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(21. März 2003, Köln)




Der Musical Dome Köln wurde für "Jekyll & Hyde" passend hergerichtet. Das Foyer ist in tiefes Rot gehüllt, die Bühne wurde in die Tiefe extra vergrößert, um noch mehr Raumeffekt bieten zu können. Besonders bei den Labor-Szenen, wo man Dr. Jekyll in einer scheinbar endlosen Raumflucht sieht, kommt die Wirkung wunderbar zum Tragen.




Die Musik von Frank Wildhorn ist gut, auf die ganz großen Ohrwürmer allerdings wartet man vergebens. Dafür bilden die Stücke ein konformes Ganzes ohne Langweiler, von den Ensemble-Songs mit Tanzeinlagen bis zu den nicht seltenen Balladen. Das Orchester unter der Leitung von Koen Schoots, den man rechts oben über dem Saal den Taktstock schwingen sieht (wobei leider etwas viel Licht auf die Besucher rechts in der vorderen Mitte fällt), spielt professionell, aber der Sound im Saal ist nicht optimal. Ist es bei anderen Musicals teilweise der Fall, dass man sich mehr Lautstärke wünscht, so sind die Pegel hier stellenweise schon zu weit aufgedreht, was zu etwas höhenlastigem Klang führt, bei dem man ab und an nicht mehr jedes gesungene Wort versteht.




Die Handlung ist toll und nimmt den Zuschauer schnell gefangen. Die Story von Dr. Jekyll, dessen Experimente bei Kollegen nicht das gewünschte Ansehen finden und der deshalb sich selbst zum Versuchsobjekt macht, ist flott und spannend inszeniert. Die nicht wenigen Szenen im Rotlicht-Milieu wissen mit guten Choreographien zu überzeugen, sind zudem durchaus erotisch. Die Wandlung zwischen Jekyll und Hyde ist gut dargestellt, die Labor-Momente sind großartig - vor allem die auch musikalisch mit vielen modernen Elementen sich abhebende Szene, in der Jekyll wie ans Kreuz geschlagen in der Luft schwebt und von einem Lichtgewitter umgeben ist. Sowieso muss man dem Bühnenbild und Licht ein großes Kompliment machen. Viele verschiedene Örtlichkeiten werden wunderbar dargestellt, stets von passenden Farben ummantelt.



Als Hauptdarsteller agierte in unserer Samstag-Nachmittag-Vorstellung leider nicht Yngwe Gasoy-Romdal, sondern Christoph Goetten, der allerdings auch zu überzeugen wusste - gesanglich war er sehr gut, schauspielerisch ab und an etwas hölzern, was aber nicht groß ins Gewicht fiel. Absolut herausragend hingegen präsentierte sich Anna Montanaro, die mit feuerroter Mähne der Lucy so viel Leben einhauchte, dass einem manchmal schon der Atem weg blieb - eine überragende Leistung, an der sich nur wenige deutsche Musical-Sängerinnen ebenbürtig messen können. Positiv fiel auch Brigitte Oelke als Nellie auf, und Nicole Seeger gab als Lisa Carew ebenfalls eine sehr gute Vorstellung ab. Niemand war unsicher, gesanglich dürftig oder fiel negativ auf - eine gute Gesamtleistung.



Fazit: Die Kölner Inszenierung von "Jekyll & Hyde" ist sehr gut - zum Schluss auch vom begeisterten Publikum zu Recht mit Standing Ovations honoriert. Handlung und Musik bilden mit Bühnenbild und Licht eine wunderbare, spannende und feurige Mixtur, die man als Zuschauer genießen kann. Anna Montanaro alleine ist schon das Eintrittsgeld wert, man bekommt aber noch viel mehr hierfür zu sehen und zu hören. Wenn jetzt noch der Sound optimiert wird, dann kann es den Musical nur besser ergehen als ehemals in Bremen. Wer "Jekyll & Hyde" noch nicht gesehen hat, der sollte es sich nicht entgehen lassen.

(Karo)