A GHOST STORY
Darsteller:  Casey Affleck, Rooney Mara, Will Oldham, Rob Zabrecky
Regie:  David Lowery
Dauer:  93 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  upig.de/micro/a-ghost-story
Facebook:  facebook.com/UniversalPicturesDE
 

Nach seinem sicherlich lukrativen Abstecher nach Disneyland ("Elliot, der Drache") widmet sich Regisseur und Drehbuchautor David Lowery jetzt wieder ganz dem Independent-Kerngeschäft und vertraut dabei der Besetzung, die schon bei seinem Outlaw-Liebesdrama "The Saints - Sie kannten kein Gesetz" für Aufsehen sorgte. Genauso wie dort, wo er ja schon auf überaus ruhige Einstellungen statt auf satte Action setzte und lieber Bilder und die Nahaufnahmen der Schauspieler sprechen ließ, wird die Geduld aber auch hier erst einmal wieder auf eine gewaltige Probe gestellt.

So dürfen wir Zeuge davon werden, wie sich in die Auseinandersetzung des jungen Paares M (Rooney Mara) und C (Casey Affleck) um einen möglichen Umzug nächtens offensichtlich übernatürliche Kräfte einmischen, worauf C bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Das wirft M ziemlich aus der Bahn, während C fortan als Geist die Rolle des von keinem wahrgenommenen Beobachters einnimmt.

Dass man zunächst mit minutenlangen Sequenzen von Ms Trauerverarbeitung und dem wie aus dem Bilderbuch mit einem Bettlaken versehenen, wandelnden C konfrontiert wird, ist wirklich stark gewöhnungsbedürftig. Hat man sich aber erstmal darauf eingelassen, sich den Gedankengängen des betrachtenden Geistes annähern zu wollen, die ja niemals offen mitgeteilt werden, entwickelt das mit der Zeit schon einen gewissen Reiz. Als den Verlust langsam überwindende M spielt sich dabei obendrein Rooney Mara die Seele aus dem Leib, lässt uns Cs Motivation erahnen, die Casey Affleck mit übergeworfenem Laken - so er denn überhaupt drunter gesteckt hat - ja kaum transportieren kann.

Nach und nach machen wir zusammen mit C, dessen Geist in irgendeiner Form an das Haus gebunden zu sein scheint, Bekanntschaft mit den wechselnden Bewohnern, versuchen Cs Reaktionen nachzuvollziehen und suchen so ganz nebenbei nach der tieferen Botschaft der Geschichte. Allein diese Beschäftigung mit der spirituellen Welt hält den an Handlung ansonsten ziemlich armen Streifen über Wasser und verhindert die sonst so leichtfertig vorgenommene Einordnung in die Schublade "Experimentalfilm". Für mehr aber reicht es trotz Maras anerkennenswerter schauspielerischer Leistung nicht, denn die enormen Längen vermag auch die unbestritten vorhandene intellektuelle Anregung nicht zu kaschieren, selbst wenn man für sich persönlich auf der Suche nach der Moral am Ende fündig wird.



Wertung: 5 von 10 Punkten

(Mick)