HUGO CABRET
Darsteller:  Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen
Regie:  Martin Scorsese
Dauer:  126 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.hugocabret.de
 

Es ist fast ein wenig ungewohnt, was uns Großmeister Scorsese hier präsentiert. Dass er auch ruhiger kann, hat er ja unlängst schon mit „Aviator“ bewiesen, aber man verbindet seinen Namen dann doch eher mit der Hochspannung seiner letzten Werke „Shutter Island“ und „Departed“. Nun also wieder das Kontrastprogramm. Das aber fällt Dank virtuos genutzter 3D-Technik nicht weniger spektakulär aus, wie gleich die anfängliche Kamerafahrt durch den Bahnhof Montparnasse der 20er Jahre zeigt.

In dessen stählernen Eingeweiden lebt der junge Hugo (Asa Butterfield) seit dem Tod seines Vaters ganz auf sich allein gestellt und kümmert sich, wie es eigentlich die Aufgabe seines unpässlichen, versoffenen Onkels war, um den rechten Lauf der riesigen Uhren. Was ihm jetzt so an mechanischem Grundwissen durch den Alltag hilft – eine Störung des reibungslosen Ablaufs hätte womöglich seine Entdeckung durch den stets wachsamen Bahnhofsinspektor (wunderbar linkisch: Sacha Baron Cohen hier mal in einer ernst zu nehmenden Rolle) und die Zukunft im Waisenhaus zur Folge – wurde ihm regelrecht in die Wiege gelegt. Sein Vater nämlich, ein Uhrmacher mit regem Interesse an der Entwicklung mechanischer Automaten, vermittelte ihm schon früh das handwerkliche Rüstzeug.

Und schon erfährt man, dass es hier um mehr geht als nur das Schicksal dieses Jungen, der sich neben den Bahnhofsuhren vor allem um die Reparatur eines von seinem Vater hinterlassenen menschenähnlichen Apparates sorgt. Dass er sich die dafür nötigen Ersatzteile ausgerechnet beim griesgrämigen Spielwarenhändler Georges Méliès (Ben Kingsley) zusammenklaut und sich dabei erwischen lässt, erweist sich bald als überaus folgenreich für beide. Denn dadurch macht er Bekanntschaft mit Méliès‘ pfiffiger Tochter Isabelle (Chloë Grace Moretz), in der er nicht nur eine Freundin sondern auch das Bindeglied zwischen den Vergangenheiten ihrer beider Väter findet. Das kann zwar das Leben seines Vaters nicht mehr ändern, hat aber auf das des verbitterten Méliès grundlegenden Einfluss, zählte der doch damals zu den bekanntesten und innovativsten Film-Regisseuren der Welt.

Es schon großartig, wie Scorsese die Handlungsstränge fein miteinander verwebt, wie er anhand der liebevoll erzählten Geschichte des Jungen wohl portioniert immer mehr Licht in die geheimnisvolle Vergangenheit fallen lässt, dadurch geschickt einen schönen Spannungsbogen konstruiert und dabei auch noch fast unbemerkt ein Loblied auf die gute alte Zeit des Kinos singt. Immer wieder zieht er einen durch die grandiosen 3D-Einstellungen geradezu in die Handlung hinein, aber den Grundstein aller Anteilnahme legen immer noch die wundervollen Schauspieler, allen voran Ben Kingsley mit seiner Verkörperung des vielschichtigen, ehemaligen Regisseurs, die einem das Gefühl geben, Zeuge von etwas Großem zu sein.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)