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(13. August 2016)



Das Stage Operettenhaus ist eines der renommiertesten Musical-Theater Deutschlands. Mit seiner Lage direkt an der Hamburger Reeperbahn bietet es ausreichend Möglichkeiten, sich auch vor und nach dem Musicalbesuch noch gut unterhalten zu lassen, oder gastronomischen Genüssen zu fröhnen. Im Theater fühlt man sich wohl. Die Sitze bieten ausreichend Beinfreiheit, und auch der Sound ist hier gut.



"Liebe stirbt nie" weiß trotz der vielen Vorab-Zweifel um seine Entstehung zu überzeugen und zu gefallen, auch wenn es im Endeffekt nicht ganz die bombastische Klasse des Vorgängers besitzt, die aber auch nur selten erreicht werden dürfte. Die lange und akribische Arbeit an "Liebe stirbt nie" hat sich aber in jedem Fall gelohnt, bis auf den kitschigen Titel des Musicals - welches eigentlich zuerst "Phantom: Once Upon Another Time" heißen sollte - gibt es kaum etwas zu bemängeln. Im Gegenteil, das Musical knüpft gut an den Vorgänger an, die Handlung weiß im Endeffekt durchaus zu überzeugen, und die Musik ist eine Mischung aus einigen Perlen und immer noch ansprechenden Stücken, die mehr sind als Füller.



Im Gegensatz zur "Love Never Dies" Doppel-CD aus dem Jahr 2010 wurde die Reihenfolge inzwischen etwas umgestellt. Während es eigentlich im Gegensatz zu "Das Phantom der Oper" gemächlich mit dem "Coney Island Walzer" los ging, der stimmungsvoll und zum Freizeitpark-Ambiente passend einige neue musikalische Themen vorgibt, aber auch zurück blickt, steht nun doch direkt wieder das Phantom im Mittelpunkt. Dessen Auftritte sind wieder mit der richtigen Dramatik gespickt, zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit wechselnd - musikalisch einfach nur klasse umgesetzt, besonders im nun eröffnenden, sehnsuchtsvollen "So sehr fehlt mir dein Gesang". Generell ist es Webber gut gelungen, einige Elemente aus dem Vorgänger mit aufzugreifen, allerdings so eingebunden, dass sie nicht zu plakativ wiederverwendet werden. Das fröhliche Phantasma bietet die Grundlage für einige beschwingte Stücke, generell aber bietet Webber wieder ein schön klassisches Musical, welches an den Vorgänger anknüpfend teilweise dann natürlich auch wieder in Richtung Operette geht, wenn es um Christines Gesangsaufführungen geht. Deren hoffnungsvolle Ankunft und Raouls Unlust auf New York sind passend intoniert, gefolgt von "In rabenschwarzer Nacht" als Begegnung Christines mit dem Phantom und Rückblick auf alte, vergangene, für sie längst abgeschlossene Zeiten. Später begreift auch Raoul, mit wem er es zu tun hat ("Unser Wiedersehen") - und das Phantom fragt sich, ob es nicht vielleicht der Vater des musikalischen Gustave sei ("Wie schön"). Auffallendstes Stück des ersten Akts ist "Wo die Schönheit sich verbirgt", bei dem das Phantom sich Gustave offenbart - musikalisch rockend umgesetzt, was zuerst unpassend wirkt, sich aber dann doch gut einpasst und als geschickt gesetzer Aufrüttler kurz vor der Pause erschließt. Der Akt schließt mit Christines Bestätigung gegenüber dem Phantom, dass Gustave tatsächlich sein Sohn ist ("Das Phantom stellt Christine zur Rede").



Im Gegensatz zu unzähligen Musicals, bei denen der zweite Akt klar abfällt gegenüber dem ersten, wird die Klasse hier nicht nur gehalten, man findet sogar noch mehr Highlights. Eröffnet wird Akt 2 von einer starken, instrumentalen Zusammenfassung musikalischer Themen des ersten Akts ("Entr'acte"). Ohne zu viel auf die weitere Handlung einzugehen, da diese ja für die Besucher spannend bleiben soll, die das Musical erst noch sehen, müssen Raouls nachdenkliches "Welchen Grund hat sie?", das Phantom-Raoul-Wort-Duell "Wer verliert, geht unter", Christines Auftritts-Überdenkung "Vor der Vorstellung" und das namensgebende "Liebe stirbt nie" allesamt als Höhepunkte erwähnt werden. Der zweite Akt ist sehr dramatisch, und Gefühle wie Selbstzweifel, Neid, Eifersucht, Hass sowie natürlich Liebe werden musikalisch sehr gut umgesetzt.



Andrew Lloyd Webber bleibt der König des Musicals. Seine tolle Musik - vom Felix Löwy dirigierten Orchester bestens gespielt - wird von einem spektakulären Bühnenbild begleitet, welches einen bunt, verziert und aufregend in die Welt von Phantasma mitnimmt. Die Darsteller sind allesamt gut, das Ensemble bietet auch einige starke Choreografien, teilweise in farbenfrohen Kostümen agierend. Wir sahen zwar "nur" die Zweitbesetzungen Robert Meyer als Phantom und Jazmin Gorsline als Christine, beide konnten aber überzeugen, ebenso wie Yngve Gasoy-Romdal als Raoul und der kleine Maxi als Gustave, der seine Sache sehr gut machte. Dem, der das Musical noch nicht gesehen haben sollte, können wir es bedenkenlos empfehlen.

(Tobi)