DER KRIEG DES CHARLIE WILSON
Darsteller:  Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman
Regie:  Mike Nichols
Dauer:  98 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Weblink:  movies.uip.de/derkriegdescharliewilson
 

Das Thema Afghanistan war damals Anfang der 80er Jahre so aktuell wie heute. Die Sowjets hatten gerade das Land besetzt, knechteten die Bevölkerung wie es ihnen beliebte und der Widerstandskampf war aussichtslos. Dass das zu Hochzeiten des Kalten Krieges jedem Amerikaner ein Dorn im Auge war, versteht sich fast von selbst, doch geriet es bei der gewaltigen Anzahl an Nebenschauplätzen ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Bis ein bis dato recht unbedeutender Kongressabgeordneter durch einen Fernsehbericht der Problematik gewahr wurde. Auf diesen wahren Tatsachen beruht Mike Nichols Polit-Comedydrama, mit dem er sich dem Kampf Charlie Wilsons gegen die Besetzung Afghanistans widmet.

Tom Hanks brilliert hier mal wieder von der ersten Sekunde an mit seiner Verkörperung des kleinen Politikers, der sich auf seine Lobbyarbeit im Kongress konzentriert und sonst eher sein dadurch ermöglichtes ausschweifendes Privatleben genießt. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass er sich gerade mit zwei Stripperinnen in einem Whirlpool befindet, als er auf die Reportage im Fernsehen aufmerksam wird, die sein Leben verändern soll. Als er dann noch von seiner millionenschweren, texanischen politischen Unterstützerin und Gelegenheits-Liebhaberin (schön eingebildet: Julia Roberts) angetrieben wird, seine Beteiligung am Ausschuss für Geheimoperationen zu nutzen, ist eine Kampagne ins Leben gerufen, die letztendlich den Abzug der Sowjets zur Folge haben soll.

So wichtig der historische Hintergrund gerade wegen seiner Authentizität für die Handlung auch sein mag, richtig unterhaltsam wird der Film erst durch das Zusammenspiel seiner großartigen Charaktere und den damit verbundenen wunderbaren Dialogen, deren Wortwitz manchmal sogar erst einen Moment später wirkt. Dabei bereiten besonders die schauspielrischen Leistungen der drei Hauptdarsteller große Freude, denn neben Roberts als versnobte Millionärin und Hanks, der es versteht, der versoffenen Figur mit Scheißegal-Einstellung plötzlich auch ambitonierte, zielstrebige Züge zu verleihen, zeigt sich auch Philip Seymour Hoffman als durchtriebener, schwarzhumoriger CIA-Mann gut in Form. Zusammen gelingt es den Dreien, durch Ausspielen all ihrer Kontakte über die stetige Erhöhung des Militäretats für Afghanistan ein Netzwerk zu errichten, bei dem zuletzt sogar israelische Waffenhändler und Araber kooperieren. Das Ende der Geschichte: die Stinger-Raketen, mit denen die afghanischen Mudschaheddin fortan beliefert werden, holen reihenweise Helikopter der Roten Armee vom Himmel. Dies wird mit glorifizierender Musik unterlegt, einem US-Army-Propagandavideo gleich, schonungslos abgefeiert. Ein Glück nur, dass dieses etwas unangenehme Bild gleich wieder geradegerückt wird, als Wilson in der nächsten Sitzung des Geheimdienstausschusses die gleichen Gelder wie für die Befreiung auch für den Wiederaufbau einfordert. Die Antwort: „Wen kümmert schon die Bildung in Usbekistan?“.

Wertung: 9 von 10 Punkten

(Mick)