DIE BOXTROLLS
Animation
Regie:  Graham Annable, Anthony Stacchi
Dauer:  96 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.boxtrolls.de
 

Es ist das weit verbreitete System der Diskriminierung von Minderheiten, das schon so manchem totalitären Herrscher zur Macht verhalf beziehungsweise zum Erhalt derselben diente. Gut, dieser Ansatz mag für die Besprechung eines Animationsfilms, dessen Hauptzielgruppe ja nach wie vor die Kinder sind, vielleicht ein wenig zu hoch aufgehängt sein. Nichtsdestotrotz geht der Hintergrund dieses Streifens weit über die Eindimensionalität manches Kinderfilms hinaus, was ihn so natürlich für die älteren Generationen umso sehenswerter macht.

Die Minderheit stellen hier die Boxtrolls, eine Gruppe von kauzigen, in Pappkartons gekleideten Trollen, die in der Kanalisation unterhalb des beschaulichen Städtchens Cheesebridge hausen und sich nur des Nachts an die Oberfläche trauen. Dann allerdings sorgen sie für allerhand Unordnung und lassen sogar das eine oder andere mitgehen, was oben weitgehend Müll darstellt, unten bei ihnen aber durchaus noch Verwendung findet. Ein Verhalten, das sich geradezu sympathisch ausnimmt gemessen daran, welche bösen Gerüchte über sie in der Bevölkerung kursieren.

Und das bildet die Grundlage für eine weitere Lehrstunde zum Thema Propaganda und ihre Folgen: Wurden sie vor einiger Zeit der Entführung eines Babys beschuldigt, so dient dies und die sich seitdem verselbstständigenden Vorurteile ihnen gegenüber dem Schurken Archibald Snatcher und seinen Schergen als Rechtfertigung für deren systematische Verfolgung. Bei ihrer kompletten Ausrottung winkt dem nämlich der Erhalt des langersehnten, prestigeträchtigen weißen Huts, der ihn zum angesehenen Ratsmitglied von Cheesebridge machen würde. Schön aber, dass er die Rechnung ohne das einst verschwundene Baby Eggs und die neugierige Bürgermeister-Tochter Winnie gemacht hat. Die Kinder treffen sich zufällig oben und schmieden schon bald Pläne zur Rettung der Boxtrolls.

Basierend auf dem britischen Kinderbuch „Here Be Monsters!“ von Alan Snow entwickelt sich eine abenteuerliche Geschichte um die großen Themen Unrecht und Zivilcourage, die aber auch die Kleinen nicht überfordert. Dabei bereitet die aufwändige Stop-Motion-Animation besonders durch die vom Mainstream doch um einiges abweichend gestalteten, sorgsam ausgearbeiteten Figuren große Freude und verpackt das wertvolle Lehrstück in eine überaus unterhaltsame, temporeiche Handlung.



Wertung: 7 von 10 Punkten

(Mick)