CTS-MUM



Als Freddie Mercury am 24. November 1991 an AIDS starb, verlor die Welt einen ihrer großartigsten Sänger, eine schillernde Figur, einen ganz besonderen Künstler. Auch wenn Queen noch einige wenige Songs aus dem Vermächtnis veröffentlichten und vielleicht sogar nochmal mit neuem Sänger zurück kehren werden, war klar, dass dies das eigentliche Ende für eine der erfolgreichsten und besten Bands der 70er- und 80er-Jahre bedeuten würde. Zu sehr war die Musik des Quartetts mit Freddies toller Stimme verbunden, auch wenn man durchaus auch Brian May, Roger Taylor und John Deacon nicht nur als Beiwerk kennt.

Die Doppel-DVD "Greatest Video Hits 2" widmet sich den Veröffentlichungen in den 80er-Jahren. Auf DVD 1 findet man 17 in dieser Zeit entstandene Videoclips, die alles andere als langweilig sind und die großartigen Songs gut umsetzen, in überarbeiteter Fassung im 16:9 Wide Screen Format. Ob es die zauberhaften Geschehnisse in "A Kind Of Magic" sind, ob Queen als Volksführer in "Radio Ga Ga" oder die vier Musiker als Hausfrauen in "I Want To Break Free" - es ist schön, diese Videos wieder mal zu sehen und die Lieder wieder mal zu hören. Das rasante Video zu "Breakthru" zeigt Queen auf einem rasenden Zug musizierend, in "The Miracle" nehmen Kinder die Rollen der Bandmitglieder ein, und in "It's A Hard Life" geht es kostümreich zu. Zur Kollaboration mit David Bowie "Under Pressure" sieht man Ausschnitte aus alten Horrorfilmen vermischt mit arbeitenden Massen, hauseinstürzen, Krawallen oder Festivalbildern, und bei "Invisible Man" wird gespukt. Das Video zu "Princess Of The Universe" spielt am Set der Schlussszene vom dazugehörigen Filmhit "Highlander", und Christopher Lambert ist auch mit von der Partie. "Who Wants To Live Forever" zeigt Queen feierlich inmitten eines Kerzenmeeres mit Orchester, während sie bei "Friends Will Be Friends" vor jubelndem Publikum auf der Bühne stehen oder bei "One Vision" im Tonstudio arbeiten. Über 70 Minuten Hit auf Hit. Nur wenige frühe Stücke wie "Las Palabras De Amor" (als Auftritt bei "Top Of The Pops" von 1982 zu sehen) oder "Body Language" sind einem vielleicht nicht mehr im Ohr, bei allen anderen ist man sofort wieder begeistert und beginnt, seine Queen-Alben wieder raus zu kramen.

Auf DVD 2 findet man zu den Alben der 80er-Jahre Bonusmaterial. Zu "Hot Space" gibt es die heute völlig billig wirkenden Videos "Back Chat" und "Calling All Girls", dazu "Staying Power" als Liveaufnahme aus Milton Keynes 1982. Zu "The Works" gibt es den Auftritt von Queen beim Montreux Pop Festival 1984, wo man sie vier Songs performen sieht - Freddie Mercury gibt sich keine besondere Mühe, das Playback zu verbergen, hält das Mikro oftmals weit weg, während sein Gesang ertönt. Dazu gibt es ein 12-minütiges Interview mit der Band und erstmals komplett das Münchener Interview mit Mercury, wo er in 15 Minuten seine Meinung zum Musikbusiness kundtut. Witzig ist in Nachhinein, dass der Frontmann zu Beginn des Gesprächs "I love my job but I hate talking to people like you" sagt und kein anderer als Rudi Dolezal das Interview geführt hat, der später zusammen mit Hannes Rossacher viele Videoclips der Band gedreht hat. Zu "A Kind Of Magic" gibt es erneut einen Auftritt in Montreux, diesmal 1986, aber wieder vier Songs und wieder mit gleichem Playback-Vertuschungs-Unwillen. Auch hier kommt ein 12-minütiges Interview hinzu, außerdem einen 19-minütigen Bericht zum "One Vision"-Videodreh und diesen Clip in der Extended Version. Zum Album "The Miracle" schließlich gibt es 8 Minuten Interview am Videodrehset von "Breakthru", 5 Minuten mit dem Grafikdesigner zum Album Cover und 15 Minuten bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Rudi Dolezal von den Videoshootings zum Longplayer.

Für Fans ein absolutes Muss, aber für jeden anderen auch sehr lohnend, weil man einfach großartige Musik geboten bekommt, dazu viel interessantes Zusatzmaterial.

(Tobi)