In der Reihe "Cinema Colossal" zeigt uns "Der Raub der Sabinerinnen" aus dem Jahr 1961, was für ein Macho-Schönling der Gründer Roms war. Lange vor seiner Zeit als James Bond spielt Roger Moore mit Romulus, der bei weiten nicht so kraftvoll und muskulös daher kommt wie auf dem Coverbild, sondern mit Föhnwelle im modisch schicken, knappen Lendenschurz. Ha, ha! Worum geht es? Die Sabiner um ihren König Titus Tatius (Folco Lulli) stehen im Konflikt mit dem jungen Rom, da die Römer sich ohne Rücksicht dieberisch überall bedienen, sich nehmen, was sie wollen. Täglich kommen neue Männer nach Rom, oft zuhause verstoßen, um auch Bürger der Stadt zu werden. König Romulus entscheidet dann über ihr Schicksal, genauso wie er auch als Richter fungiert - er hat die Macht. Allerdings werden die Männer Roms in puncto Liebe langsam ungeduldig, gibt es doch keine Frauen in der Stadt. Romulus selbst ist locker - kein Wunder, trifft er sich doch heimlich nachts in einem Liebesnest mit einer ehemaligen Gegnerin, die seinem frechen Charme sofort erlegen ist, natürlich ohne das Wissen der Römer. Als seine Männer mit dem Gedanken spielen, auf Grund der Enthaltsamkeit die Stadt zu verlassen, schickt Romulus drei Abgesandte zu den Sabinern, um Frauen für Rom anzuwerben im Tausch gegen Viehherden. Titus und seine schöne Tochter Rea (Mylène Demongeot), eine Vestalin, sind zutiefst beleidigt und schicken die Römer weg. Gekränkt beschließt Romulus, sich die Frauen mit einem Trick zu holen. Am Erntedankfest überraschen die Römer die erstaunten Sabiner mit einem Gastgeschenk zur Versöhnung - Wein ohne Ende. Während die Sabiner irgendwann besoffen durch die Gegend rennen, schnappen sich die nüchternen Römer die Sabinerinnen und nehmen sie mit nach Rom. Da Romulus auch noch Rea mit sich nimmt, ist ein Krieg vorprogrammiert...

Der italienische Film bringt einem die Hintergründe des Raubs der Sabinerinnen näher, ist ansonsten aber aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch. Nicht nur Moores Föhnwelle und knappes Gewand lassen einen schmunzeln, auch die völlig bescheuerte Notsituation, in der sich Livis und die schöne Lavinia (Giorgia Moll) näher kennen lernen, ist zum Brüllen - soll sie aber nicht sein. Auch die Kampfszenen sind alles andere als reell gemacht. Nun ist der Film nicht komplett schlecht, aber eben doch auch nicht ernst zu nehmen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Film ob der römischen Bekleidung in der Homo-Szene Kultstatus besitzen würde. Da kann auch Jean Marais in seiner kurzen Szene als Kriegsgott Mars nichts mehr retten.

Den 86-minütigen Film gibt es auf der DVD in deutscher Sprache, als Extras leider nur Trailer.

(Tobi)