ALLES IST LIEBE
Darsteller:  Heike Makatsch, Nora Tschirner, Wotan Wilke Möhring, Christian Ulmen
Regie:  Marcus Goller
Dauer:  120 Minuten
FSK:  freigegeben ohne Altersbeschränkung
Website:  allesistliebe-film.de
 

Spätestens wenn die letzten Blätter von den Bäumen fallen, ertönt alljährlich der Startschuss für die Saison der Weihnachtsfilme. Diese haben tunlichst einige Basiskriterien zu erfüllen: Sie sind familientauglich, lassen unangenehme Themen weitestgehend außen vor, befassen sich dafür idealerweise mit dem großen Fest und hinterlassen ein mehr oder weniger nachhaltiges Gefühl des Wohlbefindens. Genau daran versucht sich dann hier auch Regisseur Marcus Goller („Friendship!“, „Frau Ella“) und schickt dabei in einem bunten Reigen verschiedener Handlungsstränge ein überaus renommiertes Schauspielerensemble ins Rennen.

Da ist der verzweifelte Ehemann (Wotan Wilke Möhring), der nach einem überflüssigen Seitensprung seine Frau (Heike Makatsch) wiedergewinnen will, der vor die Hunde gekommene Mittsechziger (Elmar Wepper), der sich endlich seiner familiären Vergangenheit stellt, die enttäuschte junge Frau (Nora Tschirner), die unversehens ihre große Liebe (Tom Beck) wiedertrifft, der treusorgende Familienvater (Fahri Yardim), der pünktlich zum Fest um die finanzielle Existenz fürchten muss und nicht zuletzt – auch zu Weihnachten darf ein wenig political correctness schon sein – das schwule Pärchen (Christian Ulmen, Friedrich Mücke), das nach geplatzter Hochzeit um die Beziehung kämpft. Das ist alles gut gemeint, aber aus geradezu jeder Pore strömt einem Richard Curtis' wunderbarer „Tatsächlich...Liebe“ entgegen, gegen den der Film einfach nur verlieren kann. Ob nun gewollt oder nicht schafft sich Goller mit seiner episodenhaften Erzählstruktur übermächtige Vergleichswerte, mit denen er unweigerlich in Konkurrenz tritt, und das ist das große Problem des Streifens.

Nimmt man jede Episode für sich, ist das Bemühen der Darsteller um Authentizität trotz teilweise doch sehr konstruiertem Handlungsverlauf und bonbonfarbener Inszenierung von bemerkenswertem Erfolg gekrönt und vermag streckenweise durchaus Mitgefühl zu erzeugen. Aber beim Verweben der Stränge, das in „Tatsächlich...Liebe“ so scheinbar schwerelos vonstatten ging, bleibt dann leider ein Gutteil dessen auf der Strecke, so spröde und unglaubwürdig kommt einem das Zusammenfügen zum Gesamtwerk vor. Dagegen anzuspielen ist wirklich eine undankbare Aufgabe, die so mancher jedoch mit Bravour meistert – erwähnt seien hier Wepper, der seinen krisengeschüttelten Martin wunderschön grantelnd gibt und Möhring, dem man das Leid jederzeit abnimmt – und seiner Figur damit die nötige Tiefe gibt.

Insgesamt aber wäre weniger vielleicht mehr gewesen: weniger pompöse Ausstattung, weniger Handlungsstränge, weniger unwahrscheinliche Zufälle und vor allem weniger künstlicher Druck auf die Tränendrüse. So bleibt es beim viel zu oberflächlichen Versuch, dem Kino pünktlich zur Adventszeit ein berührendes Stück hinzuzufügen, der nie an seinen englischen Vorgänger heranreicht.



Wertung: 4 von 10 Punkten

(Mick)