DIE KOMMENDEN TAGE
Regie:  Bernadette Heerwagen, Daniel Brühl, Johanna Wokalek, August Diehl
Regie:  Lars Kraume
Dauer:  119 Minuten
FSK:  freigegeben ab 12 Jahren
Website:  movies.uip.de/diekommendentage
 

Bedrückend ist schon die Eingangssequenz: da tritt die junge Frau (Bernadette Heerwagen) durch die schwere Tür in der riesigen, militärisch bewachten Mauer in die schneebedeckte, bergige Einöde hinaus. Noch kann man das nicht richtig einordnen, aber das Gefühl ist alles andere als positiv.

Schnitt und Zeitsprung ein paar Jährchen zurück, wir befinden uns im Deutschland der näheren Zukunft im 21ten Jahrhundert und im Nahen Osten tobt der dritte Golfkrieg um die immer knapper werdenden Ölreserven. Grund genug für die studentischen Aktivisten Konstantin (August Diehl) und Freundin Cecilia (Johanna Wokalek), sich politisch zu engagieren, Flashmob beim Besuch des saudischen Ministers mit anschließender Verhaftung inklusive. Das kümmert sie aber wenig, schließlich ist ja Cecilias Papa Anwalt und paukt sie schon wieder raus. Da wird lieber sorglos das Leben genossen und parallel versucht, das System zu verändern, das uns allerdings auch dringend reformbedürftig präsentiert wird. Erschreckend realistisch malt Regisseur Lars Kraume dabei ganz nebenbei ein düsteres Zukunftsbild, in dem die Schere zwischen Arm und Reich meilenweit auseinanderklafft und selbst frische Lebensmittel zum begehrten Luxusgut werden.

Ganz anders als Cecilia dagegen ist ihre Schwester und Mitbewohnerin Laura (Heerwagen) eingestellt, die doch eher zielstrebig an ihrem Studienabschluss arbeitet und sich nach dem familiären Glück sehnt. Überhaupt gelingt es Kraume von Anfang an ganz ausgezeichnet, die einzelnen Charaktere herauszuarbeiten, was natürlich nicht zuletzt an den hervorragenden Schauspielern liegt. So versucht sich Laura dem ganzen Aktionismus, der ihr doch sehr suspekt erscheint, so gut es geht zu entziehen und sucht ihr Glück lieber in der Beziehung zum sanften Hans (Daniel Brühl), den sie zufällig in Vaters Kanzlei kennenlernt. Der droht zu erblinden und will seine letzten sehenden Jahre mit anderen Dingen als Arbeit nutzen. Und während die beiden ihre Liebe füreinader entdecken, rutschen Cecilia und Konstantin durch seine dubiosen Kontakte mehr und mehr ins kriminelle, terroristische Milieu ab.

Was dann kommt, ist die Darstellung der Schicksale der beiden Pärchen in einem Europa, das immer mehr einem Endzeitszenario entgegentaumelt. Reiche müssen sich Arme in Schutzzonen vom Leib halten und Energie wird zu einem teuren Gut. Damit versuchen sich Laura und Hans so gut wie möglich zu arrangieren, und gleichzeitig machen Cecilia und Konstantin eine Wandlung zu radilkalisierten Untergrundkämpfern durch. Die Geschichte ist angesichts der tristen Kulisse durchaus beeindruckend, nur verzettelt sich der Streifen zeitweilig allzu sehr in den familiären Beziehungswirren der vier und verliert so an Intensität. Dennoch ist Kraume hier ein in seiner Dichte immer noch respektables Endzeitdrama gelungen.

Wertung: 8 von 10 Punkten

(Mick)