DER ROTE BARON
Darsteller:  Matthias Schweighöfer, Lena Headey, Til Schweiger, Joseph Fiennes
Regie:  Nikolai Muellerschoen
Dauer:  129 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  www.derrotebaron-derfilm.de
 

Es sind Flugszenen und immer wieder Flugszenen, die Begeisterung wecken sollen. Genauso wie Manfred von Richthofen von der Fliegerei begeistert war und nicht von ihr lassen konnte. Und bedenkt man, dass dafür laut Presseheft nicht ein einziges Flugzeug in die Luft gehen musste, verdienen sie auch größten Respekt, aber so richtig will der Funke nicht überspringen.

Man macht die Bekanntschaft Manfred von Richthofens (Matthias Schweighöfer) selbstverständlich gleich eingangs in einem Flugzug sitzend, und wird Zeuge, wie er sich durch seine geschickten Manöver im Luftkampf gekonnt aus der Affäre zieht. Genau diese Fähigkeit, seine Brillanz beim Bewegen eines Flugzeugs, begründet den ganzen legendären Ruhm, der von Richthofen, erst später wegen der Lackierung seines Fliegers „Roter Baron“ genannt, zuteil werden soll. Und man bekommt sie prompt mundgerecht serviert wie die Fairness, mit der er seinen Gegnern am Himmel begegnet, hilft er doch kurze Zeit später, den ebenso gefürchteten wie geschätzten englischen Flieger Captain Brown (Joseph Fiennes) aus seinem abgeschossenen Wrack zu bergen. Das ist alles ein bisschen einfach – guck, so war er damals, unser Held – und wirkt deshalb ein wenig aufgesetzt.

Ganz anders als von Richthofens Einstellung zum Fliegen: im Ersten Weltkrieg 1916 als Wunderwaffe im Kampf um die strategisch wichtige Lufthoheit eingesetzt, während am Boden die Fronten stagnieren, sieht er sich als reiner Sportler, der mit seiner Maschine mit anderen in den Wettbewerb tritt und dabei niemand verletzen will. Und das transportiert Schweighöfer tatsächlich wunderbar, den verspielten, jungenhaften Flieger, der sich für nichts anderes als das Fliegen interessiert. Unterstützt wird er dabei sehr gut von den anderen Mitgliedern seiner „Flying Circus“ genannten Fliegerstaffel Voss (Til Schweiger), Sternberg (Maxim Mehmet), Wolff (Tino Mewes) und Lehmann (Hanno Koffler), die sich allesamt so aufführen wie Teenager auf Klassenfahrt.

Doch das eigentliche Potenzial des Films, die Wandlung von Richthofens vom unbelasteten Sportler zum verantwortungsvollen Kriegshelden, dessen Erfolge für Propagandazwecke in den Grabenkämpfen des verlustreichen Stellungskriegs missbraucht werden, wird leider leichtfertig verschenkt. Einerseits nimmt man Schweighöfer diese plötzliche Nachdenklichkeit nicht richtig ab, als sein Gewissen in Form der Krankenschwester Käte (Lena Headey) in sein Leben tritt, und andererseits kommt sein Gewissenskonflikt neben der künstlich drangeklebten, hölzernen Liebesgeschichte mit Käte, die wohl einfach nicht fehlen durfte, viel zu kurz.

So hat man den Eindruck, der Streifen wäre trotz der aufwändigen Produktion als Historien-Mehrteiler im Abendprogramm des Fernsehens besser aufgehoben.

Wertung: 5 von 10 Punkten

(Mick)