ALLIED - VERTRAUTE FREMDE
Darsteller:  Marion Cotillard, Brad Pitt, Jared Harris, Simon McBurney
Regie:  Robert Zemeckis
Dauer:  124 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.allied-derfilm.de
 

Casablanca 1942 - der kanadische Luftwaffen-Agent Max Vatan (Brad Pitt) wird mit dem Auftrag über der Wüste abgesetzt, den deutschen Botschafter zu töten. Für die bessere Durchführung und noch dazu mit bester Ortskenntnis ausgestattet wird ihm für dieses Unterfangen die attraktive französische Widerstandskämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) zur Seite gestellt, die nach Zerschlagung ihrer Gruppe in Paris nun schon geraume Zeit in Marokko gegen die Deutschen arbeitet.

Ein Plot, der geradezu nach einer Liebesgeschichte schreit, umso mehr, da die beiden in der Öffentlichkeit den Schein des turtelnden Ehepaars zu wahren haben und schon dadurch die körperliche Nähe vorgegeben ist. Geschieht dies anfangs noch unter dem zarten Vorwand der Notwendigkeit, so weicht dieser sehr bald größter Freiwilligkeit. Doch der Film hat außer dieser etwas spröden Liebelei, die zugegebenermaßen das Knistern weitgehend vermissen lässt, weitaus mehr zu bieten. Denn die beiden Verschwörer laufen auf ihrer Mission jederzeit Gefahr aufzufliegen und ihrerseits ermordet zu werden, und das inszeniert der alte Regie-Haudegen Robert Zemeckis einfach fabelhaft. Was in Afrika geschieht, ist dabei schon fast mit den einschlägigen Werken Hitchcocks zu vergleichen, aber so richtig in Fahrt kommt der Film dann erst nach erfolgreich ausgeführtem Auftrag und der Rückkehr nach London.

Inzwischen eingerichtet in ihrem weit weniger aufregenden bürgerlichen Leben inklusive Kind, in dem ausschließlich Max noch seiner geheimdienstlichen Tätigkeit nachgeht, kommt der Einschlag völlig unvermittelt. Von einem Moment auf den anderen gerät die heile Welt aus den Fugen, ist der Feind nicht mehr weit entfernt sondern der vertrauteste Mensch der Welt. Einmal mit dem Spionageverdacht seiner Frau konfrontiert, weiß Max bald nicht mehr, was er überhaupt noch glauben kann. Und wir mit ihm, nur allzu nachvollziehbar ist seine Orientierungslosigkeit angesichts des Vorwurfs des größtmöglichen Vertrauensmissbrauchs. Das ist einfach großartig gespielt, denn hat man während der Marokko-Episode noch so seine Zweifel an der Authentizität der Liebesgeschichte gehabt, so zerstreut Pitt diese nun mit seiner Zerrissenheit auf eindrucksvolle Weise. Dabei spielt ihm das von Steven Knight genial verfasste Drehbuch in die Karten, das nun das ganze Potenzial falscher Fährten ausnutzt und einen hinter jeder Geste einen versteckten Hinweis vermuten lässt.

Wie aber Pitt und Cotillard das transportieren, ist schon außergewöhnlich und trotz überschaubaren technischen Spektakels hoch spannend. Dass sich dieser Spannungsbogen bis zum Showdown hält, rechtfertigt allein den Vergleich mit dem Großmeister Alfred Hitchcock, dessen Filmen der Streifen wirklich in nichts nachsteht.



Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)