Neu in der Videothek: "Die Royal Tenenbaums" auf DVD. Nach "Rushmore" und "Durchgeknallt" hat sich Regisseur Wes Anderson für "Die Royal Tenebaums" erneut mit seinem Freund Owen Wilson (den wir zuletzt in "Zoolander" als Hansel sahen) zusammen gesetzt und auch das Drehbuch für den eigenen Film verfasst - und noch mehr - produziert hat Anderson den Streifen dann auch gleich noch mit. Neu dürfte für den regisseur das Gefühl gewesen sein, ein Starensemble zu dirigieren, ist die Besetzungsliste doch hochklassig. Gelungen ist es ihm gut.

Auch wenn der Titel des Films vielleicht vermuten lässt, es handle sich um eine Adelsgeschichte - weit gefehlt. Gene Hackman spielt Royal Tenenbaum, einen merkwürdigen, alten Kauz, dessen finanzielle Lage sich im Lauf der Jahre so verschlechtert hat, dass das Hotel, in dem er seit zwanzig Jahren wohnt, ihn hinaus wirft. Was tun? Royal erinnert sich an seine glücklichen Familienjahre, als er einst als erfolgreicher Advokat mit Etheline (Anjelica Huston) zusammen in ein großes Haus in der Archer Street zog. Drei Kinder gingen aus der Ehe hervor, die allesamt, wie sich zeigen sollte, ihren persönlichen Knall haben. Margot (Gwyneth Paltrow) war erfolgreiche Autorin, nun verbringt sie den halben Tag eingeschlossen im Bad, heimlich seit ewigen Zeiten rauchend - ihr Ehemann Raleigh (Bill Murray), Psychoanalytiker und Neurologe, wird längst nicht mehr aus ihr schlau. Chas (Ben Stiller) entdeckte seine Leidenschaft für Immobilienhandel, kam aber nie über einen kleinen Luftdruckgewehr-Zwischenfall beim Spielen mit seinem Dad hinweg. Seit dem Unfalltod seiner Frau ist er stark depressiv und erzieht seine beiden Söhne Ari und Uzi sehr streng - beiläufig sollte man erwähnen, dass Chas und die Kids stets rote Trainingsanzüge tragen. Das dritte Kind Richie (Luke Wilson, Owens Bruder, der auch schon bei Andersons Vorgängerfilmen mit von der Partie war) feierte als Tennisprofi große Erfolge, bis er einen Nervenzusammenbruch erlitt. Seitdem pendelt er auf Schiffen durch die Welt. Aus drei Genies wurden also drei Wracks, jeder auf seine Weise.

Pleite wie er ist nimmt Royal wieder Kontakt zu Etheline auf und erzählt ihr, er läge im Sterben, und sein sehnlichster Wunsch sei es, sich mit der Familie zu versöhnen. Da Etheline gerade eine Beziehung zu Henry (Danny Glover) begonnen hat und die Wunden aus der Vergangenheit tief sind, ist sie ihm nicht gut gesonnen. Mittlerweile hat sich das lange ziemlich leere Haus an der Archer Street wieder gefüllt. Chas fühlt sich in seiner Wohnung unsicher und beschließt, mit den Söhnen zur Mutter zu ziehen. Margot fühlt sich benachteiligt und tut prompt selbiges. Auch Richie kehrt heim. Er ist übrigens in seine Adoptivschwester verliebt, seit Jahren, wie er seinem Jugendfreund Eli (Owen Wilson) in einem Telegramm gestand - dumm, dass gerade Eli lange schon eine Affäre mit Margot hat. Man merkt, die Charaktere im Film wurden detailliert und sehr individuell gestrickt.

Nach Richies Rückkehr spricht sich dieser für eine Heimkehr des vermeintlich krebskranken Vaters aus, die er auch erreicht, wofür er selbst aus seinem Zimmer in ein zelt zieht (das im Haus steht). Alle sind wieder zusammen, das Chaos nimmt seinen Lauf. Der Großvater ist gewillt, Ari und Uzi näher kennen zu lernen, wovon Chas nicht begeistert ist, hält er doch nicht viel vom vater. Nebenbei plant Royal, Etheline zurück zu erobern. Richie erfährt einiges über Eli und Margot, gesteht ihr aber auch seine Liebe. Dann kommt heraus, dass der alte Mann überhaupt nicht sterben muss...

"Die Royal Tenenbaums" ist ein Film, der von seinem trockenen Humor lebt und von der Schrägheit der Charaktere. Wunderbare Rückblicke in die Familiengeschichte sind zu sehen, oft in ganz kurzen Häppchen, und eine Handlung, die nicht spektakulär ist, dafür aber sehr pointiert. Untermalt wird das Ganze von toller Musik aus vergangenen Zeiten, ob "Hey Jude", ob "Rock The Casbah", ob das "Streichquartett in F Dur". Für einige mag der Film einfach nur langweilig sein, und wer Andersons trockenen Humor nicht mag, der ist komplett fehl am Platz. Andere werden den Streifen lieben, ob der Figuren, ob der Skurrilität. In jedem Fall ein ungewöhnlicher Film, und diesen hat Anderson prima gemacht.



Auf der Verleih-DVD gibt es den 105-minütigen Film in deutscher, englischer und italienischer Sprache zu sehen, außerdem Untertitel in genau diesen Sprachen. Extras findet man leider keine.

(Tobi)