1. MAI
Darsteller:  Cemal Subasi, Benjamin Höppner, Jacob Matschenz, Ludwig Trepte
Regie:  Sven Taddicken, Jakob Ziemnicki, Carsten Ludwig, Jan-Christoph Glaser
Dauer:  95 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.erstermai-derfilm.de
 

Drei Episoden von verschiedenen Regisseuren, zusammengefügt zu einem Spielfilm mit den einzigen Vorgaben, dass jede von ihnen am Morgen des 1. Mai beginnen, am Morgen des nächsten Tages im Berliner Urban-Krankenhaus enden und zumindest ein Teil der Handlung am Rande der Berlin-Kreuzberger „Feierlichkeiten“ zum 1. Mai verlaufen soll – bei soviel interpretatorischer Freiheit drängt sich natürlich die Frage auf, wie das zusammenpassen kann.

Aber genauso schnell wie sich einem diese Frage stellte, wird sie auch schon beantwortet, denn die drei Handlungsstränge passen hervorragend ineinander, und das, obwohl sie eigentlich nichts miteinander zu tun haben und bei ihrer chronologischen Anordnung fast wild hin- und hergesprungen wird. Die Stile der Regisseure unterscheiden sich jedoch nur marginal, alle bevorzugen eine Handkamera, die immer dicht bei den Charakteren bleibt, so dass die Episoden nahezu unbemerkt ineinander übergehen.

Da ist zum einen der Polizist Uwe (Benjamin Höppner), der aus dem Brandenburgischen nach Kreuzberg abberufen wird und seine häuslichen Probleme unter seiner Uniform den ganzen Tag mit sich herumschleppt. Auf die blöden Bemerkungen seiner Kollegen könnte er dabei genauso gut verzichten wie auf den Besuch in einem polizeifreundlichen Puff an der Ecke, der eigentlich als Druckbegrenzungsventil gedacht war, mit dem seine Probleme aber erst richtig anfangen.

Der Ausflug der beiden halbstarken Krawalltouristen Jacob (Jacob Matschenz) und Pelle (Ludwig Trepte) von ihrem westdeutschen Kaff nach Berlin dagegen dient einzig und allein dem Zweck, dem langweiligen Kleinstadtleben für einen Tag zu entkommen, um in der großen Stadt mal so richtig die Sau raus zu lassen. Dass sie dabei so manche Enttäuschung erleben müssen, und bei immer wieder hineingeschnittenen, pseudo-dokumentarischen Aufzeichnungen von Jacobs Camcorder überaus unangenehme Dinge zutage treten, ist der Dramaturgie sicherlich nur förderlich.

Bleibt also noch die Erfahrung des elfjährigen Türken Yavuz (Cemal Subasi), der in seinem Kiez nicht für voll genommen wird, ganz traditionell der Befehlsempfänger seines großen Bruders ist und jetzt endlich die Anerkennung erlangen will, die ihn zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft macht. Dies führt ihn mit dem eher friedlichen Altlinken Harry (Peter Kurth) zusammen, der ihn für seine Sache begeistern will, aber Yavuz‘ jugendlichen Zorn deutlich unterschätzt.

Jede der Episoden einzeln betrachtet ist eigentlich schon einen eigenen Film wert, erzählen sie doch die Geschichte der Protagonisten mit einer Tiefe, die einen deren Schicksal intensiv miterleben lässt. Dass sie am Ende in der Notaufnahme eines Krankenhauses sogar zusammengeführt werden, sorgt nur noch für den passenden Ausklang eines Films, der einen hineinsaugt in den Berliner 1. Mai.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)