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Ray Charles, jener legendäre schwarze Pianist und Sänger, den man aufgrund seiner tragischen Erblindung im Alter von (5-)7 Jahren ausschließlich mit dunkler Sonnenbrille in Erinnerung hat, gilt gemeinhin als derjenige Musiker, dem der größte Teil der Anerkennung für die Entstehung des Soul zukommt. Zwar haben Künstler wie z.B. Sam Cooke oder Jackie Wilson sicher das Ihrige beigetragen; doch war es Charles, der in den 50ern die ersten Ansätze einer neuen, "schwarzen" Pop-Musik schuf, in dem er R&B mit Gospel-typisch kraftvollem Gesang verband und dazu reichlich Zutaten aus dem (damals) zeitgenössischen Jazz, Blues und (in den 60er Jahren) auch Country mischte. Sein Vokalstil war und ist bis heute ebenso charakteristisch wie sein Pianospiel und seine Arrangements; seine "klassischen" Aufnahmen der 50er und 60er Jahre haben die Musikgeschichte in schwungvoller Feder mitgeschrieben.

Geboren am 23.9.1930 in Albany, Georgia, begann die musikalische Laufbahn des Ray Charles im Grunde mit seiner Schulzeit an der St. Augustine School for the Deaf and the Blind (St. Augustine, Florida), wo er u.a. Komposition studierte und verschiedene Instrumente erlernte . und zwar als Wohlfahrtsfall. Seine Eltern waren beide bereits verstorben, als er sein 15tes Lebensjahr vollendete, und so verdiente er seinen Lebensunterhalt schon als Teenager mit Musik. Im Alter von 17 hatte er genügend angespart, um nach Seattle umziehen zu können. Hier fand er offenbar schnell Gehör bei Vertretern der Musikindustrie, denn Ende der 40er Jahre nahm er bereits fleißig auf - damals in einem R&B-Derivat populärer Stile nach Art zeitgenössischer Stars wie Nat "King" Cole oder Charles Brown, was seinem Frühwerk auch nicht gerade wenig Kritik eingebracht hat. Der naheliegende Vorwurf bestand darin, er würde "nur gelungene Kopien seiner Helden" zuwege bringen. Doch das sollte sich bald genug ändern. Innerhalb weniger Jahre, genauer gesagt 1951 hatte er mit dem Titel "Baby, Let Me Hold Your Hand" seinen ersten R&B-Top10-Erfolg. Nach prägenden Zusammenarbeiten mit Lowell Fulson, Guitar Slim und R&B-Königin Ruth Brown ließ ihn sein Unterkommen bei Atlantic Records Mitte der 50er endgültig seinen eigenen Stil finden und festigen. Seine Einspielung "I Got A Woman" aus dem Jahre 1955 wird oft als Punkt seines persönlichen künstlerischen Durchbruchs referenziert. Hier erlebte man erstmals, wie er nach Art des Gospel seinem Gesang die Zügel schießen ließ, vor einem energiegeladenen, treibenden Arrangement.

Diesem Release folgte eine Serie von R&B-Hits, die zwar zu jener Zeit nicht als "Soul" bezeichnet wurden, aber dennoch dieser Musikform, gewissermaßen als Vorläufer, den Weg bereiten sollten: Stücke wie "This Little Girl of Mine," "Drown in My Own Tears," "Hallelujah I Love Her So," "Lonely Avenue," and "The Right Time" waren allesamt große Erfolge; doch die breite Masse erreichte er erstmals in großem Stil mit "What'd I Say" (1958), das Charles feurigen Gospelgesang mit einer Rock'n'Roll-mäßigen E-Piano-hookline verband. Dies war zum einen sein erster Top 10 Pop-Hit, zum anderen eine seiner letzten Singles bei Atlantic, welche/s er Ende der 50er zu Gunsten von ABC verließ. Einer der Hauptgründe für den Wechsel war die weit größere künstlerische Freiheit, die ihm der neue Deal zumaß; und die wusste er auch gleich gut zu nutzen, wie seine Hits aus den frühen 60er Jahren dokumentier(t)en (darunter z.B. "Unchain My Heart", "Hit the Road, Jack" u.a.), welche seiner Popularität weiteren Vorschub verschafften. 1962 überraschte er dann seine beständig wachsende Fangemeinde mit einem Abstecher in ein gänzlich anderes musikalisches Feld durch den Release des Albums "Modern Sounds in Country and Western Music", das u.a. den inzwischen zum Evergreen avancierten Track "I Can't Stop Loving You" enthielt. Hits wie "Busted", "You Are My Sunshine", "Take These Chains From My Heart" and "Crying Time" pflasterten seinen Ruhmespfad durch die Mitte der 60er Jahre, der nur durch eine unschöne Episode (in Form einer 1-jährigen Haftstrafe wegen Heroinbesitzes) unterbrochen wurde. Was er von dieser Zäsur hielt, dokumentierte Charles durch den Release seiner ersten Single nach Rückkehr in die Freiheit, "Let's Go Get Stoned", 1966. Ab Ende der 60er Jahre orientierte sich Charles mehr und mehr Richtung 'regulärer/er' Popströmung/en, oft sogar bis hinein in die Musikformen, die mittlerweile kategorisch unter easy listenig zusammengfasst werden; und obgleich sich mancher Kritiker hierdurch zu Tadel veranlasst sah, bleibt Ray Charles dennoch eine Institution der amerikanischen Musik, die viele Kollegen nachhaltig inspiriert und geprägt hat, wie z.B. am deutlichsten Künstler wie Joe Cocker, Steve Winwood oder Van Morrison.

Ray Charles verstarb am 10.Juni 2004 in seinem Heim in Beverly Hills; seine Hinterlassenschaft ein musikalisches Vermächtnis von Weltrang. Einen Auschnitt seiner künstlerischen Präsenz bietet die vorliegende DVD "Ray Charles Live In Concert With The Edmonton Symphony", aufgenommen im Jahre 1981, auf der Ray Charles viele seiner großen Erfolge spielt/e, darunter "Georgia On My Mind", "Busted", Hit The Road, Jack", "I Can't Stop Loving You", "Take These Chains From My Heart", "I Can See Clearly Now", "What'd I Say", u.v.a. Eine wunderbare Möglichkeit, den Mann, der dem Soul den Weg bereitete, mit all seiner Power und sympathischen Performance noch einmal live zu erleben. Die Legende lebt.

Das Tracklisting:

01. Riding Thumb
02. Busted
03. Georgia On My Mind
04. Oh, What A Beautiful Morning
05. Some Enchanted Evening
06. Hit The Road Jack
07. I Can't Stop Loving You
08. Take These Chains From My Heart
09. I Can See Clearly Now
10. What'd I Say
11. America The Beautiful
12. Long Gone Lonesome
13. Steel Guitar Rag
14. Let's Fall In Love

(Tobi)