An deiner Seite

D: Bruce Willis, Michelle Pfeiffer, Rob Reiner, R: Rob Reiner, 94 Min.

So eine Ehe ist schon nicht immer einfach, und nicht zuletzt die Scheidungsrate belegt, dass sie oftmals nicht hält, "bis dass der Tod uns scheidet", sondern aus verschiedenen Gründen vorher schon beendet wird, ganz zu schweigen von vielen Gemeinschaften, die zwar auf dem Papier noch als Ehe gelten, aber längst in der Krise stecken. Mit einer solchen haben auch Ben (Bruce Willis) und Katie (Michelle Pfeiffer) zu kämpfen, früher mal ein glückliches Paar, wie Rückblenden uns verraten. Heute, nach 15 Ehejahren, sind die Eltern von Erin und Josh längst nicht mehr glücklich, zu sehr haben sie sich entzweit.

"An deiner Seite" macht gut deutlich, wie Streits entstehen und sich entwickeln. An Kleinigkeiten zieht man sich hoch, an unwichtigen Dingen oder an Sätzen, die der Partner nicht so gemeint hat, wie man sie versteht bzw. verstehen will in dieser Situation. So werden kleine Wieder-Annäherungen urplötzlich zu frustrierenden Erlebnissen, wenn durch ein falsches Wort oder eine falsche Geste alle Hoffnungen zerschlagen werden. So nimmt man es persönlich, wenn beim Tischtennis ein Schmetterball des Partners auf der eigenen Bluse landet. So lässt man keine noch so kleine Möglichkeit aus, etwas zu entdecken, was der Partner früher sicher anders gemacht hätte. In diesem Film werden die Situationen allerdings tragikomisch dargestellt, so dass man viel zu Lachen oder Schmunzeln hat, wohl auch weil man sich selbst das eine um's andere Mal wieder erkennt.

Ben ist Schriftsteller, phantasievoll, humorvoll und auch romantisch. In Katies Augen lebt er abseits der Realität und sieht die Welt so, wie er sie sich wünscht, nicht so, wie sie ist. Katie, die beruflich Kreuzworträtsel entwirft, ist ein ordnungsliebender Mensch, zuverlässig, penibel und konsequent. In Bens Augen nimmt sie der Beziehung mit ihrem Wesen das Flair. Den Kindern gegenüber spielen sie zwar noch die glücklichen Mami und Papi vor, aber sobald sie alleine sind, wissen sie nichts mit sich anzufangen und gehen getrennte Wege.

Als die Kiddies in den Sommerferien wie jedes Jahr ins Ferienlager fahren, vollziehen Ben und Katie wie abgesprochen eine Trennung auf Zeit. Ben zieht nach einem letzten, gescheiterten Versöhnungsangebot an Katie ins Hotel. Ihre Freunde beziehen sie noch nicht in die Geschehnisse ein, und so ist es wie immer - Ben unterhält sich mit Stan (Rob Reiner) und seinem Agenten Dave (Paul Reiser) über Frauen, Katie mit Stans Frau Rachel (Rita Wilson) und ihrer Freundin Liza (Julie Hagerty) über verlorene Lust am Sex und Flirts mit anderen Männern, in Katies Welt nicht vorstellbar. Abends dann liegen Ben und Katie allein in ihrem Bett, denken an alte Zeiten und telefonieren manchmal unter fadenscheinigem Anlass miteinander.

Die Balance zwischen immer noch vorhandener Zuneigung für den (Ex-)Partner und Unverständnis über seine heutige Verhaltensweise wird prima dargstellt, die Niederschmetterung von aufkeimenden Hoffnungen, auch die Maske des Wohlergehens gegenüber der Umwelt. Auch wenn es Bens Vorstellungen entsprechen würde, als Paar für immer glücklich gemeinsam zu leben und auch zu sterben, bei Katie und ihm scheint alle Hoffnung vergebens, zu sehr haben sie sich entzweit, oder etwa nicht?

Wie gesagt schafft es Rob Reiner, der in seiner Nebenrolle als Stan ebenso überzeugt wie Bruce Willis und Michelle Pfeiffer, die Problematik trotz aller scheinenden Ausweglosigkeit mit einem zwinkernden Auge darzustellen, durch witzige Dialoge ebenso wie durch einfache Darstellung dieser Nichtigkeiten, aus denen Konflikte werden. Ein Film, der schon recht nah an der Realität gebaut ist, da irreale Übertreibungen in gewollter Lacher-muss-her-Manier ausbleiben. "An deiner Seite" ist gelungen und man bereut es nicht, den Streifen gesehen zu haben.

Wertung: 7 von 10 Punkten

(Tobi)