BRÜNO
Darsteller:  Sacha Baron Cohen
Regie:  Larry Charles
Dauer:  78 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Weblink:  movies.uip.de/bruno
 

Was haben wir uns damals schlapp gelacht, als Sacha Baron Cohen alias Borat aus Kasachstan durch die Staaten geisterte und dabei so manchen unbedarften amerikanischen Bürger böse vorführte. Nun also Brüno – was auch immer die Punkte auf dem „U“ zu bedeuten haben mögen, er selbst nennt sich jedenfalls Bruno ganz ohne „Ü“.

Als gefeuerter, schwuler Moderator des österreichischen TV-Modemagazins „Funkyzeit“ zieht er aus nach L.A., um Österreichs größter Superstar nach Adolf Hitler zu werden. Auch das eine Bemerkung, einfach achtlos hingeworfen, die wohl als Provokation gedacht war, aber in ihrer Wirkung wie so vieles allzu Effekt heischend ist. So verkommt anfangs so manch guter Ansatz zur reinen Slapstick-Einlage, die weder komisch noch besonders einfallsreich ist, und man kaum einmal ins Schmunzeln kommt. Aber eins ist doch erstaunlich: Mit seiner Wandlungsfähigkeit gelingt es Cohen mal wieder, für seinen Brüno eine perfekte Fassade aufzubauen. Wer vorher Ali G. oder Borat gesehen hat, kann kaum glauben, dass dieser blondierte, glattrasierte Schönling ein und dieselbe Person sein soll. Und das darf er auch nicht, soll das Konzept der versteckten Kamera weiterhin funktionieren, schließlich erlangte Cohen mit seinen anderen beiden Figuren erstaunliche internationale Bekanntheit.

Und genau das ist das zweite große Problem des Films. Lag bei Borat schon manchmal der Verdacht nahe, einige Szenen seien gestellt gewesen, kann man hier kaum noch unterscheiden zwischen geschauspielerten und dokumentarisch gedrehten Sequenzen, denn selbst augenscheinlich mit versteckter Kamera aufgenommene Vorgänge wirken doch ziemlich unglaubwürdig.

Dennoch bergen Brünos Eskapaden in die Welt des Showbusiness genug lustiges Potenzial, um eine Menge Spaß zu haben. Wenn er bei einem Probescreening einem Testpublikum seine neue Glamour-Show präsentiert oder als Gast in einer Talkshow mit seinem angeblich frisch adoptierten schwarzen Baby dermaßen provozierend schwul auftritt, dann sind die Reaktionen überaus amüsant. Doch obwohl er die charity-engagierte Paula Abdul dazu bekommt, sich zum Interview mangels anderer Möbel auf mexikanischen „Chair-People“ niederzulassen, fehlt insgesamt der Biss des Vorgängers, gelingt es nicht so gut, die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft aufzudecken. War damals Borat das Ziel für die latente Fremdenfeindlichkeit, gilt es jetzt, die Homophobie zu entlarven. Aber selbst höchst heterosexuelle Instanzen wie Priester, Jäger oder US-Abgeordnete sind erst mit auch für liberalere Klientel grenzwertigen Aktionen aus der Reserve zu locken.

So ist der gesellschaftskritische Anspruch, der den Vorgänger trotz aller Albernheiten auszeichnete, diesmal relativ begrenzt, gelingt es Cohen doch nur ansatzweise, die sicherlich vorhandene Schwulenfeindlichkeit zu entlarven. Trotzdem reichen seine Einfälle wieder aus, um sich glänzend zu amüsieren und sei es nur wegen des deutschen Kauderwelschs, das er seinen Brüno sprechen lässt.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)