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Westernhagen: MTV Unplugged (2CD, Virgin, 2016)

 

Es gab mal eine Zeit, da befanden sich Marius Müller Westernhagen und Herbert Grönemeyer im friedlichen Kampf um den Status als größter deutscher Sänger. Inzwischen wissen wir, dass Grönemeyer diesen gewonnen hat, er ist nach wie vor ein Megastar - für Westernhagen, der den Marius Müller irgendwann ablegte, führte der Weg in die musikalische Mittelmäßigkeit. Treue alte Fans bescherten zwar auch den Alben aus diesem Jahrtausend noch vordere Chartpositionen, dies aber immer nur sehr kurz, und die Verkaufszahlen konnten nicht annähernd an alte Erfolge wie "Halleluja" (1989, mit dem Hit "Sexy"), "Ja Ja" (1992) und "Affentheater" (1994) anknüpfen, zudem gingen auch die Besucherzahlen der Konzerte stark zurück.

Nun also ein "MTV Unplugged" von Westernhagen - und dieses hat er sich mit seiner mehr als 40 Jahre umspannenden Karriere auch irgendwie verdient. Natürlich sind in dieser Zeit auch massig gute Songs entstanden, die hier nun in akustischen Versionen bestens anzuhören sind, aufgezeichnet in der Berliner Volksbühne. Klassiker aus dem 70ern und 80ern wie das immer wieder grandiose "Geiler is' schon", die flotte Rock 'n' Roll-Nummer "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" oder die auch heute noch umgehend Gänsehaut erzeugende Mega-Ballade "Lass uns leben" sind einfach zeitlos gut. Weitere vertretene Hits aus erfolgreichen Tagen sind "Es geht mir gut", "Sexy", "Wieder hier", "Willenlos" und natürlich die Mauerfall-Hymne "Freiheit".

Die Stücke kommen nicht nur akustisch, sondern auch in interessanten Arrangements daher. "Wir haben 'Unplugged' als künstlerische Herausforderung gesehen", erklärt Westernhagen. "Wir wollten uns nicht einfach nur akustische Gitarren umhängen und die originalen Arrangements als verkapptes Best of runterspielen. Es galt, das Material von über vier Jahrzehnten meiner Arbeit als Songschreiber zu sichten und sich mit ausschließlich analogen Mitteln völlig neu zu erarbeiten. Wir hatten die Ambition, es für uns wie für das Publikum auf den heutigen Stand unseres Verständnisses von guter Musik zu bringen." Neben den genannten Hits sind aber auch die anderen der 24 Songs gut anzuhören - und ein paar Gäste sind auch mit am Start gewesen. Mit seiner Lebenspartnerin Lindiwe Suttle sang Westernhagen die gute Neukomposition "Luft um zu atmen", mit seiner Tochter Mimi besagtes "Lass uns leben". Bei "Durch deine Liebe" präsentierte er die Berliner Straßenmusikerin Elen Wendt dem Publikum, für "Mit 18" kam Selig-Frontmann Jan Plewka auf die Bühne, und bei "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" saß Udo Lindenberg am Schlagzeug. Westernhagen erläutert: "Ich wollte keine Gäste einladen, nur weil sie im Augenblick populär sind und schon dadurch das Projekt kommerzieller gemacht hätten. Es sollten Freunde sein, Menschen, die mir nahestehen, Weggefährten. Alles andere hätte ich als unehrlich empfunden." Sympathisch. Und gut, dieses Album - zwei Stunden feine Unplugged-Musik. Zu erwähnen wäre sicher noch, dass mit David Bowies "Heroes" eine Coverversion als Ehrerweisung gespielt wurde. Abgeschlossen wurde das Konzert vom Klassiker "Johhny W.". Mal sehen, ob Westernhagen es Lindenberg nachmacht und vielleicht auch ein Comeback ins dauerhafte Rampenlicht schafft...

Neben der CD-Veröffentlichung gibt es das Ganze auch als Konzertfilm auf DVD und Blu-ray, von keinem Geringeren als dem vielfach prämierten Regisseur Fatih Akin ("Gegen die Wand", "Soul Kitchen") filmisch in Szene gesetzt.

Hier als Auszug "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" mit Udo Lindenburg am Schlagzeug:



www.westernhagen.de
www.facebook.com/westernhagen.de



Bewertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi )