BLACKHAT
Darsteller:  Chris Hemsworth, Viola Davis, Tang Wei, Leehom Wang, Ritchie Coster
Regie:  Michael Mann
Dauer:  133 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Website:  www.blackhat-film.de
 

Es ist alles andere als ein normaler Betriebsunfall, der das Atomkraftwerk in Hong Kong erschüttert. Sogenannte „Schadsoftware“, Programme, geschrieben um in computergesteuerte Prozesse eingreifen zu können, hat die Sicherheitsvorkehrungen des Systems überwunden, die Funktion der Kühlwasserpumpen manipuliert und damit für reichlich Aufregung gesorgt.

Thriller-Legende Michael Mann („Heat“, „Collateral“) setzt mit seinem neuen Werk voll auf die berechtigte Angst vor Cyberterrorismus als Triebfeder. Denn neben der allgegenwärtigen Gefahr real verübter Anschläge wird wohl in Zukunft die Bedrohung durch Hackerangriffe auf öffentliche Einrichtungen immer mehr in den Vordergrund treten, was ja nicht zuletzt der kürzliche Sony-Hack belegt. Und gerade mit dem Gefühl der Machtlosigkeit spielt der Meister schon im Vorspann, der einen zusammen mit Lichtpulsen auf die Datenautobahnen bittet – schwupp, und man ist nur noch ahnungsloser Passagier.

Aber hinter all dem beängstigenden Hokuspokus stecken ja immer noch Menschen, so bleibt zumindest zu hoffen. Hier führt die Analyse der Cyberattacke zu Programmsequenzen, die einst der gerade deswegen einsitzende Nick Hathaway (Chris Hemsworth) verzapft hat. Was liegt also näher, als ihn für die Verfolgung der Hacker zu rekrutieren, zumal College-Kumpel und jetziger Agent in Chinas Verteidigungsabteilung Chen Dawai (Wang Leehom) von einer erfolgreichen Zusammenarbeit felsenfest überzeugt ist. Schnell wird klar, dass nach dem gleichen Muster wie in Hong Kong auch die Chicagoer Börse manipuliert wurde, und schon ist man nach der alten Devise „Follow the money“ dem Schurken Elias Kassar (Ritchie Coster) auf der Spur.

Was aber durch die Einleitung so schön vorbereitet wurde, nämlich mit dem hilflosen Eintauchen in die Grauzone der vernetzten Welt, degeneriert schon bald zum nur allzu realen James-Bond-Plot mit künstlich aufgesetzter Liebesgeschichte - zufällig stellt Dawai Hathaway für die Ermittlungen seine Schwester Lien (Tang Wei) zur Seite, was nicht ohne Folgen bleibt. Mit der Zeit verfängt sich Mann dabei jedoch in immer absurderen Verwicklungen und setzt statt auf Stringenz in der Verfolgung der Handlung mit nicht greifbarem Cyber-Thrill lieber auf handfeste Schusswechsel. Das ist durchaus rasant inszeniert, der tiefere Sinn dahinter allerdings erschließt sich einem nicht immer.

Das, was letztendlich als Spannungsmoment nach all der Action und sinnfreiem Einsatz im verstrahlten Kraftwerk übrig bleibt, ist immerhin die Frage nach der Motivation der bösen Hacker-Truppe für all ihre Aktionen. Doch auch die Antwort ist am Ende schlichtweg eins: enttäuschend.



Wertung: 4 von 10 Punkten

(Mick)