Catch me if you can



D: Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, R: Steven Spielberg, 140 Min.

Ich denke, jeder von uns war schon mal in einer Situation, in der er dachte: "Mann, was wäre eigentlich, wenn ich jetzt einfach...". Aber anstatt zur Tat zu schreiten, verabschiedete man sich dann ganz schnell wieder von dem Gedanken, obwohl seine Ausführung einem wahrscheinlich enorme Möglichkeiten eröffnet hätte. Was einen wohl aber letztendlich davon abhält, ist die Angst mehr zu verlieren als man mit dieser Aktion gewinnen könnte. Was aber, wenn man gar nichts mehr zu verlieren hat?

So mag der junge Frank Abagnale gedacht haben, der in den 60ern durch Betrügereien und Fälschungen das Establishment zum Narren hielt, und dessen Geschichte Steven Spielberg hier so liebevoll erzählt. Als nämlich das harmonische Familienleben der Abagnales zusammenbricht und der 15-jährige Frank - den Leonardo DiCaprio in allen seinen Stimmungslagen hier so spielt, dass man daneben den echten Frank Abagnale jr. wahrscheinlich für eine Fälschung halten würde - entscheiden soll, ob er bei seinem Vater oder seiner Mutter leben will, rennt er einfach davon. Und da er von seinem Vater (Christopher Walken) schon früh gelernt hat, dass in unserer Gesellschaft oftmals der Schein viel mehr zählt als das Sein, muss er nur eine kleine Hemmschwelle überwinden und schon hat er sich das Knowhow für den ersten Scheckbetrug angeeignet. Doch die Art, wie er sich dieses benötigte Wissen über die Bekanntschaft mit einer hübschen Bankangestellten verschafft, erfordert schon Einiges an Abgebrühtheit und ohne diesen unwiderstehlichen Charme, den DiCaprio hier ohne Zweifel versprüht, wäre sowieso nichts gelaufen. Überhaupt ist der gesamte Film mit dem unbeschwerten Charme der 60er/70er Jahre-Krimis gedreht, da wird man von der Ausstattung über das Licht bis zur Kamera in nahezu jeder Einstellung an den "Rosaroten Panther" oder das "Superhirn" erinnert, was direkt mit dem absolut gelungenen, als Trickfilm gestalteten Vorspann beginnt. Aber kein Krimi ohne Gegenspieler und den gibt hier Tom Hanks als FBI-Agent Hanratty nicht minder überzeugend, denn er füllt die Figur des Polizisten, der sich, von seiner Familiie getrennt lebend, voll in seinen Job stürzt, so sehr mit Leben aus, dass man ihn geradezu bemitleidet. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Versteckspiel, von dem man wirklich keine einzige Sekunde verpassen will, sei es weil sich Frank immer mehr in seine Betrügereien hineinsteigert, was ihn zu immer dreisteren Handlungen treibt oder weil die beiden mit der Zeit eine Beziehung aufbauen, von der man einfach wissen will, wo sie hinführt. Darüberhinaus ist das Ganze mit so viel Liebe zum Detail und so stimmig inszeniert, dass man sich einfach wohl fühlt der Spielberg macht das eben nicht erst seit heute.

So jagt Hanratty Frank quer durch die Staaten, vermag ihn aber nicht zu fassen, selbst wenn er ihm direkt gegenüber steht, so gerissen rettet der sich selbst aus ausweglosen Situationen. Aber obwohl Hanratty Franks ärgster Feind ist, sucht der immer wieder den Kontakt zu ihm und empfindet sogar irgendwie Sympathie für ihn. Das führt schließlich dazu, dass man auch noch eine Botschaft mit auf den Weg bekommt: aller Wohlstand und erschwindeltes Ansehen kann eine intakte Familie und ehrliche Gefühle nicht ersetzen.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Miguel)