CTS-MUM

Nick Cave eröffnet sein zwölftes Album "Nocturama" mit einem in Moll als wunderschöne Ballade gezimmerten "It's a wonderful life, if you can find it". Eigentlich war gar nicht geplant, einen Longplayer aufzunehmen, als Cave und seine Band The Bad Seeds (natürlich mit Mick Harvey, Blixa Bargeld und Warren Ellis) Anfang 2002 in Melbourne für ein paar Tage ihre Freizeit im Studio verbrachten. Was als Probe-Session für neue Tracks geplant war, stellte sich als sehr produktiv und intuitiv heraus, und so war eine Woche später ein neues Album eingespielt.

Seitdem man sich 1983 aus den Überresten der australischen Legende The Birthday Party formiert hatte, ging es für Nick Cave und seine Mitstreiter kontinuierlich als angesehene Musiker weiter, ohne jemals in der Versenkung zu verschwinden, um dann wieder hinauf krabbeln zu müssen. Die oftmals düsteren und traurigen Stücke des Songwriters Cave begeisterten stets die Indie-Szene, lange aber auch schon eine weitaus größere Fangemeinde. Wer Cave einemal live gesehen hat, der ist sowieso zum Fan mutiert, schafft er den Spagat zwischen rauchiger Barmusik mit Ambiente und progressiven, lauteren Momenten doch wie kaum ein anderer mit Anspruch und Excellenz.

Das neue Album ist ein weiterer Beweis für die Ausnahmestellung von Nick Cave als Songwriter. Mit viel Atmosphäre und ruhigen Pianostücken, durch die Band wunderbar bereichert, geht es los - einfach nur schön. Dass man es nicht mit einem Balladenalbum zu tun hat, beweist schon Track 4, "Bring It On", das nach anfänglicher Zurückhaltung zu einem mitreißenden Song im Midtempo wird und bei dem Cave zusammen mit Chris Bailey singt. So richtig wild und noisig wird es danach bei "Dead Man In My Bed", wo die Bad Seeds gut krach machen. Vier ruhige, schöne Stücke geben dann wieder Raum zum Durchatmen und Träumen, bevor mit "Babe, I'm On Fire" ein rockiger, lauter, 15-minütiger Orkan die Scheibe abschließt. Die Kompositionen und Arrangements sind toll, die Texte sind interessant und für Interpratationen offen, Caves Stimme passt wie die Faust auf's Auge - was will man mehr?!? Großartige Scheibe! Hier ein Interview, dass mit Nick Cave zum Album geführt wurde.

Frage: Was hast du in der Zeit zwischen dem letzten Album 'No More Shall We Part' und der neuen Scheibe gemacht?

Nick Cave: Nun, ich habe das neue Album geschrieben - das ist im Grunde, was ich tue. Ich meine, dass ich viel träume, ins Büro gehe und herum sitze. Ich schreibe andauernd. Ich gehe dorthin, in diesen kleinen Raum, den ich habe, und schreibe die ganze Zeit. Ich habe irgendwie Angst davor, damit aufzuhören, wirklich. Wenn man stoppt, dann macht es so viel Mühe, wieder anzufangen - das ist es nicht wert, finde ich. Ich denke auch nicht viel zurück, sondern gehe immer vorwärts. Und ich hoffe, dass andere Sachen auf mich zukommen, was sie auch tun. Leute fragen mich, ob ich Sachen machen möchte, und manchmal sind sie irgendwie interessant, also mache ich sie.

Frage: Du hast ein paar Songs für Kino-Soundtracks geschrieben, oder?

Nick Cave: Da gab es einen Song für den sehr schönen, französischen Film "Travelling Birds". Ich weiß gar nicht, wie er auf Französisch heißt. Das war ein schönes Stück und ein toller Film. Einige andere habe ich außerdem gemacht.

Frage: Zwei Alben in drei Jahren deuten darauf hin, dass der kreative Fluss momentan gesund funktioniert. Denkst du das auch?

Nick Cave: Nein, so scheint es nie. Es kommt mir immer schwierig vor, nie sehr gesund. Es hat viel mit Herumsitzen und der Hoffnung zu tun, dass irgendetwas passiert. Ich befinde mich wieder in der Phase, eine neue Sache zu starten, und das passiert auch alles, aber es ist immer wirklich schwierig.

Frage: Wie habt ihr das Album aufgenommen?

Nick Cave: Wir haben es in sieben Tagen oder so eingespielt, es einstudiert und aufgenommen und das war's, wirklich. Ich denke, die Idee war, etwas von der Kostbarkeit beim Aufnehmen einer neuen Platte weg zu nehmen und möglicherweise Platten wieder mehr so einzuspielen, wie man es früher getan hat, was schneller ging. Der Prozess des Aufnehmens einer Platte und der Promotion dafür und des Tourens geht so unglaublich langsam, dass man schon wieder bei der nächsten Platte angelangt ist. Ich finde das zu lange. Bei den neuen Songs habe ich grundsätzlich eine musikalische Idee und einige Textelemente nieder geschrieben, dann habe ich das neben das Piano geworfen und mich an das nächste Stück gemacht. Ich bin die Songs wirklich nicht noch einmal durchgegangen oder habe sie aufgehoben und nochmal gespielt. Sie wurden einmal geschrieben, und das war's. Auf dem Album davor, "No More Shall We Part", hatte ich alles hochgradig durcharrangiert, bevor wir zusammen gekommen sind, was die Band gehemmt hat. Wenn etwas schon ziemlich fertig ist und sie alle nur ihren Part spielen müssen, gibt dies ihnen nicht viel Freiraum. Diesmal haben wir die Stücke zusammen arrangiert und sie hatten viel mehr Spielraum, und ich denke, dass es daher auch eine bessere Platte ist.

Frage: "Nocturama" wurde coproduziert von Nick Launay. Wie hast du ihn kennen gelernt?

Nick Cave: Er hat vor vielen Jahren die Birthday Party Single "Release The Bats" gemacht, und sein Name war plötzlich im Spiel. Ich glaube, Mick Harvey hatte ihn getroffen und gefragt, ob er es tun wolle. Er war wirklich gut - wirklich gut. Ich denke, wir werden ihn wahrscheinlich wieder nehmen.

Frage: Du scheinst mehr Piano zu spielen auf den letzten paar Alben. Ist die Art, wie du spielst, von irgendjemandem bestimmten beeinflusst, oder ist das dein ganz natürlicher Stil?

Nick Cave: Ich spiele einfach so gut, wie ich kann. Wenn ich es besser könnte, würde ich wahrscheinlich anders spielen. Ich versuche aber, es so ökonomisch und einfach wie möglich zu halten. Ich mag es, aus der Musik zu kommen, da steckt viel Betonung drin. Ich komponiere alles auf dem Piano, die Songs wachsen also alle aus dem Instrument, und manchmal würde ich es gerne auch mal anders machen.

Frage: Ihr habt die Scheibe in Melbourne aufgenommen. Spielt diese Stadt eine Rolle dafür, wie ein Album klingt?

Nick Cave: Nein, das denke ich nicht. Wir waren alle gleichzeitig in Melbourne für eine Art Tour. Ich wollte eigentlich nur mit der Band ein paar Songs ausprobieren, und dann haben wir doch aufgenommen. Weißt du, wir hatten nur ein paar Tage und haben die ganze Scheibe eingespielt. Sie klang sehr gut, so kam es also wirklich dazu. Ich denke nicht, dass wir ins Studio gegangen sind, um ein Album aufzunehmen. Wir hatten nur etwas freie Zeit und wollten etwas zusammen spielen, und dann ist das Album heraus gekommen.

Frage: Haben die Bandmitglieder an den Alben immer etwa den gleichen Anteil, oder machen einzelne Mitglieder mehr als andere?

Nick Cave: Das variiert von Album zu Album und wie sich jedes Bandmitglied fühlt. Wir sind lange zusammen und ich denke, jede Person durchläuft Phasen hoher Kreativität und geringer, das wechselt immer.

Frage: Gibt es aktuelle musikalische Entdeckungen oder Vorlieben, die sich auf dem Album niedergeschlagen haben?

Nich Cave: Nein. Ich denke, dass die Musiker, die ich in der Entstehungsphase viel gehört habe, wahrscheinlich Bob Marley und Neil Young waren. Ich weiß nicht, ob von denen irgendwas in die Kompositionen eingeflossen ist, aber ich war wirklich beeindruckt von Bob Marleys Leichtigkeit bei seinen frühen Aufnahmen und bei Neil Youngs mittlerer Phase von der Freiheit in Klang und Rohheit. Die Sachen damals schienen auch sehr schnell aufgenommen worden zu sein, und das hat mich immer beeindruckt.

Frage: Der Albumtitel "Nocturama" stammt nicht von einem der Stücke. Woher kommt er?

Nick Cave: Doch, es ist ein Song, er hat es aber nicht auf das Album geschafft. Da gab es einen Song namens "Nocturama", der wahrscheinlich als B-Seite oder so erscheinen wird. Als Albumsong ist er fehl geschlagen, hat aber einen schönen Titel. Es war eigentlich ein schöner Song. Ich weiß nicht, warum das nicht hingehauen hat, aber so ist das.

Frage: Als du das Album geschrieben hast, gab es da Bestrebungen, die Songs irgendwie miteinander zu verbinden?

Nick Cave: Es gibt sicher kein Leitthema oder so, um die Songs zu verbinden. Das sind einfach die Stücke, die ich geschrieben habe. Sie haben sich gegenseitig beeinflusst, aber das tun sie immer. Viel mehr als eine textliche Einheit zu suchen hat mich beeindruckt, welche Stärke im Klang und welche Entschlossenheit auf dem Album zu hören sind, selbst bei den ruhigen Stücken. Das mag ich sehr. Und es gab Freiheit, musikalisch und an den Instrumenten, was mir auch gut gefallen hat. Weißt du, als wir die Songs aufgenommen haben, da war vorher nie klar, wie lang ein Stück werden würde, wie viele Strophen es geben würde und so weiter. Wir spielten einfach drauflos mit einigen Eckpunkten. Wenn es sich anfühlte, als bräuchte man einen längeren instrumentalen Part, dann konnte diesen irgend jemand angehen.

Frage: Die erste Single "Bring It On" ist auf dem Alb um das erste Stück, bei dem die Band laut klingt. Wurde dies durch den Text verursacht?

Nick Cave: Ich denke, der Song ist eine Art "I'm here babe, I'll be your rock". Ich schreibe tausende dieser Stücke - "Bring all your sorrow, I'll be here to help you out. Stand by me," oder sowas in der Art. Aber die Musik passte wunderbar dazu, und Chris Bailey, der Sänger von The Saints, singt natürlich mit. Er war damals zu der Zeit in Melbourne, also habe ich ihn angerufen, er kam vorbei und hat es gesungen, hat es schön gesungen, dem Song neuen Wind gegeben. Ich denke, er ist einfach ein unglaublich wundervoller Sänger und das ist ein toller Popsong.

Frage: Kanntest du Chris aus früheren Punktagen in Australien?

Nick Cave: Er war in der Band The Saints, und diese Band kam nach Melbourne und wir sahen sie religionsgleich - ich meine, dass sie für mich und meine Kollegen göttlich waren. Sie waren immer viel besser als alle anderen, eine außergewöhnliche Band. So war es natürlich toll, dass er zu uns gekommen ist und mit uns gesungen hat. Er ist so ein großartiger Kerl und Sänger. Er kann wirklich singen. Es war außergewöhnlich, eine Band zu sehen, die so anarchisch und brutal ist, und einen Sänger hat, der wirklich singen kann. das war klasse.

Frage: Woher kommt die Idee zum Video von "Bring It On"?

Nick Cave: Ich hatte selbst die Idee für das Video, im Sinne dessen, dass der regisseur Johnny Hillcoat gefragt hat: "Worüber wollen wir ein Video machen?" und ich gesagt habe: "Wie sehen die Videos auf MTV heute aus?" und er antwortete: "Da sieht man viele schwarze Mädels, die mit ihren Ärschen in die Kamera wackeln" - also sind wir da gelandet - wirklich.

Frage: Das Video für "Babe I'm On Fire" ist eher eine Darstellung des Songs, weil die Bad Seeds die Rollen übernommen haben. War das mehr eine zufällige Entscheidung, es so zu machen?

Nick Cave: Wir hatten den Song, diesen sehr langen Song. Er ist 16 Minuten lang, und wir wollten eine Verkörperung des Songs als Geschenk daraus machen, weil du heute ja kaum noch eine Platte ohne etwas Besonderes als Zugabe heraus bringen kannst. Wie auch immer, es hat sehr viel Spaß gemacht, das Video zu drehen.

Frage: "Dead Man In My Bed" ist wohl der rauhste Song des Albums. Ist es für dich ein Bedürfnis, heutzutage mehr solche Songs zu machen?

Nick Cave: Ja, ich habe Spaß daran. Wir machen alle gerne Krach. Diese Stücke sind nur schwer auf dem Klavier zu komponieren, ansonsten würde ich mehr davon machen auf der neuen Platte - also der nächsten. Ich müsste mich antreiben, das mehr zu tun, weil es mir so viel Spaß macht. Ich meine, es gibt doch kaum so etwas Tolles wie den Stecker rein zu stecken und Krach zu machen.

Frage: Es ist einigermaßen ungewöhnlich, aus weiblicher Sicht Songs von dir zu hören. Die meisten deiner Protagonisten in Songs sind männlich. Das stimmt doch, oder?

Nick Cave: Nein, nicht wirklich. Ich schreibe Songs über Männder und über Frauen und aus Sicht von Frauen, aber normalerweise natürlich aus meiner Sicht, und ich bin nun mal ein Mann. Daher gibt es eine Vorherrschaft von Männer-orientierten Stücken, denke ich. Aber den Titel "Dead Man In My Bed" habe ich gemocht und wollte ihn nicht aus Männersicht erzählen, wenn du weißt, was ich meine. Ich wollte nicht sagen, dass ein toter Mann in meinem Bett liegt, das wäre nicht sehr glaubwürdig. Also habe ich hier aus Sicht einer Frau geschrieben.

Frage: Erzähl bitte etwas über "There Is A Town".

Nick Cave: Das ist sehr einfach. Nun, letztendlich ist es ein einfacher Text, die Musik ist etwas komplizierter. Sie hat einen komplizierten Aufbau in der Entwicklung von Akkorden, wenn ich mich recht erinnere. Ja, es geht um das gefühl der Sehnsucht nach dem Ort, wo ich aufgewachsen bin. Ich denke, darum geht es.

Frage: Der Text zum Song "Rock Of Gibraltar" lässt vermuten, dass du viel Spaß an dem Metapher hattest. Wirft man damit etwas die Fesseln ab, eine ernsthafter Texter zu sein?

Nick Cave: Ich finde den Text sehr ernst und war sehr zufrieden mit ihm. Warum sollte ich die Fesseln abwerfen wollen, ein ernsthafter Texter zu sein? Ich gebe mir sehr viel Mühe mit meinen Texten. Diesen haben ich schnell geschrieben, muss ich sagen. Ich liebe aber wirklich dieses Album und bin sehr stolz darauf. Ich denke, es ist eine wirklich gute Platte, aber über die Texte nun so zu sprechen - das fühlt sich an als würde man sie abwerten. Ich verbringe beim Schreiben von Texten viel Zeit damit, zu überlegen, wie viel Informationen ich preisgeben möchte im Song, damit er auch etwas mysterisch bleibt, bis zu einem gewissen Grad mehrdeutig, und dass er Leuten nicht wie ein Knüppel auf den Kopf schlägt. Über Texte zu reden ist wie Klatsch oder so, irgendwie abwertend.

Frage: Studierst du die Art, wie andere Leute Texte schreiben?

Nick Cave: Ich achte darauf, wie andere Leute Texte schreiben, und Gedichte. Ich lese viele Gedichte und begeistere mich immer noch für Texte, was ich gut finde. Ich versuche aber wirklich nicht, wie andere Leute Texte zu schreiben. Ab und an klaue ich mal Zeilen, aber mehr aus Versehen. Ich studiere andere Texter aber nicht, um wie sie zu schreiben. Es gibt Dichter, die sicher meine Art des Schreibens beeinflusst haben. Auden zum Beispiel und Hardys Gedichte, bestimmt. Meine Art zu Texten wäre ohne sie nicht die gleiche, aber ich denke, diesen Effekt habe ich auch bei vielen Songwritern. Der frühe Van Morrison, wahrscheinlich, und Bob Dylan - also bin ich von diesen Leuten beeinflusst.

Frage: "Babe, I'm On Fire" ist in vieler Hinsicht spektakulär, vor allem aber ist es ein sehr langer Song mit über 40 Strophen. War dies am Anfang geplant?

Nick Cave: Nein. Es war nur eine Idee, die wie eine Dampfwalze voran gerollt ist. Du konntest da sitzen und über neue strophen nachdenken, und das hat Spaß gemacht. Das war wie "O'Malley's Bar" oder sowas in der Art, der ja auch sehr lang war auf der "Murder Ballads"-Scheibe. Es wurde der Song, den ich schrieb, als ich keine Lieder schrieb, wenn du weißt, was ich meine. Es wurden immer mehr, und es gab noch weit mehr Strophen, aber irgendwann musste das Stück ja auch mal enden. Es ist ein guter Song. Ich denke, eigentlich war der Song nicht für das Album gedacht, ist aber dann doch schließlich darauf gelandet.

Frage: Wie habt ihr den Song im Studio aufgenommen? In einem Stück?

Nick Cave: Ja, ich denke, wir haben ihn nur einmal gespielt, gut, eineinhalb Mal. Ich glaube, wir haben ihn sechs Minuten gespielt und waren uns sicher, dass wir jetzt wissen, wie wir ihn spielen wollen. Weißt du, wir haben ihn gelernt und dann gespielt und aufgenommen, aber so war das bei fast allen Stücken. Wir gehen ins Studio und niemand weiß im Endeffekt etwas über die Songs. Ich bringe sie mit, stelle sie ihnen vor, sitze am Piano, gehe einen Song durch. Eine halbe Stunde brauchen wir, um heraus zu arbeiten, wie wir ihn spielen wollen. Dann spielen wir ihn einfach und nehmen ihn auf. Dann mixen wir ihn ab - beim Mixen kannst du noch viele verschiedene Dinge machen.

Frage: JOhnny Cash hat vor kurzem eine Version von "The Mercy Seat" aufgenommen. Wie fandest du sie?

Nick Cave: Ich liebe sie. Ich habe gerade mit ihm einen Song auf seiner neuen Platte gesungen, "I Feel So Lonesome I Could Cry" von Hank Williams, im Duett mit Johnny Cash, das war schön.

Frage: Du hast mal über die Bad Seeds gesagt, dass eure Musik eine Suche nach etwas ist. Wo denkst du seid ihr angekommen?

Nick Cave: Es geht einfach darum, zusammen ins Studio zu gehen und zu versuchen, Musik zu machen, die jedem Spaß macht - wir scheinen dazu fähig. ich weiß nicht mehr, ob das eine Suche ist - ich wüsste nicht, wonach. Außer einem Gefühl der Direktheit und Freiheit in dem, was wir tun. Das wäre etwas, wonach wir streben oder langsam strebten. Dafür braucht man viel Glauben an das ,was man tut, aber den haben wir mit jeder Platte mehr und mehr gestärkt, weil es einfach so eine große Sache ist, eine Platte aufzunehmen. Wir kommen inzwischen irgendwie unvorbereitet ins Studio, und da brauchen wir eine Art Glauben, dass alles klappen wird. In dieser Hinsicht sind wir sicher voran gekommen.

Frage: Im letzten Jahr gab es einen globalen Konflikt auf der Welt. Hat so etwas auch deine Sichtweise der Musik oder deine Herangehensweise an die Musik verändert?

Nick Cave: Nur so weit, wie es muss. Je intensiver es wird, desto intensiver gebe ich mir Mühe, davon nicht ergriffen zu werden, aber das ist extrem schwer. Es ist schwer, meine Texte und meine Musik nicht von der Welt draußen verderben zu lassen auf eine gewisse Art. Von der Kreativität her gesehen muss ich mich abkapseln und so tun, als wäre ich nicht betroffen. Dies heißt nicht, dass ich es wirklich nicht bin, aber ich hege tiefe Abneigung gegen die Welt und es politisch und in der Gesellschaft vor sich geht. Es ist für mich wichtig, mich davon abzukapseln und eine alternative Welt zu erschaffen, was ich musikalisch tue, für mich. Eine Welt abseits der Welt. Es tröpfelt in meine Texte, aber ich habe kein Interesse, über die Welt zu berichten, raus zu gehen und den Leuten zu sagen, wie die Welt ist.

Frage: Du hast in verschiedenen Städten gelebt. Ich denke, du lebst jetzt in London. Klappt dies gut, oder fühlst du ein verlangen, woanders zu leben?

Nick Cave: Ich bin gerade aus London weg gezogen. Ich ziehe wieder um, aber ich lebe auch nicht gerne lange an einem Ort. ich habe aber keinen Plan diesbezüglich. Ich lebe nicht gerne lange irgendwo, aber woanders fühle ich mich auch wieder so, es macht also keinen großen Unterschied. Ich bin verheiratet, und eine Ehe ist etwas wie ein Versteck, wo man sich wegschließt bis zu einem gewissen Grad. Und ich habe mein Büro zum Arbeiten, was ähnlich ist. Für mich sind diese beiden Plätze irgendwie authentisch. Es gibt dort Glaubwürdigkeit, die ich in der Welt draußen nicht finden kann, die unwiderruflich verdorben ist. Ich nehme diese beiden Welten also mit mir, wohin ich gehe, also macht es keinen Unterschied, wo ich lebe.

Frage: Arbeitest du gerade noch an anderen Projekten, ob musikalisch oder schriftstellerisch?

Nick Cave: Nun, ich habe ein Drehbuch für einen Film fertig gestellt. Es sieht so aus, als würde es verfilmt werden. Ich musste einige neue Entwürfe machen, das habe ich letztes Jahr gemacht. Das ist also fertig. Ich mache aber auch jede Menge andere Sachen, wirklich, da ist einiges, was ich jetzt gar nicht aufzählen will. Ich bin immer aktiv, weißt du. Viel Filmmusik mache ich.

Frage: Abschließend, wonach streben die Bad Seeds in den nächsten Jahren?

Nick Cave: Ich denke, wir sind in einer Position, wo wir uns aussuchen können, was wir in diesem Business machen wollen, und was uns am meisten Spaß macht, sind Aufnahmen. Natürlich kommt mit einem neuen Album viel anderes, du weißt, die Promotion und das alles, was ermüdend ist oder sein kann. Wir wollen einfach viel Musik machen.


Zum Reinhören haben wir das komplette Album als Streams in verschiedenen Qualitätsstufen für euch im Angebot (im Real Media Format fehlt der letzte Song leider):

Windows Media:
Wonderful Life High Med Low
He Wants You High Med Low
Right Out Of Your Hand High Med Low
Bring It On High Med Low
Dead Man In My Bed High Med Low
Still In Love High Med Low
There Is A Town High Med Low
Rock of Gibraltar High Med Low
She Passed By My Window High Med Low
Babe Im on Fire High Med Low

Real Media:
Wonderful Life 56k Broadband
He Wants You 56k Broadband
Right Out Of Your Hand 56k Broadband
Bring It On 56k Broadband
Dead Man In My Bed 56k Broadband
Still In Love 56k Broadband
There Is A Town 56k Broadband
Rock Of Gibraltar 56k Broadband
She Passed By My Window 56k Broadband

Mehr über Nick Cave findest du auf seiner Website oder auf den Seiten von Mute Records.

(Tobi)
Foto: Polly Borland