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Einige Pressestimmen zu diesem Dokumentarfilm über die Urväter des Punk, The Ramones - mit vielen Interviews, Archiv-Fotos und Konzertmitschnitten:

"This absorbing documentary by Michael Gramaglia and Jim Fields traces the history of the seminal punk rock band in exhaustive detail."
Stephen Holden, The New York Times

"A punk Last Waltz."
Scott Foundas, Variety

"A fun, midnight-madnessy documentary about the cult band by New York first-timers Jim Fields and Michael Gramaglia."
The Washington Post

"It's a very dark movie. It's accurate. It left me distrurbed."
Johnny Ramone

Sie waren Konzept-Künstler ohne Konzept. Doch auch wenn sie womöglich nicht genau wussten, was sie da taten – das was sie taten wird die Geschichte des Rock'n Roll in alle Ewigkeit prägen wie sonst vielleicht nur noch Elvis, die Beatles, die Stones. Wobei die Ironie ihrer Geschichte darin liegt, dass diese Altvorderen – von Emerson, Lake & Palmer mal ganz zu schweigen – natürlich auf dem Index standen, als Johnny, Joey, Dee Dee und Tommy einfach mal eben den Punk erfanden...

Vom ersten Auftritt 1974 vor fünf ungläubigen Zuschauern im kleinen CBGB's auf der New Yorker Bowery bis zum letzten 22 Jahre später vor großem Open-Air-Publikum in Hollywood und der Aufnahme in die Hall of Fame 2002, die Joey – im Jahr zuvor mit 49 dem Krebs erlegen – nicht mehr erleben durfte: Der Film "The End Of The Century" erzählt die immer noch ziemlich unglaubliche Geschichte der Ramones schön, aber nie beschönigend, klar, doch nie verklärend, schnell, aber nie so schnell wie seine Protagonisten zu spielen in der Lage waren. Sie wissen schon:
28 Songs in 50 Minuten. 1-2-3-4....

Apropos: Wunderbar ist natürlich jene Szene, da der inzwischen verstorbene Clash-Chef Joe Strummer "Oh, my god!" stöhnt, als Reaktion auf die Nachricht, die 1987er-Ausgabe der Ramones sei mit dem neuen Drummer noch "2 Minuten schneller" als sonst. Richie hatte die Stöcke damals von Marky übernommen, der wiederum Tommy nachgefolgt und –geeifert war, der nach den ersten drei Alben lieber nur noch Produzent war statt auf Tour "zu Gemüse zu werden." Doch die Ramones blieben immer die Ramones. Mit blitzenden Augen rekapituliert Joe Strummer auch, wie die Londoner Punk-Gemeinde 1975 aufgeregt hinter dem Roundhouse rumlungerte, um einen Blick auf die Pioniere aus Übersee zu erhaschen. Während die Stooges-Fans aus Forest Hills im New Yorker Anti-Glam-Stadtteil Queens daheim nicht mal als Vorgruppe in New Jersey funktionierten, konnten sich in England schon nicht mal der Manager und die Roadies vor Groupies retten. Dies zu einem Zeitpunkt, da der "Blitzkrieg Bop" (Songtitel) ihres schlicht "The Ramones" betitelten Debüts noch gar nicht im Kasten war, um mindestens die Hälfte vieler Plattensammlungen überflüssig zu machen und mit Macht in ein musikalisches und soziales Vakuum zu stoßen. Das beschreibt Legs Neil, der Gründer des Punk Magazine, mit Blick auf New York und den Exodus in die Suburbs so: "Die Eltern waren gegangen und du konntest tun, was immer du tun wolltest."

Strummer, der diese Maxime gerade auf der anderen Seite des Atlantiks beherzigte, bleibt nicht der einzige Zeitzeuge, der erhellend Auskunft gibt. Seymour Stein etwa, der legendäre Plattenmann, erklärt mit wehmütigem Blick, warum er gar nicht anders konnte als die Ramones für sein damaliges Label Sire unter Vertrag zu nehmen. Nur Phil Spector schwieg. Aus gutem Grunde. Traumatisch darf man sie wohl nennen, die Sessions, welche die Band im Frühjahr 1979 in den Gold Star Studios in Hollywood mit der Produzentenlegende für das Album absolvierte, das jetzt auch dem Film den Titel gab. Spector nahm die Ramones quasi in Geiselhaft, um sich als Platten-Svengali produzieren und gemeinsam viele, viele Horrorfilme ansehen zu können. Na, und irgendwann holte er dann natürlich auch noch die Knarre raus...

Die Sessions mit Spector brachten auch nicht den Durchbruch zum ganz großen Publikum, den sich die Band immer und besonders davon erhofft hatte. Sie vertieften vor allem den Graben zwischen Joey und Johnny. Während Spector dem Sänger seine ganze Aufmerksamkeit widmete und über Stunden an seinen Vocals bastelte, war der Gitarrist nur angewidert vom Messias-Gehabe der Produzentenlegende.

