CAROL
Darsteller:  Cate Blanchett, Rooney Mara, Kyle Chandler, Jake Lacy
Regie:  Todd Haynes
Dauer:  118 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  www.carol-film.de
 

Eigentlich ist es die gewohnte Geschichte: Gut situierte Dame in den besten Jahren ist ihres eintönigen Ehelebens ein wenig überdrüssig und stürzt sich Hals über Kopf in ein neues Liebesabenteuer. Alles auch im Film schon Dutzende Male gesehen, wenn es sich bei der neuen Eroberung nicht um eine Frau handeln würde, und wir uns noch dazu nicht im Amerika der prüden 50er befänden. Genau diese Voraussetzungen aber sind es, die Todd Haynes' Verfilmung von Patricia Highsmiths Roman so spannend machen.

Gleich am Anfang werden wir Zeuge dessen, was eigentlich nicht sein darf: Eine junge Frau fühlt sich zu einer anderen hingezogen. Ist das schon Liebe auf den ersten Blick - gar sexuelle Attraktion? Belassen wir es fürs Erste bei Faszination, die die elegante, ältere Carol (Cate Blanchett) auf die unbedarfte Verkäuferin Therese (Rooney Mara) ausübt, als sie sie zum ersten Mal sieht. Und wie schön ist dieser Schlüsselmoment eingefangen, scheint die Zeit plötzlich stillzustehen in der Spielwarenabteilung im stressigen Einkaufstrubel der Vorweihnachtszeit, als Carol für eine gefühlte Ewigkeit die aufgebaute Modelleisenbahn betrachtet, bevor sich schließlich ihre Blicke treffen. Es ist diese nonverbale Kommunikation, die auch beim folgenden Verkaufsgespräch die besondere Verbindung signalisieren muss, direkter ist es situationsbedingt kaum vorstellbar. Aber soll es das damit schon gewesen sein, der professionellen Abwicklung eines Spielzeugkaufs mit einer attraktiven Kundin? Zur Berechtigung der Kontaktaufnahme bedarf es dann doch eines Impulses in Form des von Carol im Kaufhaus vergessenen Paars Handschuhe, gilt es die durch die gesellschaftlichen Tabus noch höhere Barriere zu überwinden.

Nach diesem ersten Schritt und der daraufhin erfolgten Dankeseinladung entwickelt sich fast unweigerlich ein zartes Liebesverhältnis zwischen den so unterschiedlichen Frauen, sind die Fronten schnell geklärt. Ein Selbstläufer ist sie deshalb noch lange nicht, ist Carol doch stark in ihrem Scheidungskrieg samt Sorgerechtsstreit gefangen und muss Therese in ihrer Beziehung zu ihrem Freund Richard (Jake Lacy) erstmal für klare Verhältnisse sorgen. Es macht großen Spaß mitzuverfolgen, wie sich beide hin- und hergerissen in eine Ungewissheit begeben, die sich trotz des Bekenntnisses zueinander, sei es durch soziale Zwänge oder Gefühlsschwankungen, einstellt. Dabei sorgen Blanchett und Mara in ihrem so einfühlsamen Zusammenspiel für eine selten erlebte Nähe, die die Geschichte absolut fesselnd macht. Ein wundervolles Beispiel dafür, dass es nicht immer die ganz komplizierte Handlung sein muss, wenn dafür mit stimmungsvoller Inszenierung und hinreißenden Schauspielern eine unglaubliche emotionale Dichte erzeugt wird.



Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)