BADLAND
Darsteller:  Jamie Draven, Grace Fulton, Chandra West, Joe Morton
Regie:  Francesco Lucente
Dauer:  165 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Weblink:  www.badland-derfilm.de
 

Endlich, nach scheinbar unendlich langer Zeit, finden sie die Gelegenheit miteinander zu reden in diesem kleinen Motelzimmer einer Kleinstadt irgendwo im Nichts der USA. Endlich überwindet die kleine Celina (Grace Fulton) diese Mauer des Schweigens, die seit der schrecklichen Tat ihres Vaters Jerry (Jamie Draven) zwischen ihnen steht. So lange schon folgt sie nach ihrem hastigen Aufbruch von zuhause widerspruchslos aus reiner Liebe den Anweisungen ihres Daddys. Dabei ist es so schwer zu verstehen, warum er eines Morgens seine Pistole nahm und nacheinander kaltblütig seine schwangere Frau und seine beiden Söhne erschoss und sie selbst schließlich nach langem Zögern verschonte. Und das, da ist sie sich absolut sicher, wo sie ihn doch alle geliebt hatten, der sich trotz aller Probleme immer um sie gekümmert hatte. Aber, so seine Aussage, das war einfach nicht genug. Mit einem Ausdruck ihres unschuldigen Gesichts, der ihre gesamte Gefühlswelt widerspiegelt – Unverständnis, Angst, Trauer, aber auch tiefe Zuneigung – stellt sie die Frage, die ihr sofort in den Kopf schießt: ist denn ihre Liebe zu ihm genug?

So intensiv, wie diese Szene die Situation von Vater und Tochter beschreibt, schildert der gesamte Film das Schicksal des Irakkrieg-Rückkehrers Jerry, dessen Leben aus einem ständigen Ringen um den Lebensunterhalt für die Familie besteht. Zwischen seinem schlecht bezahlten Aushilfsjob an einer Tankstelle und dem tristen Familienleben in einem Wohnwagen, bei dem Streit mit seiner Frau (Vinessa Shaw) an der Tagesordnung ist, existiert wenig, was seinen Alltag in der Provinz etwas erhellen könnte. Darüberhinaus sind seine kriegsbedingten Beschwerden unübersehbar, neben seinen Alpträumen und Wutanfällen ist auch sein immer wieder plötzlich einsetzendes Nasenbluten ein unschönes Souvenir. Als er eines Tages bemerkt, dass seine Frau dem ohnehin nicht gedeckten, familiären Finanzhaushalt, der regelmäßig Anlass zum Streit bietet, Geld entzieht, brennen nach einer unüberlegten Bemerkung seine Sicherungen durch.

Genauso drastisch und schockierend, wie einem dieses traumatische Ereignis um die Ohren gehauen wird, nimmt einen anschließend der Streifen einfühlsam mit auf die Flucht und den versuchten Neuanfang von Vater und Tochter mit der ständigen Furcht vor Entdeckung. Das liegt vor allem am sensationellen Spiel der beiden Hauptdarsteller Jamie Draven und Grace Fulton, die die Problematik und ihren Umgang damit glaubhaft transportieren. Würde Regisseur Francesco Lucente, der auch das Drehbuch verfasst hat, nicht am Ende auch wieder ein wenig Hoffnung durch die graue Depression scheinen lassen, man würde fast resignieren vor der Ausweglosigkeit, so sehr nimmt einen dieser Film mit. Endlich ein Anti-Irakkrieg-Film, der an Intensität und Stärke kaum zu überbieten ist.

Wertung: 10 von 10 Punkten

(Mick)