Ab dem 17. April endlich zu kaufen: "Hinter der Sonne" auf DVD. Auf dem Roman "Der zerrissene April" des albanischen Schriftstellers Ismail Kadaré basierend entführt einen der Film in eine ganz andere Welt, ins südamerikanische Hinterland. Die hier lebenden Farmer arbeiten hart, um ihre Familien zu ernähren - jeder packt mit an, bei der Zuckerernte, bei allem. Doch drohende Armut steht nicht im Mittelpunkt der Handlung. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen (Ravi Ramos Lacerda), der mitten im Konflikt zweier Familie aufwächst. Seine eigene und die des benachbarten Farmers leben seit einiger Zeit schon im Kleinkrieg und Land und Ehre, der diszipliniert, aber blutig ausgetragen wird. Zuletzt wurde der große Bruder des Jungen Opfer, als er aus dem Hinterhalt erschossen wurde. Sein Hemd wird mitsamt Blutfleck aufgehängt, und wenn der Blutfleck nicht mehr rot, sondern gelb ist, dann wird zurück geschlagen. Der mittlere Sohn Tonhos (Rodrigo Santoro) wird vom strengen Vater (José Dumont) los geschickt, um den Tod des Bruders zu rächen, und er erschießt den Übeltäter auch nach einer kleinen Hetzjagd. Nun ist er aber alles andere als todeshungrig oder übermäßig mutig, ein ganz normaler junger Mann eben, der auch leben möchte. Bei der Todesfeier des neuen Opfers sind er und sein Vater paradoxerweise anwesend, und Tonhos bittet das gegnerische Familienoberhaupt um Waffenstillstand. Vergeblich - Tonhos wird klar, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Er beschließt, mit seinem kleinen Bruder, der keinen Namen hat und den jeder nur "Kleiner" ruft, wenigstens einmal Spaß zu haben, und die beiden fahren ins nächste Dorf zum Zirkus. Das Gauklerpaar verleiht dem "Kleinen" einen Namen, ab jetzt heißt er Pacu, was ihm nicht recht zusagt. Dank Pacus Rat, er solle doch weg gehen, überdenkt Tonhos seine greifbar kurze Zukunft, und als er sich in die hübsche und bezaubernde Zirkusfrau Clara (Flavia Marco Antonio) verliebt, hat er die Möglichkeit, sein Leben zu ändern ...

"Hinter der Sonne" ist ein großartiger Film, der die dramatische Handlung in wunderschönen Bildern erzählt. Kameramann Walter Carvalho begeistert einen mit seinen vor Schönheit, Weite und Detailfreude berstenden Einstellungen, die im Binnenland des brasilianischen Bundesstaates Bahia aufgenommen wurden - und auch die Verfolgungsszene bei Tonhos Jagd auf den Mörder seines Bruders ist atemberaubend für einen Wettlauf. Die interessante Story wird episch und gefühlvoll erzählt, und die Schauspieler wissen zu gefallen, ob sie nun Profis oder Laien sind. Arthur Cohn, der die letzten fünf Filme von Vittorio de Sica produzierte und als einziger unabhängiger Produzent sechs Oscars gewann, arbeitete bei dem Film zum zweiten Mal mit dem brasilianischen Regisseur Walter Salles zusammen, und wie bei "Central do Brasil" ("Central Station"), der mehr als 50 internationale Filmpreise gewann, liefern beide ein beeindruckendes Produkt ab, das einen emotional mitreißt. Absoluter Tipp, auch wenn der Film im Kino aufgrund seiner Bilderpracht sicherlich noch überwältigender wirkt als zuhause.



Einziges Manko: Auf der DVD gibt es den 88-minütigen Film nur in deutscher, portugiesischer und italienischer Sprache zu sehen, außerdem Untertitel in genau diesen Sprachen plus Englisch für Hörgeschädigte - aber keinerlei Extras, schade. Trotzdem ein absoluter Genuss der Streifen.

(Tobi)