BOB, DER STREUNER
Darsteller:  Luke Treadaway, Ruta Gedmintas, Joanne Froggatt, Anthony Head
Regie:  Roger Spottiswoode
Dauer:  103 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  www.bobderstreuner-film.de
 

Das Buch als großes Werk der Literaturgeschichte zu bezeichnen, wäre wohl, ohne den Autoren zu nahe treten zu wollen, ein wenig übertrieben. Aber verkauft hat sich "A Streetcat Named Bob" wie geschnitten Brot, und Millionen von Lesern können schließlich nicht irren. Denn anrührend ist die Geschichte des Londoner Junkies James Bowen allemal, und das allein rechtfertigt ja schon deren Verfilmung.

Obdachlos am Tiefpunkt seines Lebens angekommen, aber immer noch in der Lage, sich als Straßenmusiker mehr oder weniger über Wasser zu halten, gelingt es Bowen (Luke Treadaway) irgendwie, das Vertrauen seiner Betreuerin (Joanne Froggatt) im Methadonprogramm zu gewinnen. Dass die deswegen ihm eine Wohnung besorgt, soll sich später als emotionaler Wendepunkt erweisen.

Regisseur Roger Spottiswoode ("Under Fire", "The 6th Day") inszeniert das anfangs recht unprätentiös, bemüht sich zwar, die täglichen Mühen und Widrigkeiten des harten Straßenlebens einzufangen, bleibt dabei aber merkwürdig distanziert, als wolle er nicht groß anecken und legt so das gesamte Projekt eher als Feelgood-Movie an. Was haben wir da bei Uli Edel ("Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", 1981) schon für drastische Bilder des Junkie-Daseins zu sehen bekommen, und ein bisschen davon wünscht man sich auch hier, um richtig in die Geschichte eintauchen zu können. Doch Spottiswoodes weichgespülte Herangehensweise erlaubt nun einmal die künstlerische Freiheit, selbst wenn die Kontraste weitgehend auf der Strecke bleiben.

So nimmt man also oben geschilderten Wendepunkt als nicht überaus dramatisch wahr, auch wenn Bowens Biografie Gegenteiliges verrät. Aber Tiere inklusive Niedlichkeitsfaktor ziehen halt irgendwie immer, weswegen der im neuen Zuhause zugelaufene Straßenkater Bob auch ohne ausgeprägte Dramaturgie als neuer Haltepunkt für die nötigen Emotionen sorgt. Einmal als Begleiter beim Musizieren etabliert, ist der bald das Stadtgespräch, und der Rubel kann anfangen zu rollen, da können der Erfolgskurve des Duos die Neider allerhöchstens kleine Knicke zufügen.

Die Liebesgeschichte mit seiner Nachbarin Betty (Ruta Gedmintas) ist da schon eine ganz andere Nummer, unterliegt die doch je nach Vertrauensaufbau starken Schwankungen, die sich auf James fragiles Gemüt auswirken. Das wenigstens weiß Spottiswoode gekonnt zu transportieren und fügt letztendlich nach Umschiffen so mancher Klippe alles zu einem stimmigen, wenn auch ein wenig oberflächlich geratenen Rührstück zusammen.



Wertung: 5 von 10 Punkten

(Mick)