Billy Elliot - I Will Dance

D: Jamie Bell, Gary Lewis, Julie Walters, R: Stephen Daldry, 110 Min.

Warum wünschen sich so viele werdende Väter vielleicht doch lieber einen Sohn als eine Tochter? Genau, während Mädels mit Puppen spielen und Reiten wollen, kann man mit Jungs zum Fußball oder Basketball gehen und sie auch gleich einen "anständigen" Sport erlernen lassen - dies nur als überspitzte Einleitung.
Wir schreiben das Jahr 1984. Im Nordwesten Englands dreht sich alles um den Streik der Bergleute und ihren Kampf gegen die Staatsgewalt und die verhassten Streikbrecher, die abgeschirmt in attackierten Bussen zu den Minen gefahren werden. Billy Elliot (Jamie Bell) wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, zusammen mit seinem ebenfalls an der Streikfront aktiven Vater (Gary Lewis) und Bruder (Jamie Draven), sowie seiner alten, gebrechlichen und teilweise verwirrten Großmutter (Jean Heywood) - seine Mutter hingegen ist bereits verstorben. Um ihn stark zu machen, schickt Dad den Jungen jede Woche zum Boxunterricht, wo Billy allerdings eher Kanonenfutter für andere ist, was ihm natürlich den Spaß nimmt. Als aus Platzmangel der Ballettkurs von Mrs. Wilkinson (Julie Walters) in die gleiche Sporthalle Einzug hält, entdeckt Billy seine Leidenschaft für Ballett und investiert die wöchentlichen 50 Pence des Vaters ohne dessen Wissen in Zukunft lieber in diese für Jungs vor Ort untypische Betätigung. Mrs. Wilkinson erkennt bald das Talent des Jungen, als der Vater aber erfährt, dass Billy sportlich gesehen fremd geht, verbietet er ihm das Ballett. Heimlich trainiert Billy weiter und plant, an einer Vorauswahl für eine Ballettschule teilzunehmen, um ein großer Tänzer zu werden.
"Billy Elliot" ist ein Film, dessen Handlung bei weitem breitgefächerter und viel, viel packender ist, als es klingen mag. Der Kampf der Bergleute wird ebenso gut in Szene gesetzt wie Billys Kampf gegen die väterliche Vormundschaft und sich selbst. Hinzu kommen kleine, aber feine Randgeschichten wie Mrs. Wilkinsons Tochter, die sich in Billy verknallt, oder seinen besten Freund Michael, der sich plötzlich in ganz neuem Licht zeigt. Zwischen dramatischen und witzigen Szenen balanciert der Film zielsicher, ohne je an Spannung zu verlieren. Bilder und Dialoge treffen voll ins Schwarze, vor allem aber sind die verschiedenen Charaktere des Streifens großartig ausgearbeitet. Schauspielerisch weiß Jamie Bell zu begeistern, aber auch alle anderen vom verbitterten Vater bis zur verängstigten Großmutter überzeugen voll. Ein sehr guter Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Tobi)