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Selten habe ich eine so schlechte Presseinfo zu einer DVD gesehen, die von Aufnahmen mehrerer Festival-Auftritte spricht, während auf dem DVD-Cover klar der 12-Song-Auftritt vom Glastonbury-Auftritt 2004 als zentrales Element heraus gestellt wird, und so ist es dann auch. Muse, das ist ganz großes Kino der Rockmusik, schon seit den Anfängen. Und gerne gehe ich hierbei in meine persönliche Muse-Historie. Erstmals sah ich die Jungs 1999 als Vorband von Live, wo sie mich noch sehr an Radiohead erinnerten, während sie heute eine völlig eigene Identität besitzen. Gerade mal eineinhalb Monate später überzeugten mich die Jungs erneut als Support von Bush, und es war toll, die Entwicklung einer wirklich großen Rockband schon in den Anfängen mitzuerleben. Vier Monate später, im Mai 2000, waren Muse dann Headliner und brachten die ebenfalls tollen Idlewild mit (Kritik hier), und damals war schon klar, dass sie eine große Karriere vor sich haben könnten. Gut, im Interview zeigten sich die Engländer schon etwas zu selbstverliebt, bewusst ihrer Klasse, ohne wirklich zu wissen, ob die Welt diese je begreifen würde. Und genau hier liegt ihr Schicksal. Ein Jahr später, im Mai 2001, füllten Muse nicht wie damals eine kleine Halle, sondern wurden auf Grund der großen Nachfrage von dieser in eine größere Location verlegt (Kritik hier) - das Publikum hatte ihre Klasse erkannt, allerdings handelte es sich erstens um das sowieso richtungsweisende Berliner Publikum, welches meistens etwas schneller ist als die meisten anderen, zweitens war die "größere Halle" nicht ganz voll - trotzdem ein toller Erfolg, und für mich eine Gelegenheit mehr, die Jungs live zu sehen, was immer Spaß ist. Diesen Satz kannst du die übrigens merken - Muse live sind ein Hammer. Gut, nach einem überragenden Debütalbum "Showbiz" verstiegen sich die Drei meiner Ansicht nach etwas zuviel im Bestreben, kunstvoll zu agieren und bloß nicht einfach mal abzurocken, auch wenn sie es bei jedem Album mindestens noch einmal zelebrierten - "Plug In Baby" und "Time Is Running Out" sind beste Beispiele für Songs, die einem einfach die Ohren wegblasen und einen zum Ausrasten bringen. Und in allem Kunstbestreben besitzen Muse immer noch genug Songs, die einen von CD zu begeistern wissen - wenn man sich die Zeit nimmt, denn hier wird keine Allerweltskost geboten - und live ... ach live ... jeder, der Muse noch nicht live gesehen hat und sich für einen Rock-Fan hält, sollte dies schnellstens nachholen. Muse werden wohl in den Kreis der weltgrößten Bands nicht mehr aufgenommen, aber das wollen sie wohl auch nicht - genau hier liegt ihre Klasse. Scheiß auf Kommerz, scheiß auf typische Songstrukturen, scheiß auf Jedermann-Melodik. Ein, zwei massentaugliche Hammersongs pro Scheibe müssen reichen, ansonsten spielt die Band auf, als wären sie Bilder in einem sehr beweglichen Museum. Moment mal - habe ich schon angefangen, über diese DVD zu berichten? Ja und nein! Ob Glastonbury oder anderswo, ein Liveauftritt von Muse bietet absolute Highlights wie "Muscle Museum", "Sunburn", "Plug In Baby" und "Time Is Running Out" ebenso wie für die Jungs vielleicht weit mehr spielfreudige Insider-Tipps, und so bekommt man als Fan beides geboten. Die 61 Minuten vom Glastonbury-Festival sind toll anzuschauen - Muse haben Bock und die Fans auch - ihre Flaggen wehen im Wind, wie man es nur von Roskilde (weitaus) beeindruckender kennt. Es ist ja nicht immer leicht, ein Festival-Publikum für sich zu begeistern, welches seine Tickets auch auf Grund anderer Künstler gekauft hat und manchmal nur zu den Konzerten kommt, um nicht alleine mit der Schnaps-Flasche im Zelt zu verkümmern, aber Muse scheinen das Publikum komplett auf ihrer Seite zu haben. Klasse Songs, klasse Stimmung, klasse Show - klasse Band. Die Extras sind gut und dürftig zugleich - sie bereiten Freude, aber nach nur einer Stunde im Hauptteil sind die 30 Minuten Extras - vier Songs live in anderen Locations aufgenommen und etwas Action drumherum - nicht genug, um voll zu befriedigen. Was soll's, Fans müssen sich die DVD sowieso kaufen, und für alle anderen bietet sie genug Material, um erahnen zu können, wie großartig Muse live sind.

Das Tracklisting des Glastonbury-Konzerts:

Hysteria
New Born
Sing For Absolution
Muscle Museum
Apocalypse Please
Ruled By Secrecy
Sunburn
Butterflies And Hurricanes
Bliss
Time Is Running Out
Plug In Baby
Blackout

Als Extras bekommt man dann noch einige Clips von Muse-only-Konzerten geboten, die einem deutlich machen, dass die Stimmung hier natürlich noch ausgelassener ist, und dies, obwohl man keinen der großen Hits sieht. "Fury" (Wiltern Theatre – Los Angeles – 2004), "The Small Print" (Earls Court – London – 2004), "Stockholm Syndrome" (Earls Court – London – 2004) und "The Groove In The States" (Top Cats – Cincinatti / San Diego – 2004) bereiten aber in jedem Fall Freude, auch wenn diese Tracks im Ganzen gesehen nicht völlig glücklich machen als Addition zu einem einstündigen Konzert - hier hätte man alles in allem noch etwas mehr zusammen schneiden können. Für Fans trotzdem ein Muss, diese DVD.

Als Ausschnitt aus der DVD kann man sich den kompletten fünfminütigen Live-Song "Ruled By Secrecy" online anschauen, leider mit einigen Labelworten ab und an, die etwas den Genuss stören, aber als Appetitmacher wirkt der Stream auch so wunderbar - einfach hier klicken.

Spielzeit: 61 Minuten Konzert plus 36 Minuten Extras
Bildformat: 4:3, PAL
Ton: L-PCM Stereo



Mehr Informationen über Muse findet ihr auf www.muse.mu.

(Tobi)