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Na sowas. Wo es sich heute doch fast jede Band zum Usus gemacht hat, nach einigen Studioalben (manche auch nach jedem) immer wieder mal eine Live-Scheibe einzustreuen, da überrascht es doch, wenn man von einer schon seit mehr als 20 Jahren aktiven, äußerst erfolgreichen Band nun den ersten offiziellen Livemitschnitt auf dem Tisch liegen hat. Und doch passt es bestens zu R.E.M., dass sie es sind, denn reine Geldmacherei ohne Skrupel war nie ihr Ding - ich erinnere mich nur bestens an ein kostenloses Konzert 2001 auf dem Kölner Domplatz.

Nun also das erste Live-Album, welches dann auch schlicht "Live" heißt und als Doppel-CD plus DVD erscheint. Das Tracklisting der CDs und der DVD ist gleich (siehe unten), am besten also gönnt man sich den vollen Genuss mit Bild, auch wenn die Songs alleine natürlich ebenso fein anzuhören sind. 22 Songs sind zu sehen und zu hören, aufgenommen am 26. und 27. Februar 2005 in Irland im Dubliner Point Theatre. Diese sind ein Querschnitt aus der gesamten Karriere der Band. Vom damals aktuellen Album "Around The Sun" spielten sie neben der Hit-Single "Leaving New York" nur eine Hand voll Songs mit "Electron Blue", "Final Straw", "I Wanted To Be Wrong", "Boy In The Well" und "The Ascent Of Man". Die restlichen 16 Stücke stammen aus vielen erfolgreichen Jahren, die R.E.M. vom Indie-Tipp zur weltweit erfolgreichen Rockband machten, um die es dann zuletzt allerdings auch wieder etwas ruhiger wurde als zu durch den Megahit "Losing My Religion" ausgelösten Hochzeiten Anfang der 90er.

Mit "I Took Your Name" von "Monster" (1994) gibt es einen rockigen Auftakt, nach dem es dann gemächlich ruhiger wird, z.B. mit der leicht sphärischen, melancholischen Midtempo-Nummer "Boy In The Well". Erster großer Hit ist das immer wieder einfühlsam schöne "Everybody Hurts" aus dem 1992er-Album "Automatic for the People" als fünfte Nummer. Danach folgt ein munterer Wechsel aus Hits, von denen R.E.M. so viele hatten im Laufe der Jahre, und etwas unbekannteren Stücken. Da wird der mitreißende Evergreen "Bad Day" gefolgt vom selbst auf dieser Tour selten live gespielten "The Ascent Of Man", "The Great Beyond" gefolgt vom packenden und stimmungsvollen "Leaving New York". Als Frontmann Michael Stipe ein Megaphon in die Luft streckt, ist es Zeit für den knackigen Klassiker "Orange Crush" vom 1988er-Album "Green", der immer wieder tolle Stimmung garantiert. Die nächsten beiden Songs sagt Stipe als Protestsongs gegen die US-Regierung an, und um die Wichtigkeit zu unterstützen, werden die Texte von "I Wanted To Be Wrong" und "Final Straw" auch auf eine Leinwand über der Bühne projeziert.

Holen wir kurz Luft und schauen auf die Show als solche. Diese ist trotz einer die gesamte Bühnenbreite mitgehenden, riesigen Leinwand über der Bühne und entsprechender Projektionen (passend zum Song mal hektischer, mal ruhig geschnitten) nicht sonderlich spektakulär - das brauchen R.E.M. aber auch nicht. Frontmann Michael Stipe sorgt im Verbund natürlich mit tollen Songs für perfekte Stimmung. Um die Augen mit einem blauen, wie eine Binde wirkenden Streifen geschminkt ist er der extrovertierte Sänger, der die Massen mitreißt, nicht nur mit seiner tollen Stimme, sondern auch mit Gesten, mit angemessener Bewegung (über die Bühne düsend oder hüpfend bei fetzigen Songs, ruhig stehend bei Balladen) und mit viel Charisma. Etwas in seinem Schatten agiert, in farbige Lichter getaucht, die Band. Die R.E.M.-Mitstreiter Peter Buck (Gitarre) und Mike Mills (Bass) agieren hierbei aber natürlich noch mehr im Fokus als die Begleitmusiker Bill Rieflin (Drums), Ken Stringfellow (Keyboards/Gitarre) und Scott McCaughey (Gitarre/Keyboards).

Zurück zu den Songs. Mit dem tollen "Imitation Of Life" vom 2001er-Album "Reveal" wird die Stimmung wieder angezogen, bevor mit der immer wieder Gänsehaut erzeugenden Nummer "The One I Love" noch einer drauf gelegt wird. Als 17. Song wird dann "Losing My Religion" aus dem 1991er-Werk "Out of Time" gespielt, welches die US-Band weltweit in den Musik-Olymp beförderte. Die Zugaben bieten dann nochmal alle Facetten von R.E.M. - das rockige "What's The Frequency, Kenneth?", das ruhig melancholische "Drive", das wild abrockende "I'm Gonna DJ" und das abschließende, nochmal Gelegenheit zum Mitsingen und Mitfeiern bietende "Man On The Moon". Nicht zu vergessen "(Don't Go Back To) Rockville", eine prima stimmungsvolle Folk-Rock-Nummer, bei der Mike Mills den Leadgesang übernahm und Stipe in den Background trat, und bei dem als Special Guest an der Gitarre Daniel Ryan von The Thrills mit dabei war.

Ohne Frage ein tolles Konzert, welches sich R.E.M. hier für ihre erste Live-Veröffentlichung ausgesucht haben und mit dem sie die Wartezeit auf das Anfang 2008 angekündigte, neue Album verkürzen. Die Fans vor Ort waren sichtlich begeistert, und als Fan hat man auch zu Hause viel Spaß an dieser Aufnahme. Auf der Website www.remdublin.com findet man übrigens noch zusätzliches Material zu diesem Konzert, wie Fan-Blogs, Rezensionen und diverse weiterführende Links. Noch viel interessanter aber: Die Seite enthält auch einen Mitschnitt einiger brandneuer Songs, die R.E.M. im März im Olympia Theatre in Dublin dem Live-Test unterzog – zu finden unter der Rubrik "Live Rehearsals".

Das komplette Tracklisting:

01. I Took Your Name
02. So Fast, So Numb
03. Boy In The Well
04. Cuyahoga
05. Everybody Hurts
06. Electron Blue
07. Bad Day
08. The Ascent Of Man
09. The Great Beyond
10. Leaving New York
11. Orange Crush
12. I Wanted To Be Wrong
13. Final Straw
14. Imitation Of Life
15. The One I Love
16. Walk Unafraid
17. Losing My Religion
18. What's The Frequency, Kenneth?
19. Drive
20. (Don't Go Back To) Rockville
21. I'm Gonna DJ
22. Man On The Moon

Spielzeit: jeweils 105 Minuten
Bildformat: NTSC 16:9
Ton: Dolby 5.1 Surround, PCM Stereo
Website: www.remdublin.com



(Tobi)