C'EST LA VIE - SO SIND WIR, SO IST DAS LEBEN
Darsteller:  Jaques Gamblin, Zabou Breitman, Déborah François, Marc-André Grondin
Regie:  Rémi Bezançon
Dauer:  113 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.cestlavie.kinowelt.de
 

Es ist die Geschichte einer ganz gewöhnlichen französischen Familie, die hier erzählt wird. Ganz unspektakulär – aber vielleicht ist es gerade das, was es so spektakulär macht. Die kleinen Auseinandersetzungen, die Eigenheiten jedes Einzelnen und seine verschiedenen Lebensphasen, an denen alle mehr oder weniger teilhaben.

Wir starten im Jahr ’88: Albert (Pio Marmaï), gerade 20 und ältester Sohn von Marie-Jeanne (Zabou Breitman) und Robert (Jaques Gamblin), zieht von zuhause aus in seine erste eigene Wohnung. Der natürliche Lauf der Dinge und doch ein erster Einschnitt in das Familienleben, das nie mehr so sein wird, wie es die ganze Zeit war. Dementsprechend schwer fällt der Abschied seiner kleinen Schwester Fleur (Déborah François), für die er immer eine wichtige Bezugsperson war, und seiner Mutter, die die Familie langsam auseinanderbrechen sieht. Bruder Raphaël (Marc-André Grondin) und Vater Robert dagegen freuen sich eher auf die dazugewonnenen Freiräume, die es erstmal zu genießen gilt. Und auf der anderen Seite herrscht natürlich das Gefühl der endlich erlangten Freiheit vor, die Besuche bei der Familie lassen sich ja schließlich bei Bedarf immer noch in Verbindung mit den Annehmlichkeiten leckerer Mahlzeiten und der Abgabe von Schmutzwäsche einrichten.

Und das soll nur ein Vorgeschmack sein auf die Reise in die eigene Vergangenheit, auf die uns Regisseur Rémi Bezançon mitnimmt. Denn obwohl wir nur die Familienmitglieder dabei beobachten, wie sie an bestimmten Meilensteinen ihres Lebens ankommen, erkennt sich wohl jeder an der einen oder anderen Stelle wieder. Allein das ist schon ergreifend genug, denn wie gut kann man sich noch daran erinnern, wie man von zuhause auszog oder plötzlich in Nostalgie schwelgte, als man sein altes Kinderzimmer wieder betrat. Doch die wunderbaren Darsteller machen uns praktisch zum Teil der Familie, lassen uns mitleiden, mitfreuen und mitärgern, wenn mal wieder Veränderungen anstehen. Die werden mit gezielten Zeitsprüngen zu Tagen präsentiert, an denen einschneidende Ereignisse ihr Leben beeinflussen.

Von Alberts Auszug über Fleurs sechzehnten Geburtstag, ihr erstes Mal, Raphaëls einzige Liebe, Marie-Jeannes Midlife-Crisis bis zu Roberts überraschender Krebs-Diagnose durchlebt man nicht nur die gesamte Familiengeschichte, sondern man bekommt auch noch einen Eindruck vom Wandel der Zeit. Obwohl nur zwölf Jahre zwischen dem ersten und dem letzten Tag liegen, ist es Bezançon hervorragend gelungen, den Zeitgeist zu transportieren und mit den Einzelschicksalen zu verbinden. Das ist unheimlich mitreißend und lässt einen ständig Vergleiche mit seinem eigenen Leben ziehen. So spektakulär kann das Leben einer ganz gewöhnlichen Familie sein.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)