Aufgelegt!

D: Meg Ryan, Walter Matthau, Diane Keaton, Lisa Kudrow, R: Diane Keaton, 94 Min.

Bei "Aufgelegt!" handelt es sich um einen dieser Filme, die ganz nett beginnen, dann aber mehr und mehr verflachen. Eve (Meg Ryan), Georgia (Diane Keaton) und Maddy (Lisa Kudrow) sind Schwestern, aber sehr verschieden. Eve leitet eine kleine Event-Agentur, hat einen lieben Mann (Adam Arkin) plus debil lachenden Sohn (Jesse James) und führt ein hektisches Leben. Georgia ist als Chefredakteurin eines nach ihr benannten Frauenmagazins ein Superstar für Damen in mittlerem und fortgeschrittenen Alter und hetzt von Termin zu Termin. Maddy spielt, mehr schlecht als recht, in einer miesen TV-Serie mit und ärgert sich, dass sie niemals von jemandem auf der Strasse erkannt wird. Ansonsten ist die das etwas flippigere Küken der drei und eilt von einer gescheiterten Beziehung zur nächsten. Soweit eher langweilig, wäre da nicht noch der altersschwache Lou (Walter Matthau), Vater der Mädels, der von seiner Lieblingstochter Eve zu einigen Tests in eine Klinik gebracht wird. Er leidet an Gedächtnisschwund und erzählt ständig aus der Vergangenheit, von seiner Frau, die ihn irgendwann verlassen hat, und von John Wayne, seinem Idol, der ihm einst eine etwa 30cm große Patronennachbildung geschenkt hat. Zwischendurch lässt er kleine Schlüpfrigkeiten nicht aus und pendelt zwischen Lebensfreude und Depression über seinen Zustand hin und her.
Vier Personen, vier verschiedene Orte - es regiere die Handy-Gesellschaft. Lou ruft ständig bei Eve an und möchte etwas bestimmtes bekommen oder mal wieder aus alten Tagen erzählen. Eve telefoniert mit ihren Schwestern hin und her, auch weil sie Georgia als Star eines von ihr organisierten Events haben möchte. Vor allem aber geht es um den alten Vater, um den sich nur Eve wirklich kümmert und von dem sie denkt, er würde jede Sekunde sterben, weswegen sie auch jedes Telefonklingeln aufschreckt. Hier Handy, dort Handy, so geht es in einer Tour. Natürlich bleibt so auch ein kleiner Autounfall für die geplagte Eve nicht aus, als ihr mit dem Telefon an der Backe unaufmerksam im Parkhaus rangiert. Eve ist gestresst, und der Kinozuschauer auch irgendwie. Zu konstruiert wirkt alles, was man sieht. Natürlich hat Maddy auch noch einen riesigen Bernhardiner, der teilweise an Lähmungserscheinungen leidet und den sie, da sie einige Tage drehen muss, bei Eve parkt. Natürlich muss Eves Mann auf eine längere Dienstreise und sie sitzt alleine mit dem Hund und jeder Menge Stress und Sorge am Ohr da. Natürlich verschindet Lou plötzlich aus der Klinik. Fehlt nur noch, dass Georgia zur Präsidentin vorgeschlagen wird, aber soweit geht der Film dann doch nicht.
Der einzige gute Grund, sich diesen Film anzuschauen, heißt Walter Matthau. Der Altstar spielt den greisen, kranken und verschmitzten Vater hervorragend und bereitet einem viel Freude. Die Frauenclique hingegen lässt einen kalt. Meg Ryan wieder mal in einer hektischen, gestressten Rolle, Diane Keaton als solide, berechnende Geschäftsfrau und Lisa Kudrow als unterklassiger Soap-Star - nein, das begeistert einen nicht, das geht eher auf den Wecker. Die Handlung will zwischen Humor und Tragödie balancieren, ihr gelingt dies aber nur in Ansätzen, zu platt und langweilig kommt sie daher. Wäre dies ein Fernsehfilm, so hätte man wohl "Abgeschaltet!".

Wertung: 3 von 10 Punkten

(Tobi)