Der amerikanische Dokumentarfilmer Robert Greenwald wirft mit diesem 100 minütigen Film einen Blick auf die Geschäftspraktiken des Wal*Mart Konzerns, einem Unternehmen das für das permanente Verbreiten von Guter Laune in seinen Supercentern steht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Discountern, die nur über ein eingeschränktes Warenangebot verfügen, bietet Wal*Mart ein Vollsortiment, und dies zu geringen Preisen. Wer sich diese Dokumentation anschaut, der weiß, wie dies funktioniert. "Das Wichtigste sind unsere Mitarbeiter" hat der verstorbene Firmengründer Sam Walton einst gesagt, und doch scheint der Mensch kaum irgendwo so wenig wert zu sein. Anhand von verschiedenen Themen und Beispielen deckt Robert Greenwald Hintergründe auf, die schockieren, selbst wenn man berücksichtigt, dass der Film generell natürlich in Michael Moore-Manier vorgeht und nur Gegner sowie schlecht behandelte Mitarbeiter zu Wort kommen lässt. Beispiele aus Middlefield in Ohio und Hearne in Texas machen klar, wie die Eröffnung eines Wal*Mart Supercenters alle kleinen Läden der Region in die Knie zwingt und schließlich eliminiert, Menschen aus der Stadt treibt, Grundstückspreise senkt. Trotzdem wird Wal*Mart hierbei stets noch kräftig von Gemeinden mit Millionenbeträgen subventioniert (jährlich insgesamt über 1 Milliarde Dollar in den USA), selbst wenn kaum Gewerbesteuer zurück fließt, da man zumeist geschickt knapp außerhalb der Stadtgrenzen eröffnet. Wie ehrliche Arbeiter um ihre Läden und Jobs fürchten, zeigt auch der Blick in einen Vorort von London. Die von oben vorgegebene Firmenpolitik ist brutal. Die Geschäftsführen sollen jeden Monat die Ausgaben senken. Deshalb werden immer weniger Mitarbeiter angestellt und immer mehr unbezahlte Überstunden erwartet - wer sich weigert, der wird gefeuert. Dabei ist die Bezahlung so dürftig, dass die firmeneigene Krankenversicherung kaum von den Angestellten finanziert werden kann, viele daher staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen müssen. Zwischendurch zeigt Greenwald Auftritte und Zitate von Konzern-CEO Lee Scott, der seine Firma in den Himmel lobt, und nackte Zahlen, die eine andere Sprache sprechen. Während Wal*Mart zum Beispiel extrem hohe Gewinne einfährt, kostet das Unternehmen die Steuerzahler jährlich 1,5 Milliaren Dollar für die Unterstützung der Angestellten. Es wird gezeigt, wie ein Mitarbeiter in Loveland, Colorado, eine Wahl durchgesetzt hat, ob eine Gewerkschaft die Rechte der Mitarbeiter wahrnehmen soll - die überaus eingeschüchterten Kollegen ließen ihn hängen. Es wird gezeigt, wie plötzlich die Beschäftigung illegaler Einwanderer in verschiedenen Wal*Mart Superstores zum Skandal wurde - einer von ihnen berichtet, wie er stets die ganze Nacht durch im Geschäft putzen musste, denn erst als der Marktleiter morgens aufschloss kam er wieder aus dem Laden heraus. Die schlechten Aufstiegschancen von Frauen werden ebenso angesprochen wie Rassendiskriminierung und Umweltverschmutzung - Beschwerden wurde stets jede Beachtung verweigert. Schließlich erfährt man noch, wie chinesische Fabrikarbeiter für einen Tageslohn von weniger als 3 Dollar unter furchtbaren Arbeitsbedingungen zehn Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche für Wal*Mart schuften, hierbei auch noch Behörden anlügen müssen, und dass in Bangladesh 189.000 junge Frauen an sieben Tagen in der Woche von 8 bis 22 Uhr für Wal*Mart nähen, dabei wie im Arbeitslager behandelt werden. Schlichtweg erschütternd! Und dann wird noch einmal die Konzernspitze dagegen gehalten: Lee Scott mit einem Jahresgehalt von über 27 Millionen Dollar, die fünf Walton-Erben mit einem Vermögen von insgesamt über 100 Milliarden Dollar - und wenig Bereitschaft, sich für die eigenen Angestellten oder gute Zwecke zu engagieren. Abschließend wird noch das Problem der häufigen Kriminalität auf Wal*Mart-Parkplätzen beleuchtet und wie wenig der Konzern hiergegen unternimmt. Fazit: Eine gute Dokumentation, die schockierende Wahrheiten über den weltumspannenden Konzern ans Licht bringt und hoffentlich für viele Diskussionen sorgt. Ob man nach dem Anschauen noch bei Wal*Mart kauft, muss jeder für sich entscheiden...

Als Extras findet man ein 17-minütiges "Behind the Scenes" in englischer Sprache (optional mit deutschen Untertiteln), einen siebenminütigen Bericht über die "Spoof Makers", die Macher kleiner witziger Werbespots im Wal*Mart-Stil mit Inhalt gegen den Konzern und den Originaltrailer.

Verkaufsstart: 27. April 2006
Verleiher: e-m-s new media
Filmlänge: 100 Minuten
FSK: freigegeben ab 12 Jahren
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9
Ton: Dolby Digital 2.0



(Tobi)