Und davon, simple drei Akkorde dreihundert Mal spielen zu müssen, weil dem Meister die ersten Takes nie reichten. So akribisch und präzise der Film den Finger in viele Wunden legt: Eine und womöglich die entscheidende Frage kann auch "The End Of The Century" letztlich nicht beantworten, sondern nur immer wieder umkreisen. Wie und warum es Johnny, der erzkonservative Kontrollfreak und Bush sen. -Anhänger, und Joey, der sensible Liberale, der vor allem sich selbst aus den Klauen einer frühen Krankheit ("obsessive compulsive disorder") und isolierten Kindheit befreien konnte – wie und warum es diese beiden so unterschiedlichen Seelen zumindest in der Band doch noch so lange miteinander aushalten konnten.

Es ist in diesem Zusammenhang mehr als delikat, wenn Johnny die Frage des Interviewers, ob es nach dem Ausstieg von Drummer Tommy einen Machtkampf zwischen ihm und dem immer selbstbewussteren Joey gegeben habe, ausgerechnet an seine aus dem Off sprechende Gattin Linda weiterreicht. Die Linda, die er zuvor Joey ausgespannt hatte, dem großen Romantiker, der ihr doch seine Welt zu Füßen gelegt hatte. Da blieb ihm nur noch "The KKK Took My Baby Away" zu schreiben....

Vielleicht beantwortet Debbie Harry, die frühe Weggefährtin aus CBGB's-Tagen, die Frage doch am besten. Die Ramones, sagt die Blondie-Sängerin, das sei "wie beim Militär" gewesen. Wozu auch passt, dass Dee Dee irgendwann gegen den Uniform-Look der Band rebellierte, bevor er sich 2002 den goldenen Schuß setzte. Nur zwei Monate nach der Hall of Fame-Zeremonie, bei der er sich in seiner kleinen Dankesrede nur sich selbst gratuliert hatte. Auch das ein Bild, das hängen bleibt: Wie Dee Dee die Party verlässt, den endlosen Hotelflur hinuntergeht, sich noch mal kurz umdreht und sagt, er müsse jetzt noch "für Brasilien üben." Ja, sie waren auch Big in Brazil, die Ramones, wo sie sich im Van kaum vor den No Future-Kids dort retten konnten, für die sie dieselbe Ventil-Funktion erfüllten wie Mitte der 70er für die in New York und London.

Der Schlachtruf ist dabei immer derselbe geblieben: Gabba-Gabby-Hey, Gabba-Gabba-Hey! Und der ist noch lange nicht verhallt.

End of The Century - The Story Of The Ramones:

"Blitzkrieg Bop" Ramones
"Sugar Baby Love" The Rubettes
"No Fun" The Stooges
"Psychotic Reaction" Count Five
"I'm Eighteen" Alice Cooper
"Down on the Street" The Stooges
"Looking for a Kiss" New York Dolls
"Knife Edge" E.L.P.
"Judy Is A Punk" Ramones
"Nice To Be With You" Gallery
"Venus" Television
"California Sun" Ramones (cover song)
"I Don't Wanna Go Down To The Basement" Ramones
"Loud Mouth" Ramones
"I Don't Wanna Walk Around With You" Ramones
"Today Your Love, Tomorrow The World" Ramones
"Beat On The Brat" Ramones
"Now I Wanna Sniff Some Glue" Ramones
"53rd & 3rd" Ramones
"Glad To See You Go" Ramones
"You're Gonna Kill That Girl" Ramones
"I Wanna Be Well" Ramones
"White Riot" The Clash
"Sheena is a Punk Rocker" Ramones
"Teenage Lobotomy" Ramones
"Chinese Rock" Ramones
"Heart of Glass" Blondie
"Cretin Hop" Ramones
"I Wanna Be Sedated" Ramones
"Do You Remember Rock 'N' Roll Radio" Ramones
"Rock 'N' Roll High School" Ramones
"Danny Says" Ramones
"I Want You Around" Ramones
"KKK Took My Baby Away" Ramones
"Wart Hog" Ramones
"Mama's Boy" Ramones
"Psycho Therapy" Ramones
"Funky Man" Dee Dee King
"I Wanna Live" Ramones
"We're a Happy Family" Ramones
"Pinhead" Ramones
"Durango 95" Ramones
"Commando" Ramones

Regie: Michael Gramaglia & Jim Fields

P.S.: Joey Ramone sagt zu den ausgesuchten Songs in dem Film:
"There's a lot of livin' in those songs."

Und Dee Dee meint zum Schluss:
"It's a hard job playin' in a Rock'n'Roll Band."

Sound-Format: Dolby Surround
Spielzeit: 108 Minuten
Sprache: Englisch
Untertitel: keine
FSK: ohne Altersbeschränkung



Mehr Informationen zu den Ramones findet ihr auf www.ramones.com oder beim Label Warner Music.

(Tobi)