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(13. Oktober 2005)

Das Theater des Westens ist - hier wiederholen wir uns gerne - mit Sicherheit eines der schönsten Musical-Theater, welches wir in Deutschland zu bieten haben - durch die Renovierung wurde dies noch unterstrichen. Von draußen schaut man auf einen Prachtbau, im Foyer funkelt es von edlen, riesigen Hängeleuchtern, und im Zuschauersaal sieht es durch das rote Velours und die prunkvollen Verzierungen in vier (!) Stockwerken einfach wundervoll aus. Man fühlt sich also wohl und wird von Beginn an in die richtige Stimmung versetzt.



Große Freude kam beim Blick auf die Besetzungsliste auf. Da uns angekündigt wurde, Uwe Kröger würde am Besuchsabend nicht spielen, waren wir umso froher, ihn als Erstbesetzung des Kardinal Richelieu dann doch zu erleben. Auch die Tatsache, Pia Douwes als Milady de Winter zu sehen, bevor im November Kristin Hölck diesen Part übernimmt, stimmte froh - nichts gegen Frau Kölck, aber Pia ist sicherlich die hochwertigere Besetzung. Generell stand die komplette erste Garde auf der Bühne - was will man mehr.



Die bekannte Story von d'Artagnan und den drei Musketieren wurde absolut überzeugend in ein Musical umgewandelt, bei dem einfach alles zu stimmen scheint. Die Handlung wurde mit sehr nettem Humor angereichert, vor allem bei den Tierdarstellungen, die für allgemeines Lachen im Saal sorgen. Aber auch die actionreiche Dramatik kommt natürlich nicht zu kurz. Die Vielzahl an verschiedenen Kulissen ist beeindruckend, und hierbei wurde nicht gespart, immer wird der richtige Rahmen geboten - und die Schiffsszene ist die absolute Krönung. Die zur damaligen Zeit passenden Kostüme wissen ebenfalls zu gefallen.



Was wäre das beste Musical-Bühnenbild ohne gute Musik? Als man hörte, dass die in Pop und Rock erfolgreichen Produzentenbrüder Bolland & Bolland, bekannt von Hits für Falco oder Status Quo, ein Musical komponieren würden, durfte man skeptisch sein - das Ergebnis aber ist umso überzeugender und man schämt sich beinahe des zuerst erbrachten Misstrauens. Bolland & Bolland ist es definitiv gelungen, eingängige und wunderschöne Stücke zu erschaffen. Diese sind manchmal poppig und etwas rockig, meistens aber rein klassisch basiert, wie Musicals am schönsten sind. Mit "Engel aus Kristall" und "Wer kann schon ohne Liebe sein" sind wahre Ohrwürmer zu finden, mit "O Herr", "Vater" und "Kein geteiltes Leid" einige Gänsehaut-Songs. Einige Stücke arbeiten auch mit choralen Passagen, die ebenfalls überzeugen. Große Klasse, Daumen nach oben für diese Kompositionen!



Die Hauptakteure hatten natürlich auch ihren Anteil am sehr guten Gesamteindruck. Patrick Stanke ist mit seinem jugendlichen Charme der optimale d'Artagnan, weiß die Mischung aus tollpatschiger Unbeholfenheit und stürmischer Entschlossenheit bestens zu verkörpern, singt zudem immer besser. Ein absolutes Highlight war Pia Douwes - besser kann man die Milady de Winter nicht bringen. Die Erfahrung der Spielzeit in Rotterdam war ihr anzumerken, sie wirkte routiniert, sang wundervoll und brachte die Milady mit einer unschlagbaren Ausstrahlung auf die Berliner Bretter. Dann gab es natürlich noch Uwe Kröger als dritten Star des Abends, der er dann auch wieder war, zwar nicht mit vielen Songs, aber wenn er als Kardinal Richelieu agierte, dann war er - man möchte fast "gewohnt" hinzufügen - toll. Insgesamt spielte ein tolles Ensemble - die drei Musketiere waren klasse, König und Königin prima besetzt, Rochefort war böse gut, und die junge Sabrina Weckerlin war genau die Richtige für die zerbrechliche, verliebte Constance, besonders im tollen Terzett "Wer kann schon ohne Liebe sein?" mit Pia Douwes und Kristin Hölck.



Fazit: In Berlin ist mit "3 Musketiere" ein Musical zu sehen, welches man sich nicht entgehen lassen darf. Das mit all den tollen Kulissen, wunderbaren Songs und großen Darstellern rundum überzeugende Stück ist das beste Musical seit "Elisabeth".

(Karo)


Fotos: Brinkhoff/Mögenburg