Dark Blue



D: Kurt Russell, Brendan Gleeson, Scott Speedman, R: Ron Shelton, 118 Min.

Sommer 1992 - in Los Angeles brodelt nicht nur die Hitze. Die Stadt ist angespannt, denn es läuft der Prozess gegen die vier weißen Polizisten, die am 3. März 1991 den wehrlosen Schwarzen Rodney King bei einer Festnahme grundlos windelweich geprügelt hatten, hierbei gefilmt wurden. Mit den Amateuraufnahmen hiervon beginnt "Dark Blue", nutzt die Stimmung in der Stadt in der Folge geschickt aus.

Eldon Perry (Kurt Russell) ist der beste Mann im Team von Polizeichef Jack van Meter (Brendan Gleeson), der auf ganz besondere Art und Weise für Recht und Ordnung sorgen lässt - rassistisch, brutal und oftmals ungerecht - Hauptsache man präsentiert der Öffentlichkeit Schuldige. Seinen neuen Partner Bobby Keough (Scott Speedman) versucht Perry gerade ans Töten zu gewöhnen, wobei sich dieser aber im ersten Test schwer tat, weswegen Perry selbst abdrücken musste - ohne hierzu gezwungen zu sein, aber so läuft das eben in der Truppe. Offiziell wird Keough der Schuss zugesprochen, wofür dieser vor den Ausschuss gerät, aber wie gewohnt wird ihm attestiert, im besten Sinne seines Dienstes gehandelt zu haben. Der farbige Vizechef des LAPD, Arthur Holland (Ving Rhames), ist der Einzige, der die Betrügereien ahnt und das team von van Meter gerne auffliegen lassen würde, nicht nur um selbst erster Schwarzer an der Spitze der LAPD zu werden. Dass Schönling Keough mit Hollands Assistentin Beth Williamson (Michael Michele, die Dr. Cleo Finch aus Emergency Room) ein Verhältnis hat, spielt zu Beginn keine tragende Rolle, schließlich wissen beide nur voneinander, dass sie Cops sind, kennen nicht einmal ihre Nachnamen.

Privat läuft es bei Perry nicht so gut. Sein vernachlässigter Sohn hasst ihn, seine Frau ist frustriert und trinkt, auch er selbst kippt sich jede Menge Alkohol hinter die Binde. So kaltblütig er sich tagsüber im Dienst gibt, so zerbrechlich und fertig ist er abends, auch wenn er dies nicht wahr haben will. Als van Meter ihm und Keough einen neuen Fall übergibt, ermitteln beide sehr gut. Ein Supermarkt war von einem Schwarzen und einem Weißen überfallen worden, wobei gnadenlos einige Menschen erschossen wurden. Schnell kommen die Polizisten dahinter, dass es nicht um die Tageseinnahmen ging, sondern um Gelder aus illegalen Bordellgeschäften. Als sie van Meter ihre Hauptverdächtigen mitteilen, gibt dieser die Order, die Jungs in Ruhe zu lassen, seien sie doch seine Informanten seit Jahren und zum tatzeitpunkt außer Landes gewesen. Dass dies nicht stimmt, weiß er nur zu gut, hat er sie doch beauftragt, das Verbrechen zu begehen, wie man schon zu Beginn des Films erfährt. So ist es wie so oft - man sucht zwei andere Gangster, die nichts mit der Tat zu tun hatten, und richtet diese hin. Diesmal drückt Keough ab, nach langem Zögern, und Perry nimmt den Schuss auf sich.

Alles wie immer? Nein! Keoughs Gewissen lässt ihm keine Ruhe. Gleichzeitig entschließt sich van Meter, es wäre an der Zeit, Perry umlegen zu lassen, da dieser zu viel wisse. Die Ereignisse überschlagen sich, und gleichzeitig brechen die Rassenunruhen nach dem Freispruch für die Rodney-King-Misshandler aus...

Regisseur Ron Shelton zeigt, dass er mehr kann als Sport-Komödien wie "Weiße Jungs bringen's nicht" oder "Tin Cup", hat hierbei aber natürlich auch ein Drehbuch von James Ellroy ("LA Confidential") zur Hand. Kurt Russell spielt den mal kaltblütigen, mal verstört verzweifelten Holland mit einer Klasse, wie er sie seit vielen Jahren nicht gezeigt hat, und auch die anderen Charaktere sind passend besetzt. Starker Thriller, der geschickt den Hintergrund des Rodney-King-Prozesses aufnimmt und eine gute Story hiervor aufbaut.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Tobi)