Ich erinnere mich noch gut an meine Jugend, als Otto Waalkes - eigentlich reicht ja Otto - als Comedian fast ein Monopol hatte, keiner gegen ihn bestehen konnte, und kaum einer versuchte es überhaupt erst. Ottos Schallplatten - allesamt mit schwarz-weißem Cover - gehörten zu den meistgespielten auf meiner alten Schneider-Kompaktanlage, auch Kratzer konnten meinen Bruder und mich nicht davon abhalten, sie immer wieder anzuhören. Köstlich amüsiert haben wir uns damals über die Scherze und den Quatsch des blonden Ostfriesen. Lang, lang ist es her. Einige Kinofilme hat Otto inzwischen gedreht, anfangs sehr witzig, später eher dürftig - und doch ist es ruhiger geworden um Otto. Wohl auch, weil das Land heute von Comedians überschwemmt wird, und unter ihnen sind viele gute auszumachen, die mit weit bissigerem Humor die Bühnen- und TV-Abendprogramme bereichern.

Plötzlich liegt eine Otto-DVD auf meinem Schreibtisch. Ich bin gespannt, ob seine hier vertretenen alten Scherze mich immer noch zum Lachen bringen können oder ob er wie Bud Spencer ein Opfer des Erwachsenwerdens ist, man ihn nicht mehr lustig finden kann. Die DVD bietet zuerst einmal 45 Minuten TV-Sketche von 1981. Verdammt, alte Zeiten kommen wieder auf, ich erinnere mich noch bestens an fast jedes Wort - kein Wunder, damals konnte ich die Platten fast auswendig mitsprechen. Nach kurzer Zeit ist klar, dass die Wertung unentschieden ausgehen würde. Einige Gags wie "Quiz", "Führerschein" oder "Harry Hirsch Interview" sind einfach zeitlos witzig und gepaart mit Ottos lustiger Mimik nach wie vor sehr amüsant, andere hingegen wie "Spiegel" oder "Englischkurs" kommen einem heute einfach platt und überflüssig vor. Und doch freue ich mich, das Ganze mal gesammelt auf DVD zu Hause zu haben. Bei der ebenfalls vertretenen 40-minütigen Live-Show aus dem Jahre 1986 ist es nicht anders. Ottos Art, irgendwie ungelenk über die Bühne zu huschen, finde ich nicht mehr witzig, "Tänzerin" oder vor allem "Hänsel und Gretel" aber nach wie vor. Bei letzterem sieht man auch noch einmal schön, was Otto an der Gitarre kann.

Zusätzlich zu diesen knapp 90 Minuten Otto pur findet man zwei Folgen der Ottifanten-Zeichentrickserie, "Bär-Napping" und "Greif den Zaster". Diese 60 Minuten sind zeitweilig recht spaßig. Ägerlich hingegen ist das Auffüllen der DVD durch Ausschnitte aus Ottos Kinofilmen, denn diese sollte man lieber komplett sehen. Insgesamt eine Reise in die Vergangenheit - und doch eher etwas für Fans.

(Tobi)