DEN STERNEN SO NAH
Darsteller:  Asa Butterfield, Britt Robertson, Gary Oldman, Janet Montgomery
Regie:  Peter Chelsom
Dauer:  121 Minuten
FSK:  freigegeben ab 6 Jahren
Website:  tobis.de/film/den-sternen-so-nah
 

Seit Ewigkeiten ist es das Bestreben der hochentwickelten Menschheit, einen ersten Abgeordneten zum Mars zu schicken oder gar den so fernen Planeten so rasch wie möglich zumindest zu Forschungszwecken zu besiedeln. Zu ersten Sonden dorthin haben wir es ja tatsächlich schon gebracht, aber ein dauerhafter Aufenthalt ist in naher Zukunft noch nicht denkbar.

Ganz anders in Peter Chelsoms ("Funny Bones", "The Mighty") neuem Werk, in dem diese Zeit schon erreicht ist und das die Thematik in genau entgegengesetzter Richtung angeht. Die Forschungsstation des privaten Unternehmers Nathaniel Shepherd (Gary Oldman) auf dem Mars ist schon lange Realität, und Flüge dorthin nahezu an der Tagesordnung. Die aber gerät gewaltig aus den Fugen, als Astronautin Sarah Elliott (Janet Montgomery) schwanger zu ihrer Marsmission aufbricht und die Geburt ihres Sohnes Gardner (Asa Butterfield) nicht überlebt. Dem ist somit eine alles andere als unproblematische Jugend als Waise auf dem entfernten Planeten - eine Rückholaktion wird von allen medizinischen Beratern zumindest während seiner Wachstumsphase aus Gesundheitsgründen kategorisch ausgeschlossen - gewiss, während er von den wechselnden Wissenschaftlern der Station betreut wird, und sich Kendra (Carla Gugino) dabei zu seiner Ersatzmutter berufen fühlt. Zu seiner wichtigsten Bezugsperson aber wird mit der Zeit seine irdische Chatfreundin und einziger gleichaltriger Kontakt Tulsa (Britt Robertson), die sich noch dazu als Waise emotional mit ähnlichen Problemen herumschlagen muss.

Diese Ausgangssituation könnte besser nicht aufbereitet werden, so sehr fühlt man sich verbunden mit dem unverschuldet isolierten Gardner, in dem während seiner Unterhaltungen mit Tulsa immer mehr der Wunsch erwächst, sie persönlich zu treffen, endlich auf die Erde zu kommen. Dem die Enge der Station und seine Seelenverwandtschaft mit Tulsa immer bewusster wird, je näher sie sich kennenlernen. Und der trotz immer enger werdender Verbindung doch weiß, wie unerreichbar weit weg sie ist. Wie groß soll sein Verlangen noch werden, bis ihm Shepherd seinen größten Wunsch der Rückkehr nicht mehr abschlagen kann? Diese Problematik verdichtet sich immer mehr, bis endlich der Zeitpunkt gekommen ist, er dabei gleichzeitig als glücklicher Einzelfall zum willkommenen Forschungsobjekt mutiert. Doch als er darauf nur noch mit Flucht zu Tulsa reagieren kann, kommt der große Bruch in den Plot.

Was vorher zum philosophischen Diskurs angeregt hat, verkommt im Verlauf mehr und mehr zur Teenie-Romanze mit Road-Movie-Charakter. Das hat zwar dank nett erdachter Erstkontakte unseres "Marsmenschen" mit den Erdenbewohnern einen gewissen Charme, spielt aber letztendlich auch nur die Karten altbekannter Stereotypen. Die anschließende verzweifelte Suche der beiden nach Gardners Vater inklusive Katz-und Maus-Spiel mit den staatlichen Organen ist dabei nach wie vor stringent abgearbeitet, verflacht aber leider zusehends. Unter dem Strich bleibt so nach der großartigen Idee des Anfangsszenarios nur ein leidlich spannendes Abenteuer mit nur allzu vorhersehbarem Ausgang.



Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)