THE ARTIST
Darsteller:  Jean Dujardin, Bérénice Bejo, John Goodman, James Cromwell
Regie:  Michel Hazanavicius
Dauer:  100 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.theartist-derfilm.de
 

Der Film hat ja durch seine Außergewöhnlichkeit schon im Vorfeld einiges an Gesprächsstoff erzeugt und sorgte auch unlängst bei den Golden Globes für reichlich Furore. Und es steht unbestritten fest: absolut zurecht. Es ist schon der Wahnsinn, wie es Regisseur und Ensemble fertigbringen, derart intensive Emotionen zu transportieren und einen so von der ersten Minute an mitnehmen auf eine wundervolle Zeitreise.

Es geht nach Hollywood in die 20er Jahre, das signalisiert schon der im damalig zeitgenössischen Stil gehaltene Vorspann, in denen unser Protagonist George Valentin (Jean Dujardin) kometenhaft zum Megastar des Stummfilmkinos aufsteigt. Passend dazu ist der Streifen dann auch als Stummfilm mit gelegentlichen Texteinschüben und passend dazu selbstverständlich in Schwarzweiß produziert. Das ist durchaus ungewohnt, verwirrt aber tatsächlich nur einige Augenblicke, und was dann kommt, ist die pure Überraschung darüber, wieviel Potenzial doch der Stummfilm in sich birgt.

Denn die Schauspieler und besonders auch die ausgewogene Orchestrierung, für die sich Ludovic Bource an dieser Stelle eine explizite Erwähnung verdient hat, nehmen einen mit ihrer enormen Präsenz sofort an die Hand und zeigen einem, wie der smarte George, von seinem Produzenten Zimmer (John Goodman) gepusht, binnen kürzester Zeit zum absoluten Frauenschwarm und gefeierten Schauspieler Hollywoods wird. Dabei macht er, einem kleinen Flirt niemals abgeneigt, zufällig die Bekanntschaft seiner schönen Bewunderin Peppy Miller (Bérénice Bejo), die ihrerseits eine Filmkarriere anstrebt. Von der Regenbogenpresse über Nacht zu seiner Affäre gemacht, ist ihr so das Sprungbrett bei zweifellos vorhandenem Talent schnell errichtet. Dass nach ihrem genauso raschen Aufstieg in Hollywood dann ihre beiden Wege schnell auseinander laufen, ist einerseits ihrer Konkurrenz um die uneingeschränkte Superstar-Krone geschuldet, wird aber andererseits auch von Georges überaus eifersüchtiger Ehefrau (Penelope Ann Miller) deutlich forciert. Das gibt einem nicht nur einen nachhaltigen Eindruck von den Schwierigkeiten des Starlebens unseres so sympathischen Protagonisten, sondern derartig involviert vergisst man zeitweise sogar darauf zu achten, wie es bloß gelingt, eine solch emotionale Dichte zu erzeugen.

Eine Frage, die man sich von Beginn an wegen des durch die ungewöhnliche Präsentation geweckten Interesses unweigerlich stellt, denn die Mittel sind ja im Vergleich zu anderen Filmen durchaus begrenzt. Und um die Dramaturgie noch zu steigern, folgt Georges rasantem Erfolg mit dem Einzug des Tonfilms, dem er sich rigoros verweigert, sein ebenso steiler Abstieg bis hin zum Existenzverlust – wie besser könnte man sein ganzes Dilemma ausdrücken, als durch einen vertonten Albtraum, in dem er allein stumm bleibt - schöne Idee mit großer Wirkung.

So wird die grundlegende Frage danach, wieviel technologische Entwicklung für einen guten Film eigentlich notwendig ist – nie war sie aktueller als in der derzeitigen Diskussion um 3D und immer aufwändigere Computeranimationen – virtuos in verschiedenen Ebenen bearbeitet. Die Antwort in Ebene eins fällt durch den grandiosen „The Artist“ jedenfalls eindeutig aus, soviel ist sicher.

Wertung: 10 von 10 Punkten

(Mick)