25.000 Dollar von der Mafia , 6 Tage und ein Hotelzimmer - mehr brauchte Regisseur Gerard Damiano 1972 nicht, um einen komödiantischen Pornofilm zu drehen, der die Massen aufschreien ließ und das damalige Pornofilmgeschäft revolutionierte. Der Film machte das Pornogenre einem weitaus größeren Publikum zugängig als alles bislang dagewesene. Dabei handelt "Deep Throat" von einer Frau, deren Klitoris sich anders als bei Geschlechtsgenossinen im Hals befindet und diesem Umstand mit den bekanntesten und ersten Blowjobs der Filmgeschichte Tribut zollt. Trotz oder gerade wegen dieser komischen Basis spielte der rund 60 minütige Film im Laufe der Zeit circa 600 Millionen Dollar ein. Ein satter Gewinn, wenn man mal davon absieht, dass die Filmemacher nur einen Bruchteil des Geldes kassiert haben.

Soweit zum Gegenstand des Dokumentarfilms "Inside Deep Throat" der Dokumentarfilmer Fenton Bailey und Randy Barbato. Anhand von Szenen aus dem Originalfilm und Versatzstücken aus Interviews, Dokumenten, privatem Filmmaterial und Erzählungen der Darsteller (Linda Lovelave, Harry Reems, etc.), des Regisseurs und anderer beteiligten Personen gelingt es den Machern, ein enges Netz an vielseitigen und interessanten Informationen zu stricken. Dazu tragen selbstverständlich auch die Kommentare von bekannten Persönlichkeiten wie Buchautor Norman Mailer, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Buchautorin Erica Jong sowie Starverteidiger Alan Dershowitz (bekannt als der Anwalt von O. J. Simpson) bei.

Die Filmemacher berücksichtigen in ihrem Werk auch die Umstände der damaligen Zeit - gekennzeichnet durch Vietnamkrieg, Aufkeimen des Feminismus, Studentenbewegung, Macht der Mafia und Anti-Haltung der Bürger - sowie deren Einfluss auf den Film. Kurze Einspieler bringen die schnelle und vielseitige Bewegung der verschiedenen Strömungen gut zum Ausdruck. Sämtliche Meinungen zu dem Stück Filmgeschichte werden eingefangen und keine Seite des Films bleibt unbeleuchtet. Obwohl der Originalfilm mittlerweile über 30 Jahre zurückliegt, birgt die Dokumentation viel Sprengkraft und macht nicht halt vor der Betrachtung bzw. Auflösüng etwaiger Widersprüche. Interessant ist dabei zum Beispiel, dass die Hauptdarstellerin Linda Lovelace (1949 - 2002) in ihrer Biografie aussagt, sie habe die Filme aus Zwang und durch Zufügen körperlicher Gewalt durch den eigenen Ehemann gedreht. Nachdem sie ihre Erfolge mit den Filmen entsprechend feierte, trennt sie sich von ihrem Mann und schafft mit Hilfe der Feministin Gloria Steinem den Ausstieg aus der Pornoindustrie. Im Jahr 2002 kommt sie - neu verheiratet und total verarmt - bei einem Autounfall ums Leben.

Hauptdarsteller Harry Reems kann den Film allerdings als Sprungbrett nutzen und fasst Fuss im Pornogenre - ja kann sogar auf eine wirkliche Karriere mit seinen Filmen zurückblicken. Ein weiterer interessanter Aspekt des Films ist der verklemmte Umgang der damaligen Behörden bzw. der Öffentlichkeit mit diesem Film. Geldgeber / Mafia und Hauptdarsteller wurden wegen Verbreitung von Pornografie inhaftiert. Prominente wie Jack Nicholson oder Gore Vidal versuchten, den Film mit in der Öffentlichkeit demonstrierter Zustimmung, zu unterstützen.

Kurzweilige und interessante Dokumentation über die Geschichte bzw. den Urvater des Blowjobs im Pornogeschäft. Durch den guten Schnitt, die vielen verschiedenen und sich ergänzenden Versatzstücke sehr zu empfehlen - auch für Dokumentarfilm-Vermeider....

Verkaufsstart: 9. Februar 2006
Verleiher: Highlight Communications
Website zum Film: www.insidedeepthroat.film.de Filmlänge: 86 Minuten
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Bildformat: 16:9
Ton: Dolby Digital 5.1



(Tobi)