8 Mile



D: Eminem, Kim Basinger, Brittany Murphy, R: Curtis Hanson, 111 Min.

Plötzlich ist es totenstill. So bedrückend still an einem Ort, der so gar nicht zu dieser Ruhe passen will. Gerade eben noch brodelte es im Hip-Hop-Club, der wie immer rappelvoll ist, wenn Freestyle-Battle angesagt ist. Doch jetzt steht er da auf der Bühne, der schmächtige Jimmy (Eminem) als einziger Weißer unter all den Schwarzen und soll sein einzigartiges Talent unter Beweis stellen. Alle Augen sind erwartungsvoll auf ihn gerichtet, endlich hat er die Chance, sich vor größerem Publikum zu präsentieren, aber die Worte wollen ihm einfach nicht über die Lippen kommen, bleiben ihm einfach im Halse stecken.

Schon die Anfangsszene beschreibt die Situation hervorragend, in der sich viele wie Jimmy, von allen nur Rabbit genannt, befinden. Aufgewachsen in den Armenvierteln Detroits jenseits der "8 Mile Road", der Demarkationslinie zwischen arm und reich, ist Hip-Hop ihr Leben und die einzige Chance aus den Slums heraus zu kommen. Doch nur wenige sind mit so einem Talent gesegnet wie Jimmy, aus dem die Reime bei Bedarf nur so heraussprudeln. Noch aber hat außer seinen Freunden, allen voran Future (Mekhi Phifer), niemand seine außergewöhnliche Begabung entdeckt und so muss auch er sich mit den normalen Problemen jenseits der "8 Mile" herumschlagen. Gerade bei seiner Freundin rausgeflogen zieht er wieder zu seiner alkoholabhängigen Mutter (wunderbar rotzig: Kim Basinger), die sich mit ihrer kleinen Tochter in einem Wohncontainer von ihrem gewalttätigen Freund aushalten lässt. Da sind die Auseinandersetzungen vorprogrammiert, denn Jimmy will natürlich, dass seine Mutter und vor allem seine Schwester ein besseres Leben haben als es sich ihnen jetzt bietet. So arbeitet er so oft er kann an der Blechpresse, um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen und kritzelt seine Rap-Texte bei jeder Gelegenheit auf irgendweche Papierschnipsel oder sogar auf seine Hand, immer von der großen Chance eines Auftritts träumend.

Wenn man meint, hier kommt mal wieder so ein unbedeutendes Filmchen daher, das nur die Eminem-Vermarktungsmaschine so richtig auf Hochtouren bringen soll, tut man ihm Unrecht, denn Curtis Hanson ("L.A. Confidential") ist hier ein durchaus respektables Gesellschaftsdrama gelungen. Er versteht es, mit viel Einfühlungsvermögen anhand von Jimmys Einzelschicksal die Probleme der jungen Generation in amerikanischen Großstädten darzustellen und dabei hervorragend zu unterhalten. Eminem kommt hier bei seinem Schauspieldebut die dankbare Aufgabe zu, sich mit Jimmy weitgehend selbst zu spielen, weil sich ihre Lebensläufe doch großenteils decken. Allerdings agiert er vor der Kamera so natürlich und ausdrucksstark, dass man angesichts dieser Präsenz die schauspielerische Leistung einfach anerkennen muss. Immer wieder wird die Handlung geschickt mit seinen Freestyles verwoben, die er ja wirklich drauf hat, auch wenn sie hier nicht improvisiert worden sein sollten, was man ihnen aber in keinem Fall anmerkt. Auch sind die Eminem-Stücke erfreulich unaufdringlich in die Musik integriert, so dass man sich den Film getrost anschauen kann, ohne dass man sich nachher ärgern muss, und man wird feststellen, dass Eminem nichts von seiner Glaubwürdigkeit verloren hat.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Miguel)