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Bevor Tool im Frühjahr 2006 einen neuen Longplayer vorlegen, veröffentlichen sie noch zwei DVD-Singles zu ihrem nun schon länger zurück liegenden, letzten Werk "Lateralus" aus dem November 2003. Sinn der Sache ist es, die Videoclips zu den Stücken bekannter zu machen, und diese sind äußerst kunstvoll und abgefahren. Was bei "Schism" und "Parabola" gleich ist, ist die Aufmachung im vom Artwork her sehr ansprechenden dreifaltigen Digipack (siehe oben, glaubt nicht den vom Label verbreiteten, dürftigen Bildern bei einigen Bestellanbietern wie Amazon.de), jeweils mit Szenen aus den Clips im 16-seitigem Booklet, mit einem gastkommentar zum Videoclip und mit einem Remix, bei dem nur ein Standbild zu sehen ist. Auch ein textloses Menü, bei dem man lediglich eines von drei gleichen Symbolen wählt, haben beide DVDs gleich.

Kommen wir zu den Unterschieden. Die epische Metal-Nummer "Schism" wird von einem siebeneinhalb Minuten dauernden Videoclip begleitet, der selbst die Fans der Band in zwei Lager spaltete - für die einen ist es der langweiligste Clip der Jungs, für die anderen ein surrealistisches Meisterwerk. Man sieht Figuren, die wie eine Mischung aus Körperwelten-Plastinationen und Fantasyfiguren a la Gollum aus "Herr der Ringe" anmuten, dazu noch kleine aus dem Körper kriechende Mini-Monster, die etwas an den Film "Alien" erinnern - und zum Schluss eine psychedelische Feuerszene. "Parabola" ist anfangs ruhig, dann aber rockt das Stück machtig ab. Im zehnminütigen Videoclip sieht man drei Mann-ähnliche Wesen mit Knubbelhänden und gezerrten Köpfen, die sich an einem Tisch treffen, bis sie über ihm schweben und mittels einer aus ihren Mündern strömenden braunen Masse einen Kreis auf den Tisch zeichnen - dann geht es erst richtig los, und genau hier findet in der Musik der Übergang vom getragenen Beginn zum lauten Rock statt. Im Mittelpunkt des Clips stehen dann ein Mann, Mini-Wesen mit pulsierendem Vorderkopf und viele geometrische Körper. Beide Videos arbeiten mit viel Symbolik, Mystik, Körperbezogenheit, Übersinnlichem und Fantasy.

Der als Bonus auf beiden DVDs zu findende Gastkommentar ist als Dualkommentar zu hören, was nichts andere bedeutet, als dass man die Gäste zwei Kommentare zum Video hat sprechen lassen, von denen einer auf den linken, der andere auf den rechten Audiokanal gelegt ist, während der Clip nochmals dazu zu sehen ist. Dies ist etwas nervig, wenn man mich fragt, denn hat man normal beide Kanäle offen, so hört man das Wirrwarr aus zwei gleichzeitigen Kommentaren, als wenn man einen Zwei-Kanal-Ton-Film in beiden Sprachen gleichzeitig sieht. Na ja. Bei "Schism" spricht David Yow, Sänger von "The Jesus Lizard", bei "Parabola" Jello Biafra, Gründer der "Dead Kennedys".

Bleiben noch die Remixe. Der Mix von "Schism" ist 20 Minuten lang, wobei er gaaaanz lange nur eine apokalyptische, bedrohlich anmutende Klangwelt bietet, in die sich langsam auch Elemente des Songs verirren. Nach knapp 8 Minuten geht es erst erkennbar mit den Gitarren los, nach 11 Minuten gesellen sich auch Drum hinzu, machmal wirkt das Ganze auch wie aus dem Baukasten zusammen geschustert. Ein Mix für depressive Stunden. Der elfeinhalbminütige Remix von "Parabola" ist besser, weil er die ruhigen Elemente des Stücks ihn ausmachen, während der krachige Rock komplett weggelassen wurde. Mit sphärischen, hypnotisch und esoterisch daher kommenden Gesangs- und Musikelementen ist die Version sehr ruhig gestaltet, nach sechseinhalb Minuten kommt dann zwar Gitarre dazu, aber ebenfalls nur die ruhigen Passagen.

Insgesamt ganz klar zwei DVDs, die nur für Fans interessant sein dürften, bei diesen aber sicher eine Bereicherung im CD- oder DVD-Regal darstellen. Alleine die Clips sind wirklich außergewöhnlich, ob man sie nun toll findet oder nicht - was auch für die außergewöhnlich kunstvolle Musik gilt.

Mehr Informationen über Tool findet ihr auf www.toolband.com.

(Tobi)