DER MANN, DER NIEMALS LEBTE
Darsteller:  Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Ali Suliman
Regie:  Ridley Scott
Dauer:  128 Minuten
FSK:  freigegeben ab 16 Jahren
Weblink:  www.DerMannDerNiemalsLebte.de
 

Antiterrorkampf die Nächste: Diesmal versucht sich Ridley Scott („American Gangster“, „Gladiator“) mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von David Ignatius an der Materie und beleuchtet sie wie schon Einige vor ihm aus der Perspektive der CIA.

Deren Topmann für Auslandseinsätze Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) wird nach einem islamistischen Bombenanschlag in England auf den mutmaßlichen Urheber Al-Saleem (Alon Aboutboul) angesetzt, der ankündigt, die ganze westliche Welt mit seinen blutigen Terroranschlägen zu überziehen. Ferris, durch Aussehen und Sprachkenntnisse nach vorherigen Einsätzen schon optimal an die arabische Welt adaptiert, bekommt nun von seinem Koordinator Hoffman (Russell Crowe) die Leitung der Geheimdienstoperationen in Jordanien übertragen, wo die Wurzeln des Terrornetzwerks um Al-Saleem vermutet werden, und soll dort durch gezielte Infiltration an ihn herankommen.

Diese gesamte Thematik birgt sicherlich ein enormes Spannungspotenzial, aber nach Werken der letzten Zeit wie „Operation Kingdom“, „Ein mutiger Weg“ oder „Machtlos“ stellt sich allmählich doch ein gewisser Abnutzungseffekt ein, der an sich das ganz sensationelle Sehvergnügen mangels Innovation schon verhindert. Aber wie viele Filme zum Vietnamkrieg hat man eigentlich gesehen? Und sind nicht darunter auch einige mit dem Prädikat „wertvoll“ zu versehen? So unterscheiden sich auch hier alle Filme dadurch, dass sie verschiedene Bereiche des Kampfes gegen den islamistischen Terror hervorheben, jedoch bleibt der Hintergrund immer derselbe. Und deshalb muss sich auch dieser Streifen mächtig strecken, um dem Szenario noch Neues abzugewinnen und Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Das versucht er anfangs vor allem durch knallharte Action, doch gerade das hat man ja schließlich im selben Kontext schon dutzendfach gesehen und nimmt die zugegebenermaßen grundsolide Arbeit eher beiläufig zur Kenntnis. Ihren Reiz bekommt die Geschichte aber erst durch die Konfrontation der unterschiedlichen Charaktere, die ja schon Scotts Vorgängerwerk „American Gangster“ auszeichnete. Waren damals die Hauptdarsteller Denzel Washington und Russell Crowe noch erbitterte Rivalen, stehen jetzt DiCaprio und Crowe auf der selben Seite im Kampf gegen das Böse. Da ist der sensible, respektvolle Gefühlsmensch Ferris, der sich bei seinen Einsätzen durch smartes Auftreten Vertrauen erarbeitet, das aber im Gegenzug vom skrupellosen Taktierer Hoffman gleich wieder rigoros zerstört wird. Durch rein telekommunikatorische Interaktion von den USA aus – das omnipräsente Headset bekommt fast schon Symbolcharakter – macht der sich alles und jeden zunutze ohne selbst in Gefahr zu geraten, und auch sein Protégé Ferris kann sich nicht dagegen wehren, zum Spielball seiner Machtpolitik zu werden.

Das zeigt dann doch den Konflikt auf, in dem sich alle Beteiligten befinden: Welches ist in diesem harten Geschäft denn nun der richtige Weg, um zum Ziel zu gelangen? Doch leider sind diese starken Momente im allgemeinen jordanischen Durcheinander viel zu selten, und so bleibt am Ende hauptsächlich doch wieder nur eine Menge beliebig austauschbarer militärischer Action hängen.

Wertung: 6 von 10 Punkten

(Mick)