wenn Heino mit dieser CD vermutlich Erfolg haben wird, so bitten wir inständig, er möge nicht weiter rocken, sonst haben wir alle die "Arschkarte". Ich frage mich, ob Heino morgens noch mit Stolz in den Spiegel oder Hannelores Augen gucken kann...

Hier das noch erträglichste Stück des Albums im Video:



www.heino.de
www.facebook.com/HEINO.de



Bewertung: 2 von 10 Punkten

(Tobi )