Sie treffen sich morgens zufällig in einem Café und kommen nur ins karge Gespräch, weil alle Tische besetzt sind und sie sich daher einen teilen. Gina (Julia Jentsch) hat als Hebamme in einer Klinik gerade ihre Schicht und eine Geburt hinter sich, Laurens (Jan Josef Liefers) als Sekretär des deutschen Finanzministers einen weiteren schweren Arbeitstag vor sich. Als er einige Papiere am Tisch vergisst, möchte sie ihm diese nachtragen, kollidiert hierbei mit einer anderen Besucherin, und als er der nun kaffeebefleckten Gina zu Hilfe eilt, haben sie eine neue Grundlage, zumindest noch einige Schritte miteinander zu gehen. Aber wozu die Mühe - auch wenn sie beide Singles sind, Laurens fühlt sich sowieso viel zu alt und sieht die attraktive Gina in einer anderen Liga. Umso überraschter ist er, als sie ihn plötzlich duzt und auffordert, sie doch um ein weiteres Date zu bitten. Die beiden verabreden sich zum Mittagessen später in der Woche in dem Restaurant, in dem Laurens immer essen geht, wenn ihm die Arbeit mal Zeit dazu lässt. Dann beginnen beide, noch einmal über den Sinn dieses Dates und den Altersunterschied nachzudenken. Ähnlich versteift und umständlich nach längerer Single-Zeit entscheiden sie sich beide, nur zum Treffen zu gehen, um es abzusagen - und landen dann doch wieder an einem Tisch. Als dann auch noch der Finanzminister (Jürgen Heinrich) ins Stammrestaurant kommt und davon spricht, dass die sympathische Gina nächste Woche Laurens begleiten könne, ist Laurens völlig durch den Wind. Jetzt erst erfährt Gina, wie nahe Laurens an der großen Politik arbeitet und wer sein Boss ist. Nächste Woche - das ist der G8-Gipfel in Heiligendamm, das wichtigste politische Treffen seit Jahren auf deutschem Boden. Soll Laurens sie wirklich fragen, ob sie ihn begleiten möchte? Der schüchterne Zahlen-Liebhaber überwindet sich und fragt erst einmal nach ihrer Handynummer, und nach zweiter Überwindung ruft er sie dann tatsächlich an. Beim Wiedersehen überfordert Gina ihn fast schon mit einem flüchtigen Begrüßungsküsschen, dann aber lädt er sie tatsächlich nach Heiligendamm ein, und nachdem sie die Überprüfung ihrer Person besteht, darf sie dann mit. Im Hotel angekommen stellen sie fest, dass man ihnen ein Doppelzimmer gebucht hat - und dass dieses auch nur ein Doppelbett besitzt, was Laurens beides äußerst peinlich ist, will er doch keinesfalls so wirken, als würde er sich ihr annähern wollen. Gina entscheidet sich für die Couch - und dafür, sich ein wenig mehr für Politik zu interessieren, schließlich liegen im Zimmer viele interessante Papiere und sie möchte auch etwas mehr verstehen, womit sich Laurens tagein tagaus beschäftigt. Zudem fühlt sie sich zwischen den vielen Politikern und Wirtschaftsbossen sehr deplatziert. Ansonsten sieht sie Laurens nicht viel, höchstens abends mal - dafür nimmt sich die vom Dasein als Gattin des anderen Finanzminister-Sekretärs leicht genervte und bissige Claudia (Andrea Sawatzki) ihrer an, verbringt mit ihr Zeit. Bei einem Umtrunk vor einem Arbeitsessen dann eckt Gina mit ihrem neu gewonnenen Wissen an, als sie den Finanzminister auffordert, sich mehr gegen Kinderarmut einzusetzen. Die Situation ist fortan angespannt, denn die Stimme des Volkes möchte hier niemand hören, stehen die Protestierer doch auf der anderen Seite des Zauns. Auch für Laurens wird es ungemütlich - hat er vielleicht eine Begleitung mitgebracht, die nur naiv tut, in Wirklichkeit aber eine Aktivistin ist? Gina ist unglücklich über die Situation, doch Laurens bittet sie, zu bleiben. Und er bittet sie, am besten nichts mehr öffentlich zu sagen - beim hochoffiziellen Dinner mit der Kanzlerin (Iris Berben) allerdings kommt es dann zum Eklat...

"Frühstück mit einer Unbekannten" ist ein gelungenes Remake des britischen TV-Films "The girl in the cafe", den Richard Curtis zum G8-Gipfel im schottischen Gleneagles 2005 drehte. Da die Themen die gleichen geblieben sind, wurde die Handlung nun gekonnt nach Deutschland verlagert und mit einer starken Besetzung neu aufgebrüht. Die Hauptdarsteller Julia Jentsch und Jan Josef Liefers spielen überzeugend, auch die anderen Rollen sind prima besetzt - und Catherine Deneuve hat einen ganz kurzen Auftritt als Mutzusprecherin. Die Mischung aus Romanze und Polit-Botschaft stimmt, die soften Jazz-Pop-Songs (Katie Melua & Co.) sind feine Untermalung, und die Botschaft kommt an, auch wenn ein komplexes Grundproblem der Welt extrem vereinfacht dargestellt wird. Der in Sat.1 am 29. Mai 2007 ausgestrahlte Film hat den Deutschen vor dem G8-Gipfel (6. bis 8. Juni) einen netten Abend beschert, vielleicht auch zum Nachdenken oder Nachlesen einiger Welt-Fakten angeregt, lässt sich aber auch jetzt lange nach dem Gipfel noch gut anschauen. Und zumindest dadurch, dass Sender, Produzenten und Schauspieler auf Gewinne oder Gagen verzichteten und statt dessen für Schulen in Afrika spendeten, wurde auch schon Gutes bewirkt.

Als Extras enthält die DVD Interviews mit Bob Geldof (ca. 8 Min.) und Richard Curtis (ca. 4 Min.) zur deutschen Adaption des englischen Originals, eine achtminütige Rede von Richard Gere vom "Cinema For Peace"-Forum 2007 in Berlin, in der er an Tibet erinnert, den TV-Spot "Klick" und Darstellerinfos.

Verkaufsstart: 11. Oktober 2007
Verleiher: Highlight Communications
Filmlänge: 98 Minuten
FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachen: Deutsch
Untertitel: keine
Bildformat: 1.78:1 in 16:9
Ton: Stereo