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(17. April 2003)

Die Neue Flora weiß als Musicaltheater immer wieder zu erfreuen, da man hier durch die steilen Ränge überall gute Sicht hat, und auch die Akustik gibt keinen Anlass zu Beschwerden - was ja nicht in jeder Spielstätte so ist. Nachdem "Mozart!" ja leider abgesetzt wurde, ist nun die Geschichte der "Titanic" zu sehen. Zum Glück basiert das Musical auf den wahren Ereignissen und nicht auf dem Erfolgsfilm, der sicher auch genug Stoff geliefert hätte, vor allem für schmalztriefende Balladen. Einige zusätzliche Elemente gibt es zwar, die Großzahl der Handelnden aber waren wirklich auf dem Schiff.


Kate McGowan (Jasmin Madwar), Jim Farrell (Marius Sverrisson)

Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet worden. Die Standesunterschiede zwischen der noblen, hofierten ersten Klasse, der bewundernden, eher unspektakulären Mittelklasse und den fröhlichen, irischen Aussiedlern mit Hoffnungen auf eine rosige Zukunft in den Staaten werden gut dargestellt. Auch die Charaktere der Hauptpersonen sind deutlich gezeichnet, wobei es wirkliche Hauptdarsteller gar nicht gibt. Michael Flöth als freundlicher Kapitän Smith, Jens Janke als passionierter Funker Harold Bride, Carsten Lepper als Schiffserbauer Thomas Andrews, Patrick Stanke als Heizer Frederick Barrett, Léon van Leeuwenberg als Stuart Henry Etches, Iris Schumacher als Mrs. Beane und Jasmin Madwar als Kate McGowan haben die wichtigsten Parts, agieren und singen gut. Robin Brosch spielt den eigentlichen Schuldigen am Unglück, J. Bruce Ismay, so überzeugend, dass sich bei ihm zum Schlussapplaus auch Buh-Rufe gesellen, die er anscheinend gewohnt ist, da er sie mit einem Lächeln nimmt.


Heizer Frederick Barrett (Patrick Stanke)

Die Handlung des Musicals wechselt leider etwas zwischen interessanten und langweiligeren Szenen, packt einen nicht durchgehend. Das Einschiffen hat seine Längen, und auch gegen Ende scheint das Ganze etwas hingezogen. Sehr gut ausgearbeitet wurde die Frage nach der Ursache des Unglücks, das Zusammenwirken mehrerer unglücklicher Faktoren. Der Übersetzung des Textes ist recht gut gelungen, aber an einigen wenigen Stellen auch etwas hölzern. Die Kulissen sind gut, die verschiedenen Winkel des Schiffs sind ansprechend dargestellt. Die Anfangsszene ist ebenfalls gut - man sieht das Schiff nicht, trotzdem wird einem vermittelt, wie majestätisch groß es im Hafen liegt. Das Sinken des Schiffs wird mit immer schrägerer Bühne prima in die Neue Flora gezaubert. Auch die Kostüme sind gelungen.


Ragtime

Die Musik weiß zu gefallen. Die Mischung aus klassischen Musical-Stücken und vielen Chorpassagen ist gut, und die Ausflüge in Irish Folk bei einer Szene der dritten Klasse und Ragtime bei einer Party an Bord sind sehr stimmungsvoll. Das für die Hamburger Inszenierung neu hinzu gekommene Stück "3 Tage" passt sich prima ein, ist aber keines der in Erinnerung bleibenden Lieder. Einen richtigen Highlight-Song gibt es bei "Titanic" nicht. "Der Heiratsantrag" von Heizer Barrett hat das Potenzial, wird aber durch die Passagen des Funkers leider entkräftet, auch wenn die Idee gut ist, zwei verschiedene Themen gegeneinander zu stellen. Auch "Kein Mond", ein eigentlich wunderschönes Stück, kommt durch unterbrechende Sprechpassagen nicht zur vollen Entfaltung. "In Amerika" weiß zu gefallen, auch einige Passagen des Einschiffens sind klasse, und das Finale ist spektakulär. Die musikalischen Hauptthemen hätten vielleicht noch mehr betont werden können, sind sie doch sehr gut. Schöne Musik hat das Stück in jedem Fall.


Schuldfrage


Fazit: Im Vergleich zum Vorgänger "Mozart!" fällt das Musical insgesamt etwas ab, da es nicht durchgängig mitreißend ist, aber für sich alleine stehend ist "Titanic" durchaus einen Besuch wert.

(Karo)

Copyright für die Fotos:
TITANIC - Das Musical
Foto: Brinkhoff/Mögenburg
Rechte: STAGE HOLDING GmbH