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Kraftklub: Keine Nacht für Niemand (CD, Vertigo, 2017)

 

Mit den 50 Minuten ihres dritten Albums "Keine Nacht für Niemand" melden sich Kraftklub zurück. Um es kurz zu erwähnen, auch wenn der Titel an "Keine Macht für Niemand", das zweite Album der legendären Ton Steine Scherben, angelehnt ist, hat es 45 Jahre später absolut gar nichts damit zu tun - eine reine Wortspielerei also. So präsentieren sich Kraftklub im Opener dann auch standesgemäß als "Band mit dem K", die hier eher als Religion mit Wodka statt Wein im Abendmahl aufspielt. So ein richtiger Smasher wie "Ich will nicht nach Berlin" aus dem 2012er-Debütalbum "Mit K" ist nicht zu finden, dafür eine recht homogene Ansammlung von guten und abwechslungsreichen Rock-Nummern, mit denen ein dritter Longplayer gut zu bestreiten sein dürfte. Hört man mehr auf die Inhalte, so hält das Album auch einges parat. "Leben ruinieren" richtet sich an die Normalo-Braut mit der Frage, ob ein Leben mit einem Normalo-Freund nicht einfacher und zielgerichteter wäre - auch wenn ein Rockstar-Leben natürlich reizvoll ist. "Chemie Chemie Ya" behandelt auf groovende Art und Weise Drogenmissbrauch, wobei auch krasse Bilder heran gezogen werden - gut so. "Am Ende" ist als Liebeslied sehr brauchbar, "Fenster" als das Gegenteil mit hoffentlich nicht ernst gemeinter Ermutigung zum Suizid.



Nach dem schleppenden "Fan von dir" folgt mit "Hausverbot (Chrom & Schwarz)" wieder eine rockige, griffige Nummer, wie man sie sich von Kraftklub wünscht. Mit "Dein Lied" folgt dann ein definitives Highlight des Albums - nein, keine griffige Rocknummer, sondern eine mit Streichern intonierte Rache-Ballade nach üblem Betrug und emotionalem Desaster:



Im hinteren Drittel des Albums wird es etwas austauschbar, daher weichen wir nur zu gerne von der Track-Reihenfolge ab, weil sich das auch mit den Video-Einbindungen besser macht. "Venus" schlägt mit der Deichkind-Anleihe "Schmeißt die Möbel aus dem Fenster, wir brauchen Platz zum Dancen" die frivole Brücke zu Rap-Musik mit einiger Kritik an geforderter Credibility, "Hallo Nacht" schleppt sich im Vergleich zu den anderen Stücken eher mühsam voran, "Liebe zu dritt" hingegen rockt als Abschluss nochmal gut ab und lässt Felix Stimme in ungeahnten Höhen jubilieren. Bliebe nur noch das als Track 9 angerichtete "Sklave". Hier behandeln die Jungs aus Chemnitz mit Reminiszenzen an Die Ärzte das Arbeitsleben in Großkonzernen.



Ein von Philipp "Philsen" Hoppen und erstmals auch der Band selbst produziertes Album, welches durchaus gefällt, aber nicht begeistert. Da muss in Zukunft wieder mehr kommen.

www.kraftklub.to
www.facebook.com/kraftklub



Bewertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi )