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(Copyright: © Sabine Hauswirth)

Pia Douwes und Uwe Kröger gehören für die Musical-Liebhaber zu den ganz Großen des Genre. Das liegt an den Rollen, die sie in diversen Musicals der letzten drei Jahrzehnte spielten - vor allem aber an "Elisabeth", dessen Uraufführungs-Inszenierung in Wien sie vor 25 Jahren prägten. Pia Douwes wusste in der Rolle der österreichischen Kaiserin Elisabeth ebenso zu begeistern wie Uwe Kröger als Tod.

Nicht nur das Erfolgs-Musical feiert sein 25. Jubiläum, auch Douwes und Kröger feiern, dass sie sich 25 Jahre kennen und gute Freunde geworden sind - und das mit einer Tournee, die sie durch zehn Städte in Deutschland führt, wo sie als "Das Traumpaar des Musicals" zusammen einen Abend gestalten. Wir besuchten die erste Show in Essen und können die Tour guten Gewissens empfehlen.

Statt inmitten groß aufgezogener Musical-Kulissen agieren Douwes und Kröger in Konzert-Atmosphäre. Über der Bühne hängt eine große Leinwand, und auf dieser sieht man zu Beginn einige Szenen, Berichts-Auszüge und Interviews zur Premiere von "Elisabeth" im September 1992 - und nicht nur die damaligen Frisuren erzeugen historische Stimmung.


(Copyright: © Vereinigte Bühnen Wien)

Auf der Bühne befinden sich zunächst zwölf Musiker, bestehend aus Mitgliedern des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien unter der Leitung von Herwig Gratzer und vier Background-Vokalisten. Ein Gitarrist, ein Bassist, ein Keyboarder, ein Drummer und drei Bläser sorgen, geführt vom ebenfalls am Keyboard auf der Bühne aktiven Herwig Gratzer, für die perfekte instrumentale Untermalung des Abends. Die Vokalisten, zwei weiblich und zwei männlich, übernehmen Ensemble-Gesang oder einzelne ergänzende Stimmen bei den Musical-Stücken, tanzen hin und wieder aber auch und sollen später noch ihr eigenes Stück bringen.

Nach einigen eröffnenden Momenten aus "Elisabeth" betreten Pia Douwes und Uwe Kröger umjubelt die Bühne, und in der ersten Stunde des Abends widmen sie sich voll und ganz dem wundervollen Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze. Hierbei singen sie natürlich die schönsten Lieder wie "Ich gehör nur mir", "Die Schatten werden länger", "Nichts, nichts, gar nichts" oder "Der letzte Tanz". Douwes und Kröger singen aber nicht nur, sie erzählen zwischen den Stücken auch viel über ihr Kennenlernen, das Musical und wie sie dazu kamen. Hin und wieder wird das Ganze durch auf der Leinwand eingeblendete Fotos oder Videosequenzen unterstützt, was durchaus unterhaltsam ist. Ihre Erinnerungen sind interessant für das Musical-affine Publikum und auch für einige Lacher ist gesorgt, wenn Pia mit "Diese Frisur - ich sah aus wie ein Pudel" kommentiert oder Uwe berichtet, wie er damals überhaupt nicht wusste, wie er an die Rolle des Tods heran gehen soll. Beide wirken hierbei sympathisch und authentisch, und hin und wieder lassen sie auch spontan improvisierte Sprüche einfließen, was man daran merkt, dass der Partner dann auch herzlich lachen muss, weil dieser Moment nicht auf dem am Bühnenrand installierten Spick-Monitor vermerkt war.

Nach einer Pause widmen sich Douwes und Kröger dann Liedern abseits von "Elisabeth" und bieten ein buntes Potpourri an Stücken, komplettiert durch Geschichten aus ihrer Musical-Zeit und kleinen Gags, wobei sie auch ihre inzwischen 53 Jahre alles andere als verheimlichen. Pia sagte im Vorfeld zur Tour: "Uwe und ich sind ein eingespieltes Team, wir verstehen uns blind, und wenn wir zusammen sind, dann sind wir wie ein altes Ehepaar." Das glaubt man ihr absolut, wenn man sieht, wie vertraut und liebevoll beide miteinander agieren.

Auch wenn damit geworben wird, dass man neben Liedern, die beide in ihren Engagements gesungen haben, auch Darbietungen von Songs zu sehen bekommt, die nicht auf ihrem Spielplan standen, so dominieren die verkörperten Rollen doch stark, und das macht ja auch Sinn und ist das, was das Publikum sehen will. Uwe bringt Stücke aus "Sunset Boulevard" oder "Hairspray!", wobei er hierbei sogar mit sich selbst im Duett singt, ist er auf der Leinwand doch als beleibte Blondine Edna Turnblad zu sehen. Pia singt aus "Rebecca" und bringt "All That Jazz" aus "Chicago", wobei sie hierbei nicht nur ihre durchtrainierte Figur beweisen kann, sondern auch ihr Fähigkeiten, sexy lasziv in puncto Bewegung und Gesang zu agieren. Natürlich sind beide hin und wieder auch zusammen im Duett zu erleben, wie bei "Money Makes The World Go Round" aus "Cabaret" oder gegen Ende bei "Das Phantom der Oper".


(Copyright: © Sabine Hauswirth)

Der emotionale Höhepunkt des Abends ist zu erleben, als Uwe Kröger aus der deutschsprachigen Erstaufführung von "Doctor Dolittle", den er aktuell in Salzburg spielt und bei dem Pia ja Papageiendame Polynesia die Stimme leiht, die deutschsprachige Version der Ballade "Something In Your Smile" für Pia singt und ihr davor sehr liebevolle Worte widmet. Ob seine Einleitung hier für Pia am ersten Abend in Essen unerwartet kam, und auch die Tatsache, dass er sie zu sich auf die Bühne bat und beim Lied ihre Hand hielt, das weiß man nicht, aber es wirkte so. Am Ende des schönen Stückes verließ Uwe mit Tränen die Bühne, und auch Pia musste sich vom Publikum erst einmal ein Taschentuch geben lassen, bevor sie weiter machen konnte. Ein sehr schöner Moment, vor allem auch, weil Uwe sich hier für eine enge und ehrliche Freundschaft bedankte - und wie man weiß erlebt er ja nicht gerade seine einfachsten Jahre, nachdem er letztes Jahr Privatinsolvenz anmelden musste und öffentlich machte, dass er ja sogar schon Selbstmord geplant hatte. "Nach 25 Jahren können wir auf unseren beruflichen Werdegang zurückblicken, der uns viele kostbare künstlerische Momente beschert, aber auch die private Seite näher gebracht hat", erklärte Kröger vorher, und diese enge private Freundschaft wurde vielleicht noch nie so sichtbar.

Da ist es schon mehr als nur ein weiterer Song, wenn beide zusammen "Always Look On The Bright Side Of Life" aus "Monty Python's Spamalot" zusammen singen und hiermit Optimismus und gute Laune beschwören - und auch im Saal erzeugen. Die ergänzenden Vokalisten haben übrigens auch noch ihren eigenen Auftritt, wenn sie als Quartett "Gudrun" mit Hilfe von per Tablet gesteuerten Stimmen-Sample-Loops "Sweet Transvestite" aus der "Rocky Horror Show" in einer interessanten Version vortragen.

Für Freunde des Musicals sowie Fans von Pia Douwes und Uwe Kröger beschert diese Tour einen tollen, sehr unterhaltsamen Abend - mit Pause 160 Minuten lang und mit Standing Ovations gefeiert. Pia ist auch mit 53 Jahren noch in toller Form, und auch Uwe weiß trotz vereinzelter kleiner stimmlicher Wackler noch zu überzeugen. Zusammen mit den weiteren Musikern gestalten sie das Ganze prima und man wird bestens unterhalten. Lediglich die abschließende Zugabe "Time Of My Life" aus "Dirty Dancing" hätte man sich anders gewünscht, hier sang Uwe doch ziemlich lustlos, da hätte zur Krönung noch einmal eine Nummer aus "Elisabeth" besser gepasst, selbst als Wiederholung.



Die gesamten Daten der Tournee:

09.01.2018, 20 Uhr - Essen, Colosseum Theater
11.01.2018, 20 Uhr - Leipzig, Gewandhaus zu Leipzig
14.01.2018, 20 Uhr - Hamburg, Laeiszhalle
15.01.2018, 20 Uhr - Berlin, Friedrichstadt-Palast
20.01.2018, 20 Uhr - Dresden, Konzertsaal im Kulturpalast
22.01.2018, 20 Uhr - Stuttgart, Palladium Theater
23.01.2018, 20 Uhr - Duisburg, Theater am Marientor
24.01.2018, 20 Uhr - Düsseldorf, Capitol Theater Düsseldorf
25.01.2018, 20 Uhr - Frankfurt am Main, Alte Oper - Großer Saal
29.01.2018, 20 Uhr - Köln, Musical Dome

Eintrittskarten sind erhältlich an allen bekannten Vorverkaufsstellen, oder telefonisch unter der Semmel Concerts Ticket-Hotline 01806-570099 (Festnetz 20 Cent/Anruf, Mobilfunk 60 Cent/Anruf), sowie im Internet auf www.semmel.de.

Mehr zur Tour gibt es hier auf der Website von Semmel Concerts.

(Tobi